Eine junge Frau lässt sich von einem seriös wirkenden Unbekannten auf ihrem Weg zu einem Nachtclub mitnehmen, dabei entpuppt sich ihr nächtlicher Chauffeur, der Psychologe Dr. Herbert Lyutak, jedoch als Triebmörder. Für die Polizei ist das der siebte Mord nach gleichem Schema in einem Jahr, bei den Ermittlungen hilft den drei nichts ahnenden Inspektoren ausgerechnet jener Dr. Lyutak als Kriminalpsychologe. Dessen Frau Marzia, die Trophäen von seinen Verbrechen in einer Truhe findet, weiß, was los ist, ist ihm jedoch in treuer Liebe verfallen... Bildlich schwankt Regisseur Renato Polselli zwischen Gialloelementen und einem Erotikthriller mit ausgebreiteten Sleazeszenen, die oftmals mit Herberts Gewaltausbrüchen einhergehen, ohne die er nicht zu sexuellen Handlungen fähig ist. Diese Verknüpfung geht bis hin zu delirierenden Aufnahmen aus Marzias Traumfantasien sowie einer triebhaften, sadistischen Ader, die ihren Ehemann umgibt und denen sie sich freigiebig unterwirft. Der Fall als solcher, was die Mordserie angeht, scheint mit der ersten Szene für den Zuschauer eigentlich aufgeklärt, doch dann wäre dies kein Giallo und nachdem die Polizei den offensichtlich falschen Täter identifiziert hat, macht der Film eine gar sonderbare Wende und lässt vor allem seinen geschwätzigen Mittelteil hinter sich. Die Identität des Killers wird dabei immer ungewisser, je mehr Frauenmorde wie z.B. im Park oder in der Badewanne Renato Polselli aneinander reiht. Dabei legt er weniger Wert auf grafische Gewalt mit viel Blutvergießen, als auf viel nackte Haut. Innerhalb seines Genres betrachtet ist "Delirium" solide gefilmt, beleuchtet relativ viel die schleppende Aufklärungsarbeit der Polizisten, Dr.Lyutak tritt dabei zwischenzeitlich auch mal weiter in den Hintergrund. Dafür schleicht sich ein weiterer Hobbykriminologe in den Plot, eine Art italienischer Privat-Columbo auf eigene Faust, der damit noch etwas Humor einbringt. Mit der scheinbaren Aufklärung ist der Film noch lange nicht vorbei, sondern macht eine obskure Wende hin zu einem Psychotaumel, in dem die drei Herbert umgebenden Frauen mit und ohne Drogen dem Wahnsinn näher rücken. Das lässt heutzutage auch den männlichen Zuschauer beim Finale den Kopf schütteln, schmunzeln und staunen. So was gab es wohl nur in Italien, wo für Herbert (sprich "Herrberrt" mit rollendem R) die Frauen alles tun. Sichtlich geht Mickey Hargitay in der Rolle des gewieften Psychologen auch besser als Betörer des schönen Geschlechts auf, denn als brutaler S/M-Killer, den man ihn in den entsprechenden Szenen nur schwerlich abnimmt. Richtig gelungen ist dagegen Rita Calderoni, sich räkelnd, anschmiegend und leicht bekleidet drapierend, wo es nur geht. Das steht ihr sichtlich gut. Apropos gut: Der Soundtrack von Gianfranco Reverberi ist ein auffälliges Merkmal dieses Italo-Thrillers, der mal sphärisch-gruselig über verspielte 70er-Klänge bis hin zu treibenden Verweisen à la Morricone dem geneigten Ohr allerhand anbietet. Unter normalen Gesichtspunkten ist die Inszenierung reichlich durcheinander und wechselt teils munter und unvermittelt die Richtung, weniger geplant wirkt das, als unvermögend seitens der Produktion, Regie, der Story, der Darsteller oder allem zusammen. Für fortgeschrittene Giallo-Jünger dennoch oder gerade deshalb unterhaltsam, auch ohne viel tiefen Sinn oder stringenter Inszenierung.
Fazit: Sicher keiner der ganz großen Giallos. Doch er hat seine Momente, vor allem seine sleazigen, innerhalb der manchmal durch ein etwas wirres Drehbuch überraschenden Machostory. 5/10 Punkten