Review

Alleine schon von der Krimiebene her betrachtet ist Polsellis sleaziger und reichlich wirrer Giallo-Verschnitt ein Rohrkrepierer. Repetitiv reiht sich ein langweilig inszenierter Frauenmord an den anderen, stoisch gefolgt von unsäglich bedeutungslosen und langatmigen Dialogen der Ermittler und / oder dämlichen Psychogesprächen zwischen dem ebenfalls an den Ermittlungen beteiligten Psychologen Dr. Herbert Lyutak und seiner Schnalle Marzia (in gewissen Kreisen immer wieder gern gesehen: Rita Calderoni). Natürlich hat Dr. Herbert selbst heftig einen an der Waffel und blickt nicht im geringsten, was seine Wenigkeit wirklich mit den Serienmorden zu tun hat. Im Gegensatz zu seiner Trulla, die seltsame Visionen hat und ihrem Herbert vollkommen hörig ist, wodurch sie wiederum einiges über sich ergehen lassen muss.

Das alles mag sich wilder anhören als Polselli es am Ende gebacken bekommen hat, denn sowohl Freunde des gepflegten Giallos als auch ein mögliches Schnittmengenpublikum irgendwo zwischen Sexploitation, Psychoeintopf und Horror-Slasher sollte qualitativ wesentlich besseres gewohnt sein und ergo kaum auf seine Kosten kommen. Andere Zielgruppen dürfte "Delirium" ohnehin nicht ansprechen. Alleine stilistisch können einige Bilder eine gewisse ästhetisch reizvolle Wirkung entfalten (und damit sind gerade nicht die nahezu kontextlos eingebastelten Nacktszenen gemeint). Allerdings verpuffen diese visuellen Reize schlagartig aufgrund der desaströsen Dramaturgie, welche der Handlung jedwede Spannung raubt und ihr schlechterdings auch noch eine völlig nervtötende Wirkung verleiht.

Da fallen mehrere Anschlussfehler kaum noch ins Gewicht (so ist etwa eines der Opfer zur Tatzeit nackt, wird später aber vollständig bekleidet aufgefunden). Möglicherweise hängen diese Fehler mit der Tatsache zusammen, dass mindestens drei verschiedene Fassungen des Films existieren, die sich nicht nur wesentlich in der Länge sondern auch hinsichtlich diverser Handlungsstränge unterscheiden.  "Delirium" hätte wohlmöglich besser funktioniert, wenn Polselli den Schwerpunkt auf die Beziehung zwischen Lyutak und Marzia gelegt und diese als melancholisches Liebesdrama inszeniert hätte. Stattdessen hat er eine storytechnisch dürftige und überhaupt unstimmige Mischung aus Krimi und Psychothriller gebastelt, die er mit etwas nackter Haut und entsprechenden Reizthemen (S/M) versucht hat aufzupeppen. Immerhin ist der Soundtrack recht annehmbar gelungen, der eine ganze Bandbreite von Genres abdeckt (von psychedelischem 70er Rock über fiebrige Perkussionsteppiche bis hin zu Klängen, die man eher einem typischen Italo-Western zuordnen würde ist hier so einiges geboten).

"Delirium" ist somit am ehesten noch für Komplettisten interessant oder aber für Liebhaber bestimmter Randbereiche, die auch einer Filmgurke ohne Unterhaltungswert noch positive Aspekte abgewinnen können.

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