Ich bin's, der Kartoffel!
Vietnamtrauma, Giallo, Sexfilmchen, Krimi, Poliziotto, Exploitationer… „Delirio Caldo“ ist ein wirrer, weirder und wahlloser Erotikthriller aus Italiens schmuddeligsten Untiefen der wilden Siebziger über einen traumatisierten Frauenmörder und die Jagd auf ihn…
Das Trauma in trashig-italienisch
„Das Grauen kommt nachts“ ist für mich ein massiv zweischneidiges Schwert. Fast egal welche Version man da vor sich hat (meine hatte sogar Hardcore-Sexszenen intus!). Die deutsche Synchro ist grandios drüber und sorgt für etliche Lachflashs. Manche Kills oder Peinigungen sind nasty, die Erotikszenen machen das Ganze noch schleimiger und fieser. Einige der Frauen sind Hingucker. Und für Gialloallesgucker ist in dieser gemischten Dreckstüte sicher reichlich was zu finden. Und dennoch kann ich ihn als Film an sich fast nur mangelhaft nennen. Die Geschichte ist sprunghaft, die Darsteller wirken steif, die Szenenübergänge bleiben rätselhaft, Rätsel oder Mysterium bleiben auf der Strecke, zu einem atmosphärischen Teppich entwickelt sich das alles auch nicht gerade. Und wenn dann zu einem richtig schmutzigen, löchrigen und versifften. Was ein Herbert… Alles wirkt sehr stückelig und sado-/masochistisch. Aber für einen echten Video Nasty dann doch wieder nicht brutal genug. Dafür was Sex und Nacktheit betrifft weit vorne. Misogyn obendrein. Ein sehr komischer, unangenehmer Flickenteppich. Gerade in Kombi mit der zum Schreien komischen deutschen Asi-Vertonung. Selbst für Kenner und Liebhaber der Materie in mehrerlei Hinsicht eine dicke Pille, die im Hals stecken bleiben kann. Auch qualitativ und insgesamt. Faszinierend. Einen Narren daran gefressenen habe ich aber sicher nicht.
Fazit: die deutsche Synchro ist wahnsinnig, das Versionschaos ist ärgerlich, der sleazige Giallo an sich (noch nett ausgedrückt) eher suboptimal - der Unterhaltungswert insgesamt aber stattlich mit Bier und Gleichverirrten. Ein eiskaltes Delirium. Trotzdem kein guter Film. Ganz und gar nicht.