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Ein offenbar gestörtes Verhältnis zu ihrer kleinen Tochter Lucy hat die Mittdreißigerin Nicole (Antonia Liskova). Denn das kleine blonde Mädchen mit den großen dunklen Augen tut nicht immer das, was Mama von ihr erwartet und muß daher das eine oder andere Mal ermahnt werden. Außerdem scheint sie mehr Vertrauen in ihren Papa zu haben, den sie allerdings viel weniger sieht, da er tagsüber arbeiten muß.
In dem stockfinsteren großen Haus plagen Nicole, die an der Flasche hängt und heimlich aus einem großen Kanister im Schrank trinkt, daher auch Sorgen um ihr eigenes Verhalten: war sie nicht immer eine gute Mutter gewesen, die sich um ihre eigene Tochter gekümmert hatte, beispielsweise um den zugeflogenen Singvogel, den Lucy in einem Käfig gefüttert hatte? Selbst als dieser gestorben war, hatten sie ihn in einer Blechkiste draußen beerdigt, denn auch Vögel kommen in den Himmel, wie sie ihrer Tochter bestätigt hatte. Doch immer öfter sucht Nicole nach Lucy, kann sie zunächst nicht finden und muß ihr verschlossenes Kinderzimmer mit einem Nachschlüssel aufsperren. Da steht sie dann oder sitzt mit ihren Plüschtieren und schaut mit großen Augen auf ihre Mama. Die weiß nicht so recht was los ist: will ihr etwa jemand die Tochter wegnehmen?
Oder bildet sie sich manche Dinge bloß ein?

Die italienische Produktion Occhi Chiusi beginnt mit einer Szene, in der eine Mutter einen Säugling stillt, dieser statt Muttermilch jedoch Blut saugt - ein Hinweis auf eine eher suboptimale Mutter-Tochter-Beziehung. Doch was auf einen Horrorfilm schließen läßt, entpuppt sich schon ab der nächsten Szene als schwerfälliges, nie konkret werdendes düsteres Drama, das zu allem Überfluß im Halb- wenn nicht sogar im völligen Dunkel gedreht wurde. Lange Passagen, in denen außer verschwommenen Farbflecken bestenfalls schemenhaft die Umrisse von Köpfen bzw. Frisuren, Händen oder Gegenständen auszumachen sind, ermüden schon sehr bald das Auge des Zuschauers, der vergeblich nach einem roten Faden sucht.

Zu diesen optischen Schwierigkeiten, die freilich bewußt gewählt wurden, kommt erschwerend auch noch eine Kameraführung hinzu, die viel zu nah an Darstellern und Gegenständen klebt, in Gesichter hineinzoomt und den überstrapazierten Sehnerven nur ganz selten einmal eine Bildtotale gönnt. Weiters ist der dialogarme Film auch noch mit dem Manko behaftet, daß im italienischen Original Nicole italienisch spricht, ihr Mann jedoch auf deutsch antwortet (besser: nuschelt), was für zusätzliche Verwirrung sorgt.

So mäandert die Story um die verwirrte Nicole, die offenbar Spuren der Vergangenheit aufarbeitet, relativ träge und langsam in der Dunkelheit vor sich hin und läßt hinsichtlich des Plots bestenfalls Spekulationen zu, was da eigentlich passiert (sein könnte). Irgendwann endet dann der Streifen ohne konkretes Ende, vor allem aber ohne daß dem sehnlichsten Wunsch des Zuschauers nachgegeben wurde, doch mal endlich das Licht aufzudrehen.Fazit: Thematisch diffus bis unscharf, bildtechnisch sowieso ein absoluter Griff ins Klo und daher unbedingt zu vermeiden: 1 Punkt.

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