Review

Inhalt:

Mary und PJ erben ein kleines Hotel. Ihr erster Gast ist der dubiose Lawrence, der sich ruckzuck als irrer Clown entpuppt. Er bringt die beiden in seine Gewalt um sie zu einer lebenden Puppe und einem willigen Hund abzurichten. Erklärtes Ziel ist es, sie in ihrer neuen Rolle der totalen Aufgabe und Hingabe bei einer Sklavenauktion zu verhökern.

 
Kommentar:
‚The Bad Man‘ ist ein waghalsiger Versuch, neuen Irrsinn in die Filmlandschaft des stereotypen Home Invasion-Thrillers zu bringen. Das Publikum wird mit einer besonders perfiden Variante des abgedroschenen ‚Wir haben Dich und machen mit Dir was wir wollen‘-Themas geschockt. So zumindest die Idee hinter diesem teilfatalistischen Psychothriller. Immerhin standen die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) und die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) vor einer großen Aufgabe.
 Der Film war zwar nicht relevant wegen eventueller Gewaltdarstellung oder -verherrlichung, aber eben wegen der Gefahrenlage des Verstoßes gegen die Menschenwürde, die im Hinblick auf Film und Fernsehen im ‚Staatsvertrag über den Schutz der Menschenwürde und den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien‘ geregelt wird. Folglich erschien der Film zwar irgendwann in Deutschland, dies aber in einer um satte 21 Minuten gekürzten Fassung.
 Und was genau sorgte nun für solch drastische Zensurmaßnahmen? Die Idee hinter ‚The Bad Man‘ ist, abgesehen vom Menschenhandel, der gigantischen Spielwiese des BDSM und Fetisch entlehnt. Es geht um Dollification und Pet Play. An sich ziemlich spezielle Interpretationen sexueller Reizgewinnung, heutzutage aber gar nicht mehr so abwegig und auch in der Öffentlichkeit kein Tabu mehr. Während im BDSM Handlungen einvernehmlich stattfinden oder, je nach Neigung, zumindest das Einvernehmen zur Zwanghaftigkeit besteht, zeigt uns ‚The Bad Man‘ einen gewalthaften Übergriff und die zwangsweise Umerziehung, die eben der Menschenwürde entgegensteht.
 Der Film selbst hat also viel mit Psychoterror und wenig bis nichts mit Horror zu tun. Zum Glück gibt es aber noch Lawrence, unseren gemeinen Clown aus dem Erziehungscamp. Dessen ewige Monologe, aus denen die Notwendigkeit, Verfahrensweise und Moral der Umerziehung dediziert hervorgehen, waren in erster Linie Opfer der Zensurschere, gleichwohl sind sie das einzige, das im Film für Empörung, Schauder oder Grauen sorgt. Im Vergleich zu den von ihm referenzierten Kollegen Joker oder Pennywise gibt Lawrence sich in persona nämlich mehr als gesichtsfarbenblass. Ein Funke Diabolik hätte ihm da sicherlich besser gestanden. So aber nimmt er eine weitgehend stumpfe Rolle ein, die einzig durch die Präsenz seiner geladenen Waffe und das endlose Gebrabbel bedrohlich wirkt, seine Figur bleibt jedoch beliebig und ist jederzeit austauschbar. Auch sein Tagewerk, nämlich die Abrichtung von Hund und Püppchen, ist weitgehend belanglos inszeniert. Zwar kommt man als Betrachter ins Grübeln, wie man in der Opferrolle agieren und reagieren würde, am Ende ist aber die Darstellung von Umständen und Zeitfenster zu straff abgehandelt um ernsthaft beschreiben zu können, dass eine Umerziehung zu Puppe und Hund in dieser Nachhaltigkeit vonstattengeht. Hat der Streifen hier mit einem riesigen Manko zu kämpfen, bügelt er die Misere immerhin weich, indem er sich nicht in plakativer Zurschaustellung der tausendsten Folter ergeht und weitgehend auf den psychologischen Aspekt der zwanghaften Unterwerfung setzt. 
 Ganz ähnlich hat Schirmer auch seinen Vorgänger ‚Plank Face‘ aufgebaut, bei dem es ebenfalls um eine gewisse Art der Umerziehung und Gehirnwäsche ging. Bei ‚Plank Face‘ ist ihm allerdings das Kunststück gelungen, dass Story und Kulisse sowie Protagonist und Peinigerinnen das gewisse Etwas transportiert haben um das Publikum bei Laune zu halten und dem Gezeigten neugierig, gebannt und sprachlos gegenüber zu stehen. Für die Opferfiguren in ‚The Bad Man‘, die von Anfang an ziemlich blass portraitiert werden und wenig Charakter und Tiefe transportieren, bringt man hingegen wenig Empathie auf. Es gibt keine geeigneten Ansätze um mit den Opfern mitzufiebern. Gleichwohl sind die Peiniger nicht diabolisch genug um das Publikum in Schockstarre zu versetzen. Den letzten Funken Spannung zerschlägt schließlich die rückschauartige Erzählweise des Films. Hier kristallisiert sich heraus, dass jeglicher innovative Ansatz in Belanglosigkeit zerdeppert werden will wie Omas Goldrand-Porzellan auf dem erstbesten Polterabend. Am Ende bleibt ein Film, der wie ein Flickenteppich der Behelfsmäßigkeit inszeniert und runtererzählt wurde. Die Ideen und Ansätze, wie man den Einheitsbrei der modernen Torture-Kochstudios ein bisschen würzen kann, brennen also ganz schnell ein und am Ende findet sich kein Salz in der Suppe sondern jede Menge Bratenrückstand am Topfboden.

Fazit:
Als Film ohne Spannung und Diabolik ist er allenfalls für Fetischliebhaber, BDSMler und Freunde des abstrusen Psychohorror interessant.

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