Drei auf der ganzen Welt stationierte riesige Satelliten-Überwachungsanlagen sichern den USA ihren Informationsvorsprung: die erste befindet sich in Denver, Colorado, die zweite in Harrogate im britischen Yorkshire, die dritte schließlich ist die titelgebende Pine Gap, mitten im australischen Outback.
In das auf hohe Zäune verzichtende, dennoch lückenlos überwachte Gelände, das auf einem den Ureinwohnern heiligen Stück Land freilich ohne deren Einverständnis errichtet wurde, fährt jeden Morgen ein weißer Bus, der die Mitglieder des A-Teams zu ihrem Arbeitsplatz bringt. Die australisch-amerikanisch gemischte Crew besteht dabei aus einzelnen Spezialisten, die in einem großen Gemeinschaftsraum, umgeben von dutzenden Monitoren, ihren jeweils genau definierten Tätigkeiten nachgehen. Gleichwohl sich die Teammitglieder, die meisten davon zwischen 30 und 40 Jahren alt, untereinander kennen und gut verstehen, bleibt die Zusammenarbeit angesichts gewisser von außen hereingetragener Ereignisse nicht friktionsfrei.
Derzeit verfolgen der Afroamerikaner Gus (Parker Sawyers), seine australische Kollegin Kath (Jacqueline McKenzie) sowie Computerspezialist Moses Dreyfus (Mark Leonard Winter) und ihr Team verdächtige Signale rund um eine Konferenz in Asien, an der der US-Präsident teilnimmt, als plötzlich Signaturen einer aus dem Nichts abgefeuerten Rakete auftauchen. Die alarmierte Crew kann zwar anhand der Flugbahn feststellen, daß die Rakete nicht auf die US-Delegation zielt, doch trägt sie anscheinend einen scharfen Sprengkörper. Ohne eingreifen zu können, verfolgen die Spezialisten atemlos das Geschehen an ihren Monitoren: die Rakete trifft, offenbar wohlberechnet, über Myanmar ein Passagierflugzeug, das kurz darauf vom Radar verschwindet. Was ist da passiert? Wer saß in dem Flugzeug, dessen kurz darauf bestätigter Absturz keine Überlebenden zurückließ? Wer hat Raketen dieses Typs und wer feuert sie aus welchem Grund ab, noch dazu aus einem Territorium, wo es offiziell weit und breit keine Abschußrampen oder ähnliche Einrichtungen gibt? War es ein Sabotageakt der Chinesen, die sofort jede Beteiligung entrüstet zurückweisen? Die nach einigen Tagen verbreitete offizielle Version, nach der ein kürzlich aus dem Gefängnis entlassener Dissident an Bord der Passagiermaschine das Ziel gewesen sein soll, mag zumindest in Pine Gap niemand glauben...
Die unter der Regie von Greg Haddrick und Felicity Packard 2018 entstandene Serie Pine Gap ist dabei kein typischer Spionagethriller mit halsbrecherischen Actionszenen, sondern eher ein Slow Burner, der die Untiefen der australisch-amerikanischen Zusammenarbeit in einer immer komplexeren Welt auslotet, hier vor dem Hintergrund einer erweiterten Zusammenarbeit Australiens mit dem zunehmend wichtiger werdenden Handelspartner China, was von den USA argwöhnisch beäugt wird. Diese durchwegs auch heute noch aktuelle Rahmenhandlung läßt den Proponenten ausreichend Zeit, sich selbst inklusive ihres Privatlebens vorzustellen, wobei es dem Drehbuch zu danken ist, daß diese Ausflüge zu keiner Zeit in Seifenopern-Gefilde abgleiten, sondern stets den roten Faden zum aktuellen Geschehen beibehalten.
Wie wenig diplomatische Formeln in der Wirklichkeit bedeuten, läßt die Regie in manch pointierter Szene aufblitzen, Höhepunkt dabei ein privater Wutausbruch des US-Präsidenten, der entgegen seiner kürzlichen offiziellen Verlautbarungen in Stammtischmanier über die Australier schimpft und dieses heimlich gefilmte Video dann - natürlich! - auch noch geleaked wird und für zusätzlichen Wirbel sorgt.
Das sich entwickelnde private Techtelmechtel zwischen Gus und Kath war dann zwar vorhersehbar, tut der latent vorhandenen Spannung jedoch kaum Abbruch, da das Drehbuch geschickt Verdachtsmomente gegen mehrere Teammitglieder streut, die von ihren jeweiligen Teamleitern ohne ihr Wissen "geprüft" werden, womit dem Publikum hier auch noch das klassische Whodunit geboten wird. Schlußendlich geht es um eine Intrige, dessen Urheberschaft allerdings erst ganz kurz vor Schluß ziemlich unspektakulär geklärt wird - und dieses etwas abrupte Finale ist dann auch der Hauptkritikpunkt an der - nebenbei mit einigen herrlichen Drohnenperspektiven des australischen Outbacks aufwartenden - Serie, da hier doch einige interessante Handlungsstränge offengelassen werden.
Insgesamt bietet Pine Gap in seinen 6 Episoden zu je etwa 55 Minuten eine vor allem auf den begründeten Entscheidungen und dem individuellen Handeln seiner Filmcharaktäre basierende Serie, die es dem Zuschauer selbst überläßt, wie er das Geschehen einzuschätzen und zu beurteilen vermag. Gleichwohl sich eine Fortsetzung in einer 2. Staffel anbieten, jedoch nicht aufdrängen würde, gibt es bis heute keine Pläne dazu. Fazit: nichts für Adrenalin-Junkies, eher etwas für Genießer feiner psychologischer Schachzüge: 7 Punkte.