"Jedes Ende ist ein neuer Anfang – wie oft hört man die Leute das sagen. Es klingt nicht schlecht, aber was heißt es schon? Wann gäbe es denn je einen festen Punkt, auf den man nachträglich den Finger legen könnte und sagen: »Da hat alles begonnen – um soundso viel Uhr, an dem und dem Platz, mit diesem bestimmten Ereignis«? Begann meine Geschichte vielleicht in dem Moment, als mein Blick auf den Aushang am George fiel? Auf den Aushang, der die Versteigerung jenes ansehnlichen Besitzes namens The Towers ankündigte und alle Einzelheiten wie Ausdehnung, Länge und Breite brachte, nebst einer höchst euphorischen Beschreibung des Anwesens – einem Porträt von The Towers, wie es vielleicht für seine Glanzzeit vor mindestens achtzig bis hundert Jahren zugetroffen haben mochte? Ich hatte weiter nichts vor, schlenderte ziellos durch die Hauptstraße von Kingston Bishop und schlug die Zeit tot. Da fiel mir das Plakat auf. War’s ein Glückstreffer? Oder eine Falle des Schicksals? Ganz wie man’s nimmt."
Unheilschwanger die Eröffnung, Endless Night der Originaltitel, hier in der ersten von (vermeintlich) drei Verfilmungen, die wie das Buch von Agatha Christie den Meisten wahrscheinlich weniger geläufig sein dürften und in der Masse an Text und Bild wohl eher untergehen. Rauschendes Meer, stürmisch die Brandung, kalt und scharf die Felsen, der Score von Bernard Herrmann dräuend, die Bedrohung sich steigernd und spürbar. Begonnen wird auch mit Horror, einer gruseligen Einstellung, wie bei Hammer Studios, hier allerdings von British Lion Film Corporation & EMI Film Productions produziert. Im Buch wird auch um den Beginn der Geschichte gekämpft und gerungen, wann fängt eine Erzählung an, wann ist der Beginn, dieselbe Art und Weise, allerdings doch anders, mit veränderter Methodik versucht der Film:
Der junge Michael Rogers [ Hywel Bennett ] schlägt sich mit stets wechselnden Gelegenheitsjobs durch den Tag, er hat zwar Ehrgeiz, aber auch ein loses Mundwerk und kommt bei den zumeist reichen Klienten bzw. den Arbeitgebern nicht gut an. Eines Tages entdeckt er zufällig ein Grundstück, auf dem zwar bereits ein verfallenes Haus steht, er dieses aber abreisen lassen und durch einen Neubau des todkranken Architekten Rudolf Santonix [ Per Oscarsson ] ersetzen lassen will; eine schlichte Träumerei, bis er auf eben jenem Grundstück die zufällig vorbei kommende Amerikanerin Fenella 'Ellie' Thomsen [ Hayley Mills ] kennen und lieben lernt, und Ellie ist nebenbei nach Vollziehen ihres 18. Lebensjahres eine der reichsten Frauen der Welt. Leider ist damit noch einiges an "Gepäck" verbunden, Ellies beste Freundin Greta [ Britt Ekland ], die sich oft in die Mitte des Paares drängt, ihr Berater Andrew Lippincott [ George Sanders ], und der Rest der Sippschaft, die Tante Cora [ Lois Maxwell ], der ebenso angeheiratete Reuben [ Peter Bowles ], der Pfarrer Frank [ David Bauer ] und Beth [ Helen Horton ], die sich dem jungen Paar nicht nur sehr aufdrängen, sondern auch Michael mit eher Abscheu gegenüberstehen. Zusätzlich häufen sich merkwürdige Vorkommnisse um das Haus herum.
"Ich verstehe nicht viel davon, wie man solche Dinge richtig niederschreibt – richtig, meine ich, wie ein echter Schriftsteller."
Eine piepsige Stimme im Ton, ein junger Mann im Bild, eine Auktion in der Stadt, die hier wie dort wenig mit dem Späteren zu tun hat, eher eine Facette des Charakters ist. Eine Großstadt in den ersten Minuten, eine Vorstadt als eigentlicher Wohnort, ein junger, durchaus gutaussehender, etwas störrischer und unsteter Mann, in der beruflichen Umgebung als Angestellter von Reichen, privat noch bei der Mutter wohnend und mit großen Träumen beseelt. Er kommt herum und will auch raus in die Welt, als Chauffeur, ein 'Mietwagenfahrer' für die Elite ist das möglich, es geht um Freude und Verzweiflung, um Glück und Bestand, um Erhalt für die Nachwelt; um das Haus selber, das "The Towers", das "Gipsy's Acre" geht es erst folgend und geht es erst später.
"Eine ganze Menge Leute missbilligte meine Art zu leben. Aber das kam nur davon, dass sie das Wichtigste in mir nicht verstanden. Sie hätten es gern gesehen, dass ich ein festes Verhältnis mit einem anständigen Mädchen anfing, Geld auf die Seite legte, das Mädchen heiratete und mich dann mit einer anständigen festen Arbeit irgendwo niederließ. Tag für Tag, Jahr für Jahr, in alle Ewigkeit. Amen. Nicht für meiner Mutter Sohn! Das Leben musste mehr zu bieten haben als das."
Worte werden übernommen aus dem Roman, Vorstellungen des Lesers aufgenommen und umgewandelt; "wenn aus dem Wunsch ein Wille wird, dann findet sich vielleicht auch ein Weg". Das ist eingangs und auch später nicht der übliche Krimi, den man erwarten könnte, aber nicht sollte, das ist mehr Psychodrama, Psychothriller, das hat in der ungekürzten Fassung auch Ausbrüche und Niederheiten zu bieten, die zuweilen herausgeschnitten wurden, nicht unerheblich für die Darstellung des Mannes, aber wohl verstörend für das zeitgenössische (deutsche) Publikum oder vernachlässigenswert für die einheimischen Verleiher waren und im 'Schneideraum' überblieben.
Von den Darstellern her ist das Szenario dabei durchaus gut gewählt, es ist ein wenig altbacken, naiv gesprochen und überzogen zugleich gespielt, ja, aber das zuweilen mit Effekt, es passt zu der (voll Staub und Spinnenweben überzogenen) Geschichte mit dem Fluch, dem Spiritismus und dem verwunschenen Heim sowie der großen Liebe, die für eine Zeitlang gedeiht und für lange existiert. Es braucht ein wenig, bis es losgeht, die Gefühle sind selten glaubhaft, die Kommunikation miteinander, aber Emotionen sind sowieso schlecht zu beschreiben, schlecht auszudrücken, sie werden von jedem anders empfunden und hier auf spezielle Art und Weise forciert. Ab der Vorstellung der Familie der Braut, der 'ganzen Mischpoke' wird es dann doch noch Christie-typisch, es wird voll an Personen und jeder schrullig und dann auch verdächtig für sich.
Das Haus, um das es sich dann dreht, das neu erbaute Reich auf Gipsy's Acre, die architektonische Kreation und Sensation vom Santonix, ist dann gleichzeitig retro und futuristisch, gleichzeitig bieder und wirklich seinen Blick wert, technische Spielereien in allerlei Anlagen und Verbindungen und Verwinklungen, sich drehende Türen, sich offene Böden, die als freilegbarer Innenpool voll Wasser gefüllt sind, je nach Lust und Laune veränderbar und sich den Bedürfnissen des Besitzers anbiedernd. Ein Steinwurf, oder gar ein Schuss zerstört das schöne Spiegelbild. Von der Stadt hinaus aufs Lande als der Beginn eines Albtraums, eine Beziehung von vornherein mit Ärger, aufgrund des Paares selber, aufgrund des affektierten Umfeldes; eine toxische Beziehung, die sich fort frisst und verbreitet und auch so erwidert wird und potenziert. Das wirkt isoliert und wie im Studio gedreht, obwohl man Außenszenen aufweist, teilweise wie Theater, wie auf der Bühne, wie eine Schulaufführung, an die sich zwischendurch auch erinnert wird, und dies als Schauerstück. Mit einem Unfall mittendrin, oder einem Mord.
"Noch einmal betrachtete ich den Aushang über die Versteigerung von The Towers und notierte mir sogar das Datum. Noch nie hatte ich mich sonderlich für den Grundstücksmarkt interessiert, aber mir wurde klar, dass ich dieser Auktion hier gern beiwohnen wollte. Ich war neugierig darauf, wer The Towers kaufte, wer der neue Besitzer von Gipsy’s Acre wurde. Doch, ich glaube wirklich, dass alles in diesem Augenblick begann ..."