Regisseur Jess Franco (Jesús Franco Manera) und Hauptdarsteller Christopher Lee (Der Mann mit dem goldenen Colt, Horror Express) drehten in den 60er Jahren mehrere Filme gemeinsam. "The Bloody Judge" (Originaltitel) entstand auf Grund der losgetretenen Hexenfilmwelle durch den internationalen Erfolg des ein Jahr zuvor entstandenen "Der Hexenjäger". Doch eigentlich hat "Der Hexentöter von Blackmoor" mit Hexen gar nicht so viel zu tun, obwohl diese natürlich auch mit Hilfe der Folter entlarvt werden. Im Fordergrund steht leider mal wieder eine Liebesgeschichte und überhaupt war es Franco enorm wichtig dementsprechend viel nackte Haut und einige Sexszenen zu zeigen. Daher sollte man hier kein Historiendrama erwarten und für die Betitelung als Horrorfilm fehlen leider diverse Elemente. Es geht mehr in Richtung Exploitationfilm, weswegen dieser Film schon mal nichts für die Masse ist.
England 1685: Lord George Jeffreys (Christopher Lee) wurde zum obersten Richter ernannt und entpuppt sich als wahrer Sadist, der bald eine Blutspur durch ganz England zieht. Gerade ließ er die angebliche Hexe Alicia Gray (Margaret Lee) hinrichten, auch ihr Liebster wurde ermordet. Ihre Schwester Mary (Maria Rohm) will sich daraufhin das Leben nehmen, trifft aber auf Harry Sefton (Hans Hass Jr.) den Sohn des Earl of Wessex (Leo Genn).
Und kaum hat sie Harry vor dem Selbstmord bewahrt, schon landen die Beiden im Stroh und planen ihre gemeinsame Zukunft. Aber da gibt es ein Hinderniss, denn Lord Jeffreys ist auch an der hübschen Mary interessiert. Leider funktioniert Francos Mixtur nur bedingt, das Ganze wirkt etwas lieblos runtergekurbelt, selbst wenn man das Alter des Films berücksichtigt. Auch wenn wir uns hier in England im 17. Jahrhundert befinden, so wurde der Film in Spanien gedreht. Für England wirkt gerade die Naturkulisse zu freundlich, während zumindest die kargen Bauten und der enge Folterkeller das Flair eines Historienfilms versprühen. Die rein instrumentale Musikuntermalung ist sogar richtig gut geworden, aber leider nicht sehr abwechslungsreich. Auch die Machart will nicht immer überzeugen, schaut man sich nur mal die kleine Schlacht zwischen den Rebellen und der Armee des Königs an. Hier wird zwar fleissig mit Kanonen geschossen, aber die Kämpfe sind völlig unspektakulär und unübersichtlich. Leider ist der Film obendrein noch bierernst, ein wenig Humor hätte dieser Chose nicht geschadet. Der hätte zumindest die Durststrecken ein wenig aufgepeppt, denn bei einer Laufzeit von über hundert Minuten und einer derartigen Minimalstory kommt es öfter mal zu diversen Längen.
Es ist zwar immerhin nicht übel, dass Lord Jeffreys in seinen inneren Monologen seine Handlungsweise hinterfragt, doch letztenendes lässt er jeden hinrichten, der ihm im Weg steht. Dabei sind die Foltereinlagen für die Entstehungszeit schon recht hart geworden, auch da hier ausschließlich Frauen gefoltert werden. Die spannt man auf die Streckbank, peitscht sie aus, ritzt sie mit dem Dolch oder schlägt ihnen auch mal die Hand ab. Ob Hexe oder nicht, ob schuldig oder unschuldig, Lord Jeffreys lässt jeden hinrichten. Die Gerichtsverhandlungen sind dabei fast ein schlechter Scherz. Doch ansonsten hat Francos Film kaum etwas zu bieten und ist historisch alles andere als korrekt, was auch die teilweise schrillen und lächerlichen Kostüme beweisen.
Christopher Lee kann man eigentlich in keinen Seiner Filme einen Vorwurf machen, er ist ein großartige Mime und vermag aus jeder Rolle das Beste herauszuholen. Leo Genn (Schizoid, Der Längste Tag) als Earl of Wessex macht auch einen guten Job, doch die restliche Riege wirkt wie aus einer Seifenoper und gerade bei den weiblichen Darstellern interessiert Franco sowieso nur das Aussehen.
Diese Art von Film ist reine Geschmackssache, jedoch wäre der Film mit Humor deutlich besser angekommen, so ginge er mehr in die trashige Richtung. Somit ist "Der Hexentöter von Blackmoor" eine größtenteils langatmige Angelegenheit, ab und zu unterbrochen durch irgendwelche Sex- oder Folterszenen.