Review

Borschtsch mit Wurst


Was weiß man über die (aktuelle) polnische Filmlandschaft? Ab und zu liefert sie (wie fast jedes Land) einen Auslandsoscarkandidaten, manchmal bekommt man was von Überhits wie letztens „Kler“ mit, natürlich kennt man Regielegenden wie Kieslowski und einige seiner Werke. Doch ansonsten ist das doch eher ein unbeschriebenes Blatt, nicht nur für uns Deutsche - aber vielleicht kann Netflix da jetzt ein bisschen die Lücken schließen, denn dort gibt man (zum Glück) ja fair in fast jedes Land finanzielle Mittel bzw. unterstützt und kauft interessante Projekte aus allen Teilen der Welt. So gibt es auf dem Streamingriesen nun auch „Plagi Breslau“ zu bestaunen, bei dem eine grausame Mordserie, angelegt an eine alte Legende, Breslau jeden Tag um Punkt 18 Uhr unter Schock setzt und mit Leichenteilen tapeziert...

„Plagi Breslau“ kennt nur den Vorwärtsgang und verplempert keine seiner wenigen Minuten Laufzeit. Die Morde und Methoden sind saftig und fast schon pulpig brutal, man hält nichts hinterm Berg, es gibt mehr Wendungen und Ereignisse als Atempausen. Das ist wie ein Tatort auf Crack. Hinzu kommt eine rabiate, ziemlich badassige Ermittlerin, allgemein ein sehr femininer, mutiger und rebellischer (sicher auch diskussionswürdiger) Blickwinkel, sodass sich der morbide Terrorthriller irgendwo zwischen „Saw“, „Joker“ und der allabendlichen Kripo einordnet - nur eben mit ein paar polnischen Ecken, Kanten, Fehlerchen. Doch wenn man mitgeht, sich damit abfindet, dass es sicher schon besser charakterisierte, gezeichnete Figuren und stylischer Filme gab, das alles als pure Erwachsenenunterhaltung ansieht, näher an einem Comic als der Realität, ja dann rockt das Ganze schon gut Zeit weg. Kurzweilig und krass. 

Fazit: polnische Spezialität?! Ein furztrockener, beinharter und ziemlich fieser Krimi von unseren östlichen Nachbarn. Ein wenig „Sieben“, ein bisschen „Saw“, ein Stück „The Girl With The Dragon Tattoo“, ein Po „Mindhunters“, ein Gedanke an „Untraceable“, viel Ekel und enorm Tempo. Dieser Vorabendschocker ist für Thrillerfans sicher keine Plage. Selbst wenn ein wenig mehr Ruhe, Stil, Übersicht, Verweilen und Charakterisierung keine schlechte Idee gewesen wären... So bleibt ein pfeilschnelles und staatskritisches Gemetzel. 

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