Review

I knew from the moment I read the script that he was going to be a Clint Eastwood sort of character, but I certainly didn’t try to imitate him.
~ Fred Dryer

Pilotepisode in Langfolge zu der erst beim Publikum wenig ankommenden, später dann doch einschneidend bekannten und vergleichsweise beliebten Polizei-/Krimiserie Hunter aus der Schmiede der Kreativen Stephen J. Cannell und Frank Lupo, die angefangen von Ende der Siebziger an bis vor allem Ende der Achtziger das entsprechende Jahrzehnt auch entscheidend mit ihren Produktionen beeinflusst und die damalige Fernsehgeneration auch nachhaltig geprägt haben. Hunter ist dabei vor allem durch die Langlebigkeit selber in das Bewusstsein geraten, wurde nicht nur eine (sehr kurzlebige) Neuauflage, sondern auch mehrere Telemovies bis nach der Jahrtausendwende hineingedreht; zudem ist die Serie auch global als Dauerbrenner gelaufen und hat sich ab der Entstehungszeit weniger an das große Vorbild von Dirty Harry angelehnt als vielmehr an die anderen prägenden Arbeiten für die Mattscheibe wie Cagney & Lacey (ab 1981) und T. J. Hooker (ab 1982) orientiert:

Sergeant Rick Hunter [ Fred Dryer ] wird von seinem Vorgesetzten Captain Cain [ Michael Cavanaugh ] dazu verdonnert, sich sowohl einen Partner zuzulegen als auch Sitzungen beim Polizeipsychologen Dr. Bolin [ Brian Dennehy ] abzulegen; beides Tätigkeiten, die dem bevorzugt allein arbeitenden und auch gerne mal über die Stränge schlagenden im höchsten Maße unpass kommen. Zum Schein wählt der Polizist die ebenso autark tätige Sergeant Dee Dee McCall [ Stepfanie Kramer ] aus, die allerdings auch nur unter der Bedingung einwilligt, in Ruhe gelassen zu werden. Währenddessen macht ein Frauenmörder die Stadt unsicher, wobei Hunter seine neue Kollegin auch bald als Lockvogel einsetzt.

"Works for me" im englischen Original als Leitspruch des Polizisten, quasi das "Make my day" der Fernsehvariante, im Deutschen wird durch die Übersetzung ein "Wieder Arbeit für mich", was das Ganze natürlich nur unzureichend kennzeichnet und eher eine Notlösung ist. Der Vorspann im typischen Cannell - Stil, der meistens funktionieren sollte, manchmal trotz stets gleichbleibender Zutaten (schnelle Autos und ebensolche Verfolgungsjagden samt furiosen Kollisionen, kantige Männer, schöne Frauen, viel Action und viel Abenteuer) aber daneben ging; der hiesige Hauptdarsteller Dryer, eine Mischung aus Eastwood, Widmark und Nicholson, war zuvor als Bösewicht bei The Rousters, einer damals schon kurzlebigen, global überhaupt nicht geläufigen und noch nicht einmal vergessenen, da niemals im Bewusstsein gewesenen Serie um eine Kopfgeldjägerfamilie zu sehen. Cannell setzt den hochgeschossenen, durch die Körpergröße teils schlaksig wirkenden, aber auch physisch überzeugenden Mann hier als Titelfigur ein und in Szene, Aufräumarbeiten im Hinterhof, in der Seitengasse und auf der Straße, später eher gegen die mondänen Anzugträger, hier noch gegen das Gesindel im Kampfgebiet.

Den Mann fürs Grobe braucht man hier auch, den Gesetzeshüter mit eigenen Gesetzen, den Richter, Geschworenen und Henker in einem, ist die Welt hier doch eine andere noch als sonst in den Leichtigkeiten der Produktionsschmiede und wird gleich in der Einleitung erst länger einer jungen Frau nachgestellt und sie dann mit Gewalt belegt. Ein Wechsel der Stimmungen auch, nicht nur zwischen den jeweiligen Produktionen, sondern hier auch in den ersten 5min, aus der scheinbar schwungvollen Anfangsveranstaltung im Country-an-Western Stil wird erst der Psycho- und dann der (zudem sexuell angehauchte) Schlitzerthriller. Ganz so ernst und mit dem blitzblanken Messer drohend bleibt man folgend natürlich nicht, ist das Fernsehen hier, Kabelsender und Primetime, wird dann erstmal mitten im Berufsleben die Durchschlagskraft des Helden aufgezeigt und in Dirty Harry - Manier ein Banküberfall mit Kugelhagel vereitelt und dann dem Fluchtwagen mit der eigenen fahrbaren Schindmähre hinterher galoppiert. Die Autohatz ist flott, die Stunts nicht von schlechten Eltern, die Löcher der Waffen groß, die Sprünge der Karosserien hoch und weit, ein Gerase durch die Stadt, bis es die Vehikel durch die Luft segeln lässt und die Reifen zerfetzt. [Craig R. Baxley arbeitet hier und nur hier als Second Unit Director, was man spätestens an den Kameraeinstellungen oftmals am Boden klebend und immer dicht dran mitten im Inferno bemerkt; später hebt noch ein weiteres Auto eingedeckt von Schüssen aus Hunters Zimmerflak ab und kracht mit seitlichem Überschlag in eine Garage hinein.]

Alles Weitere ist solide Detektivarbeit, aber durchaus mit einer Chuzpe, die im Nachhinein aufgrund des Erfolges angebracht war, zum Ausstrahlungszeitpunkt Mitte September 1984 aber ja noch nicht zu erahnen war und dennoch omnipräsent ist. Der Mordfall selber rauscht zum zweiten Drittel wieder in das Geschehen, zwischendurch hat man die Personenkonstellation gefestigt und neben dem unleidlichen Vorgesetzten und dem neuen Partner bzw. der neuen Partnerin (als Referenz zu Dirty Harry III – Der Unerbittliche) als kommendes Duo Infernale auch noch die Konfrontation mit dem Vorgesetzten (siehe Dirty Harry kommt zurück), plus ein drohendes Gespräch mit dem Polizeipsychologen in die Handlung gebracht, sowie ein Nebenplot der eigenen Ermittlungen von McCall (die in ihrem Nuttenkostüm mit Goldreif in den Haaren, dicken Klunkern an den Ohren und lila Strähnen in der dunklen Lockenmähne aussieht wie Lynda Carters Wonder Woman, im Normalfall aber ganz attraktiv doch ist) und einige Spitzen zu Hunters Vergangenheit bzw. dessen unlauteren, da mafiösem Familienhintergrund; was später sowieso in der Serie gekappt und rausgeschrieben bzw. nicht mehr erwähnt wird. Eine Sammlung von Indizien quasi, die Autor Lupo hier streut und die Regisseur Ron Satlof auch entsprechend einsammelt und archiviert, die Dialoge sind zuweilen so übel nicht, wird allerdings neben der Investigation und kleineren Einlagen wie ein Schusswechsel in der Wohnung und eine kurze Verfolgungsjagd zum Pier schon vermehrt gequasselt und in der Synchronisation auch einige Stilblüten wie "Wenn du die Puppe hier nicht total zerschnippelt haben willst, schiebst du mir die Puste rüber!" eingewebt. Angenehm hier ist, dass die beiden 'neuen' Partner sich schon vom Dienst kennen und nicht erst lang und breit beschnuppern oder erstmal miteinander raufen müssen, sie können sich aufgrund eigener Interessen sogar leiden, haben nur bisher und würden eigentlich auch gerne in Zukunft allein bleiben und so noch nicht so ganz auf Partnerschaft eingestellt.

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