„Escape Room“ war ja mal eine ganze Weile das Ding überhaupt in Germany und im Rest der Welt, bis es dann nicht eben empfehlenswert wurde, sich mit mehreren anderen Personen in einen Raum einschließen zu lassen, aus dem man sich den Ausgang und die nötige Durchlüftung erst mühevoll erarbeiten musste.
Aber bis es soweit war, hatte sich schon eine Filmemacherbubble gebildet, die blitzfix merkte, dass man auf diese Art und Weise das nun wirklich bis zum Erbrechen ausgelutschte Prinzip von „Saw“, Leute tödlichen Fallen auszusetzen, noch ein bis drei Filme lang durchkauen konnte. Wir listen allein drei Filme, die alle „Escape Room“ als Solo-Titel tragen – wie kreativ kann das Ergebnis schon werden?
Generell gilt Alan Robitels „Escape Room“ von 2019 als der mit beste – und finanziell erfolgreichste – Vertreter dieser Plot-Variante und tatsächlich ist es erfrischend zu sehen, wie das funktionieren kann, wenn es eben nicht zwingend darum geht, in jedem Raum einen Charakter in den schmerzhaft-blutigen Tod zu schicken, damit der Rest weiterspielen kann.
Obwohl, gestorben wird auch in dieser Variante, wobei sich die Gefahr hier etwas langsamer an die Figuren heran robbt. Es geht aber mal nicht um die bloße Zurschaustellung von Grausamkeiten und darum ist das schon mal auf der Habenseite zu buchen.
Ansonsten ist auch hier alles wie gehabt: sechs Personen erhalten eine Einladung in einen Escape Room, nachdem sie eine knifflige Aufgabe via eines Geschenkewürfels gelöst haben. Die Herrschaften sind alle – natürlich – enorm unterschiedlich, aber ausnahmsweise mal keine kompletten Totalarschlöcher, denen man sofort den Sensenmann an den Allerwertesten wünscht.
Sobald sie in dem „Spielegebäude“ angekommen sind (und die Handys perdu), geht es dann auch gleich in die Vollen, denn es gibt kein Zurück und man muss das Gebäude nun auf Gedeih und Verderb durchspielen. Bemerkenswert ist, dass die Spielräume tödlich sein können, es aber nicht sein müssen, aber die Überlebenschance für alle eben so gering ist, dass meistens einer scheitert – nicht zuletzt aber auch an persönlichen Fehleinschätzungen oder fehlendem Geschick oder mangelnder Kraft.
Das besondere Plus dieses Film sind sicherlich die ausgefeilten Spielräume (einer wird praktisch als Pre-Title-Sequence verramscht, wie es scheint, um dann doch einen Clou am Ende zu bieten), die wirklich optisch einfallsreich sind und gemeinsames Arbeiten bedingen. Optisch besonders knackig ist die auf dem Kopf stehende Bar, die in einem beweglichen Fahrstuhl installiert ist, dessen Boden sich nach und nach verabschiedet.
Größtes Problem der Macher ist das „Warum“ der Handlung, denn darauf läuft es hinaus, wenn diese erst scheinbar willkürlich zusammen gewürfelten Menschen nach und nach in Inserts enthüllen, was sie gemeinsam haben und sie in diese Situation gebracht hat. Leider darf man dieses Kaninchen nicht zu früh aus dem Hut ziehen und so klärt sich das erst im vierten Raum als nachgeschobene Enthüllung (auch für die Figuren), als die Hälfte des Casts leider schon tot ist. Das wirkt erzählerisch ungelenk und behäbig, hat aber das nötige „Hostel“-Feeling.
Gegen Ende bekommt der Film den nötigen Drive durch zwei Figuren, die generell im Plot beständig visuell unterschätzt werden, um dann plötzlich auf bemerkenswerte Survival-Skills zu fokussieren, wobei auch diese Story (die nach einer Fortsetzung brüllt) wieder mit einem Schlußgag hausieren geht, die die Maschinerie hinter dem Geschehen enthüllt.
Insgesamt ist „Escape Room“ ein stabiler Thriller, streckenweise sehr spannend und visuell abwechslungsreich, mitunter aber wieder an den üblichen Klischees hängend, die Extremsituationen eben so mit sich bringen, serviert mit erfrischender Härte. Knappe 7/10.