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Der Einzelgänger Henry (Jean Reno) lebt zurückgezogen in einer Holzhütte an einem See irgendwo in den einsamen Wäldern von Spokane/Washington - seine Brötchen verdient er als Auftragskiller für heikle Fälle, was ihm diesen Lebenswandel ermöglicht. Kürzlich hat er einen Firmenboss in der Sauna mittels Spezialmunition liquidiert und erholt sich gerade beim Eisfischen in seinem Domizil, als eine junge Frau schwer verletzt seine verschneite Hütte erreicht: Offenbar mit ihrem Jet-Ski vom Weg abgekommen, hat sie diverse Holzsplitter im Bein. Henry erkennt sofort, daß Melody (Sarah Lind) ohne seine Hilfe nicht überleben wird, und so nimmt er sie trotz seiner Bedenken einstweilen auf und verarztet sie notdürftig. Als sie sich nach wenigen Tagen erholt hat, legt er ihr jedoch unmißverständlich nahe, daß sie so bald wie möglich wieder zurück muß in die Zivilisation, und zwar allein. Gleichzeitig stellt er sich Fragen über ihre Herkunft und wieso sie ohne Handy, ohne Begleitung und sonstige Absicherung unterwegs war...

Reno spielt in diesem Regie-Debut des Franzosen Frédéric Petitjean mal wieder eine seiner Paraderollen, denn als Auftragskiller feierte er seinerzeit mit dem 1994er Streifen Léon - Der Profi seinen Durchbruch, und auch hier gibt der im Gesicht fülliger gewordene Franzose mal wieder den überzeugten Einzelgänger, der seinen Prinzipien aus vorgeblich menschlichen Gründen untreu werden muß. Und damit trägt er den Film fast ganz allein, denn außer der grandiosen Kulisse verschneiter Wälder (der Film wurde übrigens in der Ukraine gedreht) gibt es an Cold Blood Legacy nicht allzuviel Positives zu vermerken: Weder Melody (deren Unfall in der Tat eine Hintergrundgeschichte hat, die man allerdings schon zur Filmmitte erahnt) noch das in dem Mordfall des Industriellen ermittelnde Polizistenduo, das eher uninspiriert und durch Zufall auf die Spur des Auftragskillers kommt, können so etwas wie Sympathie oder auch nur Spannung generieren - viel zu konventionell und einfallslos läßt sie das Drehbuch agieren, ein Drehbuch, das seine einzelnen Subplots eher unsortiert zusammenführt und es dem Zuschauer nicht leicht macht, der Geschichte zu folgen. Dabei hätte die Story grundsätzlich durchaus Potential, hätte man auf einige Sinnlosigkeiten verzichtet (wie z.B. den jüngeren Ermittler oder die an Demenz erkrankte Witwe) und stattdessen die den Plot voranbringenden Figuren (wie den Nachlaßverwalter Brigleur oder den undurchsichtigen Malcolm) besser in Szene gesetzt.

Somit stellt sich dann irgendwann nur die Frage, ob Henry seinen ungebetenen Gast, der sich seltsam verhält und auch mit unbequemen Fragen nicht hinterm Berg hält, nicht doch vorzeitig zum Schweigen bringt (allein um sein Geheimnis zu wahren) oder ob es den bräsigen Gesetzeshütern nicht doch noch gelingt, ihn zu stellen. Diese Frage beantwortet sich zwar in einem unspektakulären Finale, offen bleibt jedoch die angedeutete Beteiligung der Familie des ermordeten Industriellen oder auch Henrys oder Melodys bisherige Lebensgeschichten.
So bleiben dann nur die abgewandelte und deutlich abgespeckte Reprise einer bereits bekannten Rolle von Jean Reno und einige schöne Panorama-Aufnahmen winterlicher Bergwälder - und das ist deutlich zu wenig für eine Empfehlung. 4 Punkte.

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