Ein "normaler" Mann führt abseits seines Jobs als Kellner ein Leben in totaler Isolation. Sein Leben besteht aus immer wiederkehrenden monotonen Abschnitten und eines Tages führt eine klingelnde Nachbarin zu einer Verkettung schrecklicher Umstände.
Was uns Dr. Uwe Boll in seinem ersten richtigen Werk (sofern man bei einer Lauflänge von knapp über 50 Minuten davon sprechen kann), präsentiert ist mal völlig abseits von dem, was er später bis zur Vergasung zelebrierte. Amoklauf wirkt insgesamt eher semiprofessionell vom handwerklichen her und ist ein richtiggehend ernsthafter Film mit eine Aussage (ich weiß zwar nicht genau welche, aber er hat eine), anstatt wie später Usus Videospiellizenzen zu erwerben und diese zum Ärger der Fans des jeweiligen Games umschrieb und auf Zelluloid preßte.
Hauptdarsteller dieses Werks ist ein Typ, der nie einen Namen bekommt und auch den ganzen Film über kein Wort spricht, sondern lediglich aus dem Off einige innere Monologe abgibt, die dem Zuschauer seine Gefühlslage vermitteln sollen, obwohl diese am Ende aber doch immer noch recht vage bleibt. Er träumt in Gewaltphantasien vorbeiradelnde Frauen zu erstechen und sieht sich jeden Abend immer wieder die gleich Folge der Game Show "der Preis ist heiß" an, da diese gerade lief als er seinen Vater erdolchte. Der Zuschauer merkt jedenfalls recht zügig, jo der hat einen an der Klatsche.
Leicht konsumierbar ist Amoklauf aber zu keiner Zeit, manche Szenen werden künstlich von der Länge aufgebläht, wie der Typ der auf dem Lokus hockt, manche Einstellungen wirken ziemlich deplaziert wie die Fernsehschnipsel von Tierschlachtungen oder eine Hinrichtung auf dem Stuhl zum Old Man River Song, von der Onanierszene ganz zu schweigen. Anschließend gibts wieder Ausschnitte aus dem monotonen, stets gleichbleibendem stumpfen Lebensablauf. Nach 40 seltsamen Minuten startet dann der titelgebende Amoklauf, dei dem der Typ scheinbar wahllos durch eine Park latscht und eine zufällig rumstehende größere Gruppe mit der Pistole umlegt, gefilmt in Zeitlupe mit Wiederholungen im Eastern Bloodshed Movie Style (nur nicht so ausgefeilt wie dort). Am Ende sind alle putt und er latscht unbehelligt seiner Wege, ein richtiges Ende gibt es hier jedenfalls nicht, das ganze wirkt eher mit diesen Stilmitteln wie eine Kurzgeschichte, als ein Spielfilm.
Was will uns der Herr Boll mit diesem Streifen nun eigentlich vermitteln? Das Massenmörder eben doch meist jene unscheinbare, vordergründig nette Durchschnittsmenschen sind? Eine Psychostudio über ein durch und durch verkorktes Leben oder einfach nur perverse Abgründe in einer kranken Welt? Ich weiß es nicht. Allerdings vermag Amoklauf aber durchaus zu fesseln, es ist sicher kein doller Film, nicht mal besonders brutal, aber er hat irgendwas, auch wenn ich selbst nicht genau sagen kann was es ist. Die Laufzeit ist zum Glück so gewählt, das ganz große Langeweile nicht aufkommt und die Darsteller machen ihren Job soweit ordentlich, das man ihnen die Figuren (eigentlich ist es ja nur eine) abkauft.
5/10