Review

Neue Logos in Marketing und Distribution, der gewohnte Anfang allerdings, das Allen-Theme, hier mit jüngeren Darstellern meist, nicht immer umgesetzt, die alte Geschichte mit neuen Gesichtern, mit Frischblut und Esprit und Leichtmut, Allen hält sich vom Darstellerischen fern, er bleibt hinter der Kamera, hier zumindest gern. Eine Voice Over wird eingesprochen, eine Universität für Geisteswissenschaften vorgestellt, mit gutem Ruf zumindest, mit guter Reputation, so hat es geheißen, in einer Grünanlage liegend, davor etwas Wäldlichkeit mit vielfarbigen Bäumen, es wird etwas über den Campus flaniert, die Blätter teilweise schon von den Ästen gefallen, über das Leben an sich sinniert, eine Odyssee probiert:

Gatsby Welles [ Timothée Chalamet ], der intelligente, aber exzentrische Sohn wohlhabender Eltern aus New York City, studiert am Yardley College, einer Hochschule für freie Künste im Norden des Staates New York. Er ist außerdem ein erfolgreicher Spieler und Zocker. Als seine Freundin Ashleigh Enright [ Elle Fanning ], eine Journalismus-Studentin aus Tucson, nach Manhattan reisen muss, um den angesehenen Independent-Filmregisseur Roland Pollard [ Liev Schreiber ] im Gefolge dessen Agenten Ted Davidoff [ Jude Law ] für die Studentenzeitung zu interviewen, begleitet Gatsby sie und plant ein romantisches Wochenende in der Stadt. Gleichzeitig versucht er, seinen Eltern aus dem Weg zu gehen, die am Abend eine Gala veranstalten und zu denen er ein konfliktreiches Verhältnis hat. Dabei streift er durch die Stadt und trifft u.a. auf Chan Tyrell [ Selena Gomez ], der kleinen Schwester einer früheren Freundin.

Es ist schon die zweite Uni für den jungen Mann, eine angemessene Bildung wird seitens der Mutter gewollt, er hat eine Freundin, seit kurzem zusammen, kurz vor der Hochzeit schon, ein Interview fehlt noch, in Manhattan angesetzt allerdings; man kann sich den Trip auch zu Zweit leisten, er hat gepokert, er ist spielsüchtig, Glücksspiel, Wettspiel, seine Eltern sind in der Stadt, aus New York, er möchte lieber kein Treffen mit ihnen, er könnte seine zukünftige vorstellen, das will man auch nicht, "das alte New York", in einer langen Einstellung wieder gefilmt, ein Gespräch am Gedeihen, ein mit dem Bus reisen in die Metropole, sie ist nervöser als er, er ist entspannt, er hat die Reise geplant, sie nur das Interview im Sinn, ganz aufgeregt. Ein Hotel nahe dem Central Park und das Zimmer entsprechend hoch genug wird ausgewählt, das Interview ist in Soho, in Downtown, es wird Zeit, der Verkehr stockend, die Kulissen sind höchst edel, das Etablissement, es wird von Renoir und De Sica und Kurosawa geschwärmt, ein hoher Vergleich, das überrascht den Regisseur, es wird nach ihrer Herkunft gefragt, es wird sich gegenseitig vorgestellt, nach den Eltern von ihm, und von ihr nach der ersten Frau gefragt, sie sitzt ihm fast gegenüber, sie schreibt sich nur anders, die Schreibweise nach der Forbesliste, etwas Besonderes sollte es sein.

1h Zeit hat man für das Gespräch zu zweit, die junge Studentin und der Künstler, sie im Auftrag der Unizeitung, er zur Promotion, aber das Gespräch im Privaten und im Kleinen gehalten, im Persönlichen, der ältere Mann und die junge Frau, man geht auf Tuchfühlung miteinander, er hat einen Knüller zu bieten, er hat eine Nachricht zu bieten, er ist unzufrieden mit dem Film, er hat Lust hinzuschmeißen, er bekommt wohlwollende Meinungen von der Studentin, "Ihr Meisterwerk wird noch kommen." Ob sie seinen neuen Film sehen will, wird sie gefragt, das käme vom Zeitplan her unpassend, sie hat eine Lunch-Verabredung, was geht vor, das Berufliche oder das Private, der weltbekannte Filmemacher oder der Freund; das ist nicht die Frage, um die sich der Film dreht, es ist ein momentanes Problem.

Erzählt wird meist aus der Sichtweise vom Freund, er ist nur nicht immer da und nicht immer im Bilde, seine Gedanken hören wir aber, von den anderen nur das Gesprochene, nicht das Gedachte, ein kleiner, aber feiner Unterschied, ein Vorteil seinerseits zur Identifikation, wenn er sich denn bringen kann für den Zuschauer, das weiß man in den ersten Minuten noch nicht. Er ist eher ein Hallodri, gut aufgewachsen, reich geboren, schon auf dem zweiten Bildungsweg, der ihn genauso viel oder wenig interessiert wie der Erste, er kennt sich dafür mit anderen Dingen aus, mit dem Stadtleben, den Restaurants, den Cafés, den Hotel, eben dem Äußeren, er kennt die Geschäfte in der Stadt, er kennt auch noch Leute von der Metropole, leider zuweilen, ein Ungetüm von der Highschool bspw., es gibt Austausch über das Früher und die Vergangenheit, er wird doch misstrauisch, "Wie habt ihr euch so schnell angefreundet?!", es wird über Kunst und Leidenschaft und Leid gesprochen, über Kultur, über die Anziehungskraft von älteren Männern, er sucht in seiner neuen Freizeit doch die alten Kameraden auf, er hat nun Zeit dafür, zwei Stunden mindestens, kein Dinner, dafür ein Studentenfilm besucht, auch als Statist eingeladen, in einer Kuss-Szene, in einer Film Noir Hommage, er ist erstarrt in seiner Szene, es gibt eine Wiederholung, der zweite Kuss, er ist verklemmt, Take 3 der Szene 19 ist schon besser, es wird sich über seine Freundin aus Arizona lustig gemacht, aus Tucson, jetzt regnet es, das gibt den Film seinen Titel.

Besuche werden gemacht, "ich hab doch gesagt, ich komm’ vielleicht vorbei", man lernt die Stadt und die Menschen ein bisschen kennen, man sieht schöne Gegenden und ebensolche Wohnungen, man sieht viele lange Einstellungen, die Kamera einfach begleitend, über Literatur wird erzählt, der große Bruder besucht, und dessen Freundin, dann gibt es das erste richtige Problem, die Hochzeit des Bruders steht auf der Kippe, er erträgt gewisse Eigenheiten bei ihr nicht, "Hunter, Du musst zum Psychiater", das Leben hat viele tragische Haare in der Suppe, eine Liebe, eine Upper Eastside-Therapie, es ist ein Prozess, eine "dampfende Existenzialisten-Scheiße", viele Aus- und Einblicke hier, es werden Stichworte gemacht, es wird sich ein Regenschirm besorgt, mittlerweile Starkregen statt Nieselwetter, es strömt ordentlich, das ist nicht das einzige Problem, der junge Mann heißt Gatsby, die Freundin verwechselt laufend die Treffpunkte, und sie hat andere Sorgen mittlerweile, der Tag wird vertrödelt, jeder macht seine eigenen Angelegenheiten, manche wichtiger für einen, unwichtiger für den anderen, "Der Dialog hat mich in Kusslaune versetzt", es wird von A nach B nach C und quer durch das Alphabet gegangen, es werden andere Sorgen aufgewühlt, es werden die Methoden der Analytiker probiert, es werden neue Treffen gemacht, man sieht sich immer zweimal im Leben hier.

Verzettelt wird sich hier, ein Plan wurde gemacht und das ganze Wochenende stattdessen geplatzt, es werden einem Flöhe ins Ohr gesetzt, Widrigkeiten prophezeit, "Künstler, bekannt für ihre Leidenschaft", ehrliche Ambitionen und ehrliche Worte, heikle Situationen, nicht am Telefon zu erklären, dubiose, aber frische Brisen, es wird von seiner Freundin geschwärmt, auch anderen Mädchen gegenüber, er will nicht besitzergreifend sein, er will aber auch nicht zurückstecken, er will nicht prophylaktisch aggressiv sein, es wird einander Gesellschaft geleistet, es werden sich edle Wohnungen gezeigt, auch etwas Wortwitz probiert, das kappt nicht so richtig, oder erst bei Szene 3 und nicht Szene 1, die im Film verblieben ist. Allen filmt hier einen anderen Filmemacher, der mit seinem Werk unzufrieden ist, zwischendurch schien es auch Phasen zu geben, wo er mit seinem Werk haderte, nicht mehr die Reputation der Siebziger und Achtziger hatte, wo er sich verschiedenen Ausflüchten zuwandte, die europäischen Hauptstädte befilmte, manchmal mit mehr, manchmal ohne Prämisse, alles so wunderbar realitätsfern. Es gibt hier einige schauspielerische Leistungen, darstellerische Offenbarungen, inhaltliche Offenheiten, die Themen wiederholen sich: Fremdgehen, Affären, Liebe, Beziehungen, die Stadt, der Kreislauf des Lebens, die verschiedenen Medien, die Erinnerungen, das Leben in der Vergangenheit, das Leben in Erinnerungen, das Schwelgen von Objekten und Subjekten, die man nicht haben kann, etwas jüdischer Humor, etwas Flair, etwas Flaneur. Nach der Zukunft wird gefragt, nachdem, was man später werden will, es werden Noten verteilt, es wird vom "man lebt nur einmal" erzählt, es wird auf Verstecktour im Altägypten gegangen, im Museum natürlich nur, es wird sowieso viel auf Suche gegangen.

Einige Berühmtheiten gibt es hier, einige Backfische, es wird sich unfreiwillig aus dem Weg gegangen, ein "Potpourri aus blasierten Wohlstandsspießer" gezeichnet, zwischendurch lässt der Regen nach und hört gleich ganz auf, auf Regen folgt Sonnenschein, Die Lady von Shanghai (und Goldenes Gift) wird wieder erwähnt, ein Remake dessen angedacht, eine Szene davon schon in Manhattan Murder Mystery, beim Showdown dort quasi, hier wird kein Showdown und kein Crime daraus, sondern ein langsames Auseinandergehen, das Biegen einer Beziehung, ein Brechen der Liebschaft droht, eine Verbindung in höchster Not. Man sieht es bröckeln, platzen, man ist nicht zusammen, es kommt zu Ablenkungen und Ablehnungen, zu anderen Reizungen, zu anderen Dehnungen. Ein bisschen Einsamkeit und Melancholie schwingt mit, überwiegend bewölkt, eine Ballade von Irving Berlin.








Details
Ähnliche Filme