Gängiges Motiv der Poster für den Weihnachtscountdown von Hallmark Studios und deren entsprechend filmisches Programm aus leichten Liebesdramödien mit natürlich oder zumindest hoffentlich guten Ausgang für alle Beteiligten - zumindest an den christlichen Feiertagen selber - ist: Mann und Frau vereint vor folgerichtig feierlicher Kulisse und Dekoration, ob nun die geschmückte Tanne, oder der ausstaffierte Kamin, ob vor einem Berg Geschenken oder schlicht gemeinsam im trauten Heim, mal dichter aneinander gerückt und mal sich umarmend, oder auch Hand in Hand vor dem Schnee im Hintergrund oder auch zusammen im warmen Heim ein Geschenk haltend. Auf jeden Fall zu zweit und dennoch wie eine Einheit, nicht allein und nicht jeder für sich, so wie es sich gehört.
Ausgehend von diesem Motiv und auch dieser Motivation, dem Finden des Richtigen wird auch hier in Christmas on Honeysuckle Lane agiert, wobei die Besetzung für derlei Geschehen – basierend auf Mary McDonoughs Ende September 2016 veröffentlichten "Christmas on Honeysuckle Lane (An Oliver's Well Novel Book 2") – hier mal relativ prominent mit zumindest den beiden Personen im Fokus, nämlich Alicia Witt als die Glückliche in der Paarung und dem schon das Kleinstadtleben inhalierenden Colin Ferguson, dem biederen und stets verdatterten Sheriff aus EUReKA – Die geheime Stadt besetzt ist:
Nach langer Abstinenz kehrt die nunmehrige New Yorkerin Emma Reynolds [ Alicia Witt ] in ihre frühere Heimat nach Oliver Wells, Virginia zurück, allerdings aus dem traurigen Grunde, dass beide Elternteile mittlerweile verstorben sind, und ihre Geschwister Andie [ Laura Leighton ] und Daniel [ Jordan Dean ] sowie deren jeweiligen Kinder in diesem Andenken nicht nur ein letztes Mal zusammen Weihnachten feiern wollen. Sondern auch der Verkauf des Elternhauses danach ansteht. Um eine Schätzung des Inventars kümmern soll sich der ortsansässige Archivar Morgan [ Colin Ferguson ], der zusammen mit Emma dabei in dem antiken Sekretärin versteckte Briefe von Emmas Mutter findet, die allerdings nicht an ihren Vater und damit den Ehemann gerichtet waren, sondern an Jemand anderen. Als Emmas Ex-Freund Ian mehr oder minder unangekündigt auch noch zu der Familienfeier auftaucht, fühlt sich die junge Frau ganz verwirrt.
"It was an easy drive from Emma’s home in Annapolis to Oliver’s Well. Emma enjoyed driving and took meticulous care of her car, a 2015 Lexus RX 350 in deep sea mica with a light gray interior.(...)Emma Reynolds had turned forty-two in April. Her once bright blond hair had darkened in the past few years, and now there were natural streaks of white and silver threaded throughout. She glanced in the mirror over the dashboard and smiled. Her hair stylist had told her that plenty of women paid for the effect that in Emma’s case had taken place all on its own.(...)Emma smiled. There, up ahead, just past Holinshed Nursery, was the town line. Oliver’s Well at last. Emma needed a big dose of small town charm after the year she’d had; she had been too swamped with work even to take a brief vacation. And the breakup with Ian, and before that, the long and difficult process of coming to terms with the fact that the break had to be made had taken its toll.(...)And then, just up ahead, number 32 Honeysuckle Lane. Like most of the other houses on the block, it was a handsome, mid-nineteenth-century white clapboard two-story structure with black shutters and a large central chimney."
Eine bittersüße Rückkehr steht hier an, ist die Reise von New York über Weihnachten zu ihrer älteren Schwester, einer gestandenen Bestsellerautorin die erste richtige Fahrt nach daheim; zwar liegt der Schnee überall und demnach hüben wie drüben, ist die Ortschaft, in der man früher gewohnt hat und wo auch die Eltern alt wurden natürlich eine andere als der Platz, an dem man jetzt nur arbeiten und sonst die Zeit müßig vertreiben ist. Was hat sich verändert zu früher, was ist noch geblieben, vor allem die Läden aus der Kindheit, in denen man sich vor nicht allzu langer Zeit, aber eben doch ewig her nicht sattsehen konnte an den Wundern des Konsums und Kommerz, eine Art 'Santa's Village', und wo nun zwar auch gelächelt wird, sich dann aber doch die Tränchen ins Gesicht schleichen und der Schmerz in das Herz. [Gedreht wurde ausnahmsweise nicht in Kanada, sondern in Wethersfield, Hartford County, Connecticut.]
Schnell startet der Film, ist man nach wenigen Minuten schon am eigentlichen Schauplatz und wird vorher bloß eine Green Screen Fahrt mit dem Auto und die Ankunft am Flughafen simuliert – bei dem sich alle Statisten im Hintergrund um den Hals fallen und umarmen –; dann geht es schon los mit der Geschichte und den Einführungen der nach und nach wichtigen Personen, ihrer Stationen und der inneren Dramaturgie. Los und weiter geht es mit den Erinnerungen, die hier per Erzählungen der Umstehenden dargereicht werden und auch via Rückblenden oder sogar das alljährlich aufgenommene Fotoalbum von geschmückten Tannenbaum und andere Traditionsriten, die Vergangenes für den Moment aufleben lassen und doch nur Empfindungen von damals und nicht mehr Nachzuholendes von Heute ist. "Ich wünschte dies", und "ich wünschte das", und "meine Eltern hier", und "meine Eltern da."
Ordentlich süß bis klebrig also, hinzu kommt dann noch der Punkt mit den gefundenen Briefen, was nicht gänzlich unspannend, wenn auch sicherlich nicht automatisch ein Mystery ist; und als dramaturgischer Beisatz noch der Punkt, dass das Haus im Grunde schon kurz vor der Auflösung all der Sentimentalitäten und dem Verkauf an zukünftig andere Bewohner steht, eine Art Therapie des Verdrängens und des Vergessenwollens, die so einfach nicht möglich und auch nicht der richtige Weg hin zur Besserung ist. Helfen tut der nette Archivar, unser geliebter Sheriff, der Maytag Man, der zwar recht dröge und auch ein bisschen alt aussehend und stets unrasiert und abgemergelt ist, mehr der Beobachter aus dem Hintergrund und der Verstecker in der Menge, welcher allerdings schon (unfreiwillig) beim Schneemann-Wettbewerb ungeahnte Talente in sich schlummern lässt und dann erst so richtig aufdreht. Zwischen Ferguson, der grundsolide ist und auch so wie als bester Kumpel, als Kummerkastenonkel wirkt, und Witt, die ordentlich vom Glühwein genascht zu haben scheint und über weite Strecken eher angeschwipst und überzogen spielend und letztlich seltsamerweise doch funktional damit ist, ist auch tatsächlich eine Sympathie und Empathie beiderseits gar vorhanden und wahrnehmbar und mehr als nützlich für die Geschichte hier; der Rest ist solange egal, bis dann noch ungeplant der Ex auftaucht und stört und plötzlich und schneller als gedacht das Haus verkauft ist.