Ein typischer Eltern-Alptraum, wenn sich die Persönlichkeit des Kindes nicht etwa aufgrund der Pubertät komplett ändert. Gerne wird solch ein Umstand in Horrorfilmen aufgegriffen, indem der Nachwuchs entweder vom Bösen besessen ist oder zumindest von einer dämonischen Entität gelenkt wird. Der irische Regisseur Lee Cronin greift diese Prämisse für sein Spielfilmdebüt auf und lässt anbei ein wenig heimische Folklore einfließen.
Die allein erziehende Mutter Sarah (Seána Kerslake) zieht mit ihrem achtjährigen Sohn Chris (James Quinn Markey) in ein abgelegenes Haus in die Provinz. Hier begegnet sie einer merkwürdigen Frau, die einst ihr Kind umgebracht haben soll und behauptet, Chris sei nicht ihr Sohn. Tatsächlich scheint sich der Junge zu verändern und legt befremdliche Verhaltensweisen an den Tag, seit die beiden einen riesigen Krater mitten im Wald entdeckten…
Die Geschichte steigt mit den üblichen Begleitumständen ein: Umzug aufgrund von Trennung, ein problematisches Mutter-Sohn-Verhältnis und eine mysteriöse Begebenheit im neuen Zuhause. Zwar lässt sich Cronin angemessen Zeit, die Beziehung der Figuren zu durchleuchten, doch schafft er es gleichermaßen, früh eine beklemmende Atmosphäre zu schüren. Bereits in der Eröffnungsszene wird die Bedeutung von Spiegelbildern angedeutet, kurz darauf dreht sich die Kamera während einer Luftaufnahme um 180 Grad, wonach eine Landstraße wie eine Sackgasse aussieht.
Im Verlauf setzt Cronin weniger auf Schockeffekte, denn auf das Zusammenspiel der Figuren, wobei letztlich und eigentlich nur zwei Optionen infrage kommen: Entweder Chris ist tatsächlich von einem dämonischen Doppelgänger ersetzt worden oder Sarah leidet unter Paranoia aufgrund traumatischer Erlebnisse und der zusätzlichen Einnahme von Psychopharmaka.
Diesbezüglich wird allerdings einiges an Background ausgeklammert oder allenfalls angedeutet. So lässt sich beispielsweise nur vermuten, dass eine kaum heilen wollende Verletzung an der Stirn aus der zerrütteten Ehe stammt. Auch das Senkloch mitten im Wald scheint von niemandem hinterfragt zu werden, - bei der überschaubaren Figurenkonstellation tragen die Nebencharaktere ohnehin nur herzlich wenig zum Geschehen bei.
Jenes driftet zum Finale ein wenig ins Hanebüchene ab und schießt in einigen Punkten deutlich übers Ziel hinaus, wogegen andere Aspekte eher nebulös bleiben und dem Interpretationswillen des Betrachters überlassen werden. Entsprechend dürfte der nicht ganz eindeutige Ausgang nicht jedem schmecken.
Neben der latent unheilvollen Stimmung sind es primär die glaubhaften Darsteller, die einen starken Eindruck hinterlassen, denn Kerslake bringt eine ordentliche Präsens mit und performt recht nuanciert, während James Quinn Markey mit angemessener Zurückhaltung punktet.
Das Spiel mit diversen Versatzstücken, die entfernt an „The Babadook“ erinnern, entfaltet sich auf überwiegend ruhige Weise und verzichtet weitgehend auf Gewalteinlagen.
Was phasenweise wie ein Kammerspiel anmutet, kann sich auf handwerklicher Ebene sehen lassen, storytechnisch gerät das Unterfangen gegen Ende leider ein wenig aus den Fugen und ist unterm Strich nur bedingt zu empfehlen.
6 von 10