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Der geisteskranke Frauenmörder Lucker erwacht nach mehreren Jahren aus seinem Koma und beginnt noch im Krankenhaus wieder zu morden. Danach flüchtet er in eine Kleinstadt, wo er eine Nutte tötet, ihre Mietwohnung besetzt und ihre Leiche eine Woche lang auf dem Bett vermodern lässt, bevor er mit ihr Sex hat. Dieses Opfer wurde aber nicht ganz zufällig gewählt, denn in der Wohnung gegenüber lebt Luckers ehemalige Geliebte, mit der er noch eine Rechnung offen hat.

LUCKER entstand noch ein Jahr vor NEKROMANTIK und behandelt, wie unschwer zu erkennen ist, das gleiche Tabuthema: Nekrophilie. Da hören die Ähnlichkeiten aber auch schon auf, denn diese Produktion ist plakative und lahmarschige Schmuddelexploitation aus der untersten Schublade. Dabei trifft der Titel auch nicht ganz zu, denn Lucker ist kein Nekrophage, also ein Leichenfresser, auch wenn er in der ekeligsten Szene des gesamten Films seine mit Leichengift beschmierten Hände gierig ableckt. Der Geschlechtsakt mit der Leiche, die binnen weniger Tage unrealistischerweise schon völlig verfault ist, ist aber auch bereits der einsame und fragwürdige Höhepunkt dieser ansonsten gähnend langweiligen Angelegenheit. Es gibt zwar noch ein paar blutige Morde, die vom Stil her ein wenig an Fulci erinnern, aber ansonsten befinden wir uns in einem leeren Vakuum aus belanglosen Füllszenen, ohne die nie und nimmer Spielfilmlänge erreicht worden wäre. Wenn Lucker Minuten lang auf einer menschenleeren Autobahn entlang läuft oder später einfach nur im Sessel hockt und während des Verwesungsprozesses der Prostituierten nichts anderes tut außer zu qualmen und zu saufen, dann merkt man schnell, dass nur die anstößige Idee an sich der Auslöser für diese Verfilmung war, aber an eine richtige Handlung kaum ein Gedanke verschwendet wurde. Da wir eh nur der Titelfigur und ihrem Treiben folgen, da alle anderen Personen hier absolut zweitrangig sind, steht und fällt der gesamte Film mit Lucker. Und der ist mit seiner sleazigen Sonnenbrille, seiner fehlenden Mimik und seiner Wortkargheit eine so dermaßen narkotische und ausdruckslose Figur, dass jegliche Schockwirkung des Dargestellten den Bach runter geht, weil man Mühe hat, bis zu den großen Ekelszenen überhaupt wach zu bleiben. Selbst die gammelige Leiche hat mehr Ausstrahlung als ihr psychopathischer Liebhaber. Und wenn der Nekrophile dann am Ende doch noch seinen emotionalen Ausbruch hat und seine Freundin hysterisch und mit fürchterlich schlecht nachsynchronisierter Stimme anschreit, dann ist das so entsetzlich peinlich und schauspielerisch schwach, dass einem seine einstündige Stummheit zuvor wie eine Gnadefrist erscheint. Es ist beinahe überflüssig zu erwähnen, dass die leblose Kameraführung und die fade Musik den steifen Stil dieses hingeschluderten und belanglosen Pseudo-Sickos noch untermauern.

Manche Quellen geben Frankreich und die Niederlande als Herkunftsländer an, andere hingegen verweisen auf Belgien. Regisseur Johan Vandewoestijne hat hiernach jedenfalls nie wieder etwas gedreht. Es ist wohl auch besser so.

Einen Gummipunkt gibt es für den einen fiesen Mord, wo Salz in eine Wunde gestreut wird. Ansonsten stinkt der Film in allen Belangen zum Himmel, und das nicht etwa wegen der armen Leiche.


2 von 10.

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