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Martin ist ein sensibler und zurückhaltender Junge. Er wird von seinem tiefreligiösen Cousin Cuda aufgenommen, jedoch nicht aus Freundlichkeit sondern aus familiärer Pflicht.Auf der Familie lastet ein Fluch, der Fluch des Nosferatu. Neun Vampire stammen aus der Familie, drei leben noch. Der oberste aus der Urheimat Rumänien dirigiert, wer aus der Familie die Vampire aufnehmen muss. Daher ist Martin bei seinem Onkel, und Martin ist auch nicht Anfang 20 sondern 84 und benötigt das Blut junger Frauen um zu überleben. Die Frage, die sich hier aber stellt, ist ob Martin wirklich ein Vampir ist, oder ob er psychisch krank ist und von seiner fanatisch-religösen Familie in die Rolle des Vampirs gedrängt wird. Die Menschen, die er tötet sind echt, aber woher stammt der Drang deren Blut zu trinken?

George Romero ist zweifellos der Vater des Zombiefilms. Romero lieferte jedoch nicht reinen Splatter zum Selbstzweck sondern verband seine Geschichten, ja fast schon Parabeln, stets mit glaubwürdiger Sozialkritik (nur in seinem letzten Film – Land of the Dead – geriet diese allzu plump). Auch bei „Martin“ dreht der eigentliche Horror sich nicht um Monster, sondern um die Menschen. Und auch hier werden soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung thematisiert, jedoch sehr viel ruhiger und vordergründiger als bei all seinen anderen Filmen. Als Monster abgestempelt sucht Martin nach Liebe. Der Tod seiner Opfer impliziert jedesmal einen sexuellen Akt, der viel wichtiger ist, als das Trinken des Blutes. Denn schon bald vollzieht er den gleichzeitig gewaltsamen, da unfreiwilligen, und doch sanften Akt ohne seine Opfer zu töten. Martin findet eine Freundin, die sich bald das Leben nimmt und zwar mit einer Rasierklinge, so wie auch Martin seine Opfer immer tötete. Konsequenterweise verdächtigt sein Cousin ihn, und in seinem eigenen Wahnsinn, mit dem er Martin als Monster stigmatisiert, jagt er ihm einen Pflock durchs Herz. Wie auch in seinen Zombiefilmen sind nicht die Kranken krank, sondern die Gesellschaft bzw. die vermeintlich Gesunden/Normalen. Dass zur gleichen Zeit der Zerfall der alten Industriestadt bei Pittsburgh thematisiert wird, verdeutlicht auch wieder den Zerfall des amerikanischen Traums, der auf den Lügen einer angeblich von Gott auserkorenen Gesellschaft, aufgebaut wurde – eine Gesellschaft die zur selben Zeit andere Werte als die ihren verdammt. Das soll an dieser Stelle keine bloße Kritik an der US-amerikanischen Gesellschaft sein – die Kritik betrifft mal mehr mal weniger uns alle.

Um noch ein paar Informationen hinzuzufügen: „Martin“ ist der erste Film Romeros, bei dem sich Tom Savini – der auch hier eine Rolle spielt - für die Effekte verantwortlich zeichnet. „Martin“ ist jedoch kein normaler Horrorfilm, und Gore wird nur dezent eingesetzt – dann wenn es nötig ist. Zu Recht wurde der Film von FSK18 auf FSK16 zurückgestuft. Im übrigen spielen die Schauspieler ihre Rollen hervorragend, allen voran John Amplas, der die Rolle von Martin hervorragend meistert.

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