Review

Der junge Martin fährt aus unerfindlichem Grunde zu seinem Großvater, der ihn recht nett, aber dann auch wieder eher feindselig, empfängt.
Der Großvater nennt ihn Nosferatu und hält ihn für einen Vampir. Ein gleiches tut auch der junge Martin, dessen Selbstbild sich ganz augenscheinlich durch stete Einflüsterungen (dargestellt durch sehr schön wirkende realitätsverzerrende Schwaz-Weiß-Sequenzen) an der Wirklichkeit vorbei entwickelt hat.
Selbige Wahrnehmungsstörung hat zur Folge, dass er mitunter die eine oder andere Person tötet, mal nach vorheriger Ruhigstellung mittels Betäubungsspritze, mal mit roher Gewalt, und sich von deren Blut beträufeln lässt. Das Blut selbst ist leider sehr unrealistisch dargestellt, statt roter Farbe hätte Blaubeersuppe da gewiss eine authentischere Wirkung erzielt.
Zu Martins Glück lebt im Haus des Großvaters jedoch auch dessen Cousine, die sich augenscheinlich nicht vom religiösen Fanatismus der übrigen Familienmitglieder hat einketten lassen und mit aufklärerischer Strebsamkeit bemüht ist, den obsoleten und gefährlichen Missständen ein Ende zu bereiten. Während Martin und seine Cousine sich einander annähern und weiterentwickeln, verbleibt der Großvater in seinem fauligen Glaubenssumpf, und das voraussehbare Ende naht mit schleichenden Schritten…

Die Vorzüge des Films liegen im tristen Charme der Siebziger sowie in den erwähnten Schwarz-Weiß-Einfügungen. Die Handlung ist, trotz ihrer Zähflüssigkeit, teils durchaus ergreifend und kulminiert am Ende in der zu erwartenden und in anderen Reviews zu Recht monierten Schlussszene, die in der Tat in jedem beliebigen Moment des Filmes hätte einsetzen können.
Allerdings, so muss man ohne spoilernde Erklärung hinzufügen, hat diese Schlussszene erst an der vom Regisseur gewählten Stelle einen eindeutigen, sozialkritisch rückgekoppelten Aussagewert.

Wenn man viel Zeit und Ruhe hat, kann man sich "Martin" ganz gut anschauen. Es schadet aber auch nicht, ihn nicht zu kennen.

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