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Die 1970er waren nach meinem Empfinden das Jahr der innovativen, experimentellen Filme, gerade auch im phantastischen Bereich. So ging Romero mit seinem modernen Vampir-Drama ebenfalls ungewöhnliche Wege, indem er es vollständig aus der klassischen Bram-Stoker-Erzählung herauslöste und mit sämtlichen Vampir-Konventionen brach. „Martin“ ist ein ruhiger, scheuer und zumindest äußerlich junger Mann, von dem bis auf seinen Cousin niemand glaubt, dass er ein Vampir sei. Trotzdem ist er Gefangener seiner Triebe, seinem unstillbaren Bedürfnis nach Blut, das er regelmäßig auf für einen Vampir sehr ungewöhnliche Weise befriedigen muss. Durch die Fixierung des Films auf Martin identifiziert sich der Zuschauer trotz seiner Taten mit ihm und betrachtet ihn mehr als Opfer denn als kaltblütigen Meuchelmörder, während die zahlreichen in schwarz-weiß gehaltenen Rückblenden der einzige Anhaltspunkt für den Zuschauer sind, dass es sich bei Martin nicht tatsächlich nur um einen geistesgestörten Jugendlichen handeln könnte. John Amplas agiert überzeugend und Tom Savini, der auch eine Nebenrolle innehat, zeichnet sich für die hier recht rar gesäten und nie selbstzweckhaften blutigen Effekte verantwortlich. Der Score mit seinen „Martin! Martin!“-Stimmen sorgt zusätzlich für Gänsehautatmosphäre. Obwohl vieles im Verborgenen bleibt und auch kein Story-Twist für gänzliche Aufklärung sorgt, überrascht „Martin“ mit einen schockierenden Ende. Sorgfältig und wirksam inszenierter, ruhiger Horror, dessen Metaphern zu erkennen und zu interpretieren ich jedem selbst überlassen möchte.

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