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Neulich bin ich gefragt worden, wie eigentlich intelligenter Horror auszusehen hat. Ohne zu zögern habe ich neben den Filmen von David Cronenberg dann auch diesen Streifen genannt. "Martin" ist eine packende Mischung aus Serienkillerfilm, Psychodrama und Vampirgrusler, wobei die Aspekte mit dem Blutsauger in erster Linie eine Neurose der Titelfigur sind. Romero geht es primär darum, einen verstörten jungen Mann mitten in der Identitätskrise zu porträtieren.
Dabei ist der Film kein rauschendes Splatterfest wie "Dawn of the Dead" oder "Day of the Dead", sondern ein fast schon ungewöhnlich ruhiger Vertreter des Schauerkinos. Es gibt nur eine handvoll richtig gruseliger Szenen, und zwar dann, wenn die Killerinstinkte der Titelfigur erwachen und Martin auf Beutezug geht. Weil er selbstverständlich keine Reißzähne hat, muss der junge Mann seinen Opfern das Blut durch die Pulsadern abzapfen, die er fachmännisch mit der Rasierklinge durchtrennt. Ansonsten ist Romero darauf bedacht, in vielen Dialogsequenzen, die fast schon etwas vom Besuch beim Psychiater haben, das zerrissene Innenleben seiner Figur darzulegen. Dabei wird Martin nie als grausame Bestie, sondern als bemitleidenswerter Mensch dargestellt. Besonders gut gefallen haben mir übrigens die schwarz-weißen Flashback-Szenen, die einpaar unheimliche Rituale von katholischem Exorzismus zeigen.
Gung Ho sagt: "Unterschätzter Klassiker, der viel mehr Beachtung bekommen sollte, als er es eigentlich tut. Wer glaubt, Romero könne nur Zombiefilme drehen, sollte dieses Meisterwerk hier unbedingt mal auschecken!"

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