Review
von Leimbacher-Mario
Schneegezeter
Ich muss irgendwo eine schwache Stelle für Found Footage-Schocker besitzen - denn gerade wenn ich ungezwungene Unterhaltung um 0 Uhr herum, zum geistigen Abschalten, womöglich auf dem kleinen Bildschirm des Handys, suche, greife ich gerne mal zu diesem oft (nicht zu unrecht) niedergemachten Subgenre. Nur Slasher stehen da bei mir wohl noch weiter oben was Kopf-aus-Horror-Entertainment betrifft. Vielleicht liegt dieser Hang zur Wackelkamera an meiner frühen, prägenden Konfrontation mit der Hexe von Blair, vielleicht sind manche Ableger einfach besser und spannender als ihr Ruf, vielleicht bin ich etwas masochistisch veranlagt und lasse gerne eine Schleudertrauma-Migräne an mich heranschleichen. Filme wie der französische „Cold Ground“ bestärken aber eher die Annahme, dass die Wahl solche Handkamera-Schocker alleine nachts im Bett zu gucken, eine passend, effektiv und sinnvoll sein kann...
In dem mit recht einfach 70er-Jahre-Retro-Optik gepimpten und mit einem grandiosen Poster neugierig machenden Schneeschocker geht’s um eine Gruppe von Leuten, die im eiskalten, bergischen, völlig verschneiten Hinterland nicht nur auf kalten Boden und tödliche Kräfte der Natur treffen, sondern auch auf ein gefährliches Wesen, dass sich gerne mal an Vieh und Wanderern vergreift bzw. diese als Buffet ansieht... „Cold Ground“ punktet mit seiner nostalgisch-krieseligen Optik, einem adrenalintreibenden (wenn auch recht hektischen) letzten Drittel, einigen klasse praktischen Matschigkeiten und einem lobenswerten Kreaturendesign irgendwo zwischen Werwölfen, Bodybuildern und Schneeleoparden. Leider turnt „Cold Ground“ aber auch mit einer enorm lahmarschigen ersten Hälfte ab, einige Male geht einem das Figurenverhalten richtig auf den Senkel und die Kamera wackelt dann halt doch oft richtig heftig und nervig. Doch im Grunde bin ich grundsätzlich auf meine Kosten gekommen. Das hat schon so manch ein Found Footage-Schmarn mit viel höherem Budget aus der Traumfabrik viel schwächer aufs Glatteis gelegt. Außerdem gibt’s noch eine feine Avalancheszene und eine fiese Amputationsszene. Nur das Ende wirkt dann wiederum sehr ideenlos und simpel.
Fazit: erste Hälfte zäh, zweite Hälfte treibend spannend. Look (für sein Budget) nice, Hook eher abgenutzt. Darsteller nicht der Rede wert, Atmosphäre alle Ehre wert. „Cold Ground“ ist ein kleiner französischer Mitternachtshappen für festgesottene Found Footage-Fans. Nicht zu viel erwarten - dann klappt’s auch mit solchen Genreappetizern unserer Nachbarn.