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Es ist kaum zu glauben, aber Fakt: 1995 entstand eine Fortsetzung zum Fantasy-Abenteuer "Insel der neuen Monster"; ein Film, der 1979 in den USA gnadenlos gefloppt ist. Wie den Texttafeln auf der DVD zum Film zu entnehmen ist, wurde zum Ankurbeln der Zuschauerzahlen vom Studio sogar angekündigt, im Film sei zu sehen, wie einem Menschen bei lebendigem Leibe das Innere nach Außen gekehrt werde. Dementsprechend groß war der Unmut darüber, daß diese Szene im fertigen Film nie zu sehen war.

Wie es nun 16 Jahre später zu einer Fortsetzung des - teilweise zu Unrecht entwickelten - Flops kommen konnte, ist mir rätselhaft, zumal die an sich schon mäßig intelligente Storyline des Originals eigentlich keinen Platz mehr ließ für eine Fortsetzung.

Man wählte also den einzigen Erzählstrang, der zumindest teilweise eine Fortführung der Story erlaubte. In Teil 1 erläutert der Wissenschaftler, der für die Fischmutationen verantwortlich ist, den eigentlichen Grund für die Entwicklung der Fischmonster (der dann vom "Bösewicht" Edmond Rackham für seine eigenen Zwecke mißbraucht wird). Dabei bezieht er sich darauf, daß in naher Zukunft die Welt überbevölkert sei und die Menschheit nicht mehr ernährt werden könne. Die Fischwesen sollen deswegen auf dem Meeresgrund nach Nahrung suchen.

Konsequenterweise spielt sich Teil 2 dann auch in der Zukunft ab, um die angesprochene Situation darzustellen. Der Film beginnt im postapokalyptischen New York. Auf der Oberfläche sorgen Spezialeinheiten dafür, daß die Stadt steril bleibt und töten jeden verseuchten Zivilisten, der aus der Kanalisation an die Oberfläche gelangt. Den Freunden Tom und Sam, die in der Kanalisation aufgewachsen sind, gelingt mit Hilfe eines Autofahrers die Flucht. Der Fahrer kommt dabei aber ums Leben, so daß die beiden Kinder auf sich allein gestellt sind. Sie treffen auf den alten Sokrates, der ihnen von einer geheimnisvollen Insel erzählt, zu der sie sich dann auch aufmachen. Dort treffen sie auf seltsame Fisch-Mensch-Kreaturen und ihre Herrscherin, die ein böses Geheimnis verbirgt...

"Insel der neuen Monster 2" ist purer Trash, noch um einiges stärker als das Original, ohne aber dessen Spaßfaktor zu besitzen. Im Gegenteil, über die gesamte Laufzeit baut sich ein dichter Nebel von Langeweile auf. Während die beiden Hauptdarsteller noch den Umständen entsprechend gute Leistungen abliefern, würden sowohl ich als auch jeder, der dies hier liest, aus dem Stand heraus bessere Schauspielerleistungen hinkriegen als der Rest der Darstellerriege, allen voran die Königin.
Was die Effekte betrifft: so unglaublich das klingen mag, aber im ersten, sechzehn Jahre älteren Teil waren sie besser! Das liegt natürlich auch daran, daß gerade das zerstörte New York der Zukunft viele Special Effects benötigt, zu deren Realisierung das Budget ganz offensichtlich nicht reichte. Man bemühte sich um eine Atmosphäre, wie James Cameron sie in der Anfangssequenz von "Terminator 2" eindrucksvoll inszenierte. Hier erkennt man aber mehr als deutlich die Modellbauten und erwartet, daß in jedem Moment godzillaartig ein Crewmitglied im Hintergrund auftaucht. Was die Kostüme der Monster betrifft: waren diese schon im ersten Teil unter den Möglichkeiten der damaligen Zeit (auch der "Schrecken vom Amazonas" sah nicht schlechter aus), hat sich in der Zeit bis zum Sequel überhaupt nichts geändert. Im Gegenteil: unglaublicherweise wurden einige Szenen (z.B. die Fischmonsterhand, die sich aus dem Schlamm erhebt) einfach aus Teil 1 genommen und in Teil 2 hineinkopiert!
Die Musik ist stets unpassend. So wird in den New York-Szenen ständig die düstere Titelmusik angespielt (egal, ob nun ein "böser" Seuchenbekämpfer ins Bild tritt oder ein "freundlicher" Kanalisationsbewohner), während auf der Insel eine fröhliche Melodie das Geschehen begleitet, wie man sie in einem Kinderfilm erwarten würde.
Das unfassbar einfallslose Ende passt sich dann dem Niveau des Films an und setzt dem Ganzen die Krone auf.

Fazit: selbst eingefleischte Trash-Liebhaber dürften bei "Insel der neuen Monster 2" auf ihre Grenzen stoßen. Während das Original zwar auch flach, aber zumindest unterhaltsam war und immerhin mit einem Bondgirl aufwarten konnte, gibt es nicht ein wirkliches Argument, das für den Film spricht. Bei der Flucht der Kinder aus New York keimt ein wenig Hoffnung auf, daß man zumindest niveaulos unterhalten wird, doch diese Hoffnung verflüchtigt sich schon wenige Filmminuten später. Betrachtet man die Fortsetzung als Bonusmaterial auf der DVD zum Original, hat sie sicherlich ihre Daseinsberechtigung; als eigenständiger Film weniger.

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