„King Boxer“ gehört zweifelsohne zu den herausragendsten Produktionen welche Anfang der 70’er Jahre von den Shaw Brothers produziert wurden. Die Popularität dieses Eastern ist aber nicht nur auf dessen filmische Qualitäten zurückzuführen, sondern auch auf den Martial Arts Boom den er bei Erscheinen auslöste. „King Boxer“, damals noch unter dem Titel „Five Fingers of Death“ geführt, gehörte zu den Vorreitern von Martial Arts Filmen die auch außerhalb des asiatischen Raumes veröffentlicht wurden und dort schnell ihr Publikum fanden. Besonders in den Vereinigten Staaten kann dieser Film daher als Wegbereiter für die kommende Kung Fu Welle gesehen werden, bei der insbesondere Bruce Lee schnell zum Superstar des gesamten Genres avancierte. Aus heutiger Sicht wird dabei die Vorreiterrolle von „King Boxer“ und dessen Einfluss auf den späteren Erfolg von Bruce Lee und Kollegen gerne außer Acht gelassen.
Die Geschichte hinter „King Boxer“ ist an und für sich betrachtet eigentlich nicht sonderlich originell und bedient sich vieler stilistischer Elemente, die man auch schon von unzähligen anderen Genre Vertretern her kennt. Außergewöhnlich ist hingegen der geradlinige Erzählstil und die schonungslose Umsetzung. Als der Film seinerzeit erschien, waren vielen Elemente aber noch unverbraucht, ja streckenweise sogar ziemlich innovativ, wurden daher in den Folgejahren immer wieder gern aufegriffen so das der Eindruck entstehen könnte, sie wären bereits ein alter Hut.
Im Wesentlichen dreht sich die Handlung einmal mehr um zwei rivalisierende Kung Fu schulen, die gegeneinander bei einem Wettkampf antreten sollen. Die eine Schule schreckt allerdings nicht davor zurück unfaire Tricks einzusetzen um sich für den bevorstehenden Wettkampf den Sieg zu sichern. Hat man eigentlich alles schon mal gesehen möchte man meinen. Dennoch kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf, was auch dem durchaus charismatischen Hauptdarsteller Lo Lieh in der Rolle des Kung Fu Schülers Chao Chi-Hao zu verdanken ist. Zwar verzieht der Held des Filmes eher selten eine Miene und blickt ziemlich stoisch durch die Gegend, strahlt aber eine gewisse Coolness aus die ein wenig an Bruce Lee erinnert. Dank gut platzierter Posen und markanter Sprüche gibt Lo Lieh eine gute Heldenfigur ab, obwohl er eigentlich eher den typischen Anti-Helden verkörpert.
Lo Lieh muss, bevor er sich am Ende im Wettkampf messen kann, zuerst die harte Schule der Ausbildung durchlaufen. Er merkt schnell das sein alter Meister ihm nicht das Wissen vermitteln konnte was nötig wäre um im Wettkampf als Sieger hervorzugehen. Er muss sich eine andere Schule suchen und beginnt hier erstmal mit Küchendienst. Die Ausbildungsszenen werden erfreulicherweise auf ein Minimum reduziert und nehmen keine zentrale Rolle ein, dafür wird besonders viel Wert auf die Machenschaften der rivalisierenden Kung Fu Schule und Kollaborateure in den eigenen Reihen gelegt.
Lo Lieh wird am Ende ausgewählt im Wettkampf anzutreten, muss dafür aber noch die geheime Technik „Iron Palm“ erlernen. Eben diese Momente, wenn diese Technik zum Einsatz kommt, gehören zu den Schlüsselmomenten in „King Boxer“ und haben zweifelsohne den höchsten Wiedererkennungswert. Nicht nur die Hände glühen jetzt feuerrot, auch akustisch wird das Ganze genial vom Theme der Serie „Ironside“ untermauert. Auch Quentin Tarantino zitiert dieses Stilelement später in seiner herausragenden Hommage „Kill Bill Vol.1“.
Aushängeschild von „King Boxer“ sind neben dem gewohnt guten Setting der Shaw Studios vor allem die Actionszenen, auch wenn diese sehr auf den Schluß konzentriert sind. Auch wenn die Inszenierung der Kampfszenen eine ausgefeilte Choreographie vermissen lässt gibt es hier nichts zu bemängeln. Es wird munter auf den Gegner eingeschlagen, teilweise sehr rustikal so dass hier und da schonmal etwas Blut spritzt. Auch eine Gruppe japanischer Kämpfer ist in die Verstrickungen involviert und sorgen für die notwendige Abwechslung in den Scharmützeln. Ein besonderer Leckerbissen ist der Griff in die Augen des Gegners, der am Ende ohne seine beiden Augäpfel dasteht… übertriebene aber dennoch witzige Idee. Etwas störend, aber eben typisch für die Zeit der Entstehung, ist das unrealistische Umherspringen der Kämpfer… kennt man unter anderem auch aus Bruce Lee’s „Big Boss“, ein kleiner Kritikpunkt am Rande der insgesamt nicht weiter ins Gewicht fällt.
Fazit:
„King Boxer“ gehört ohne Frage zu den sehenswertesten Filmen der frühen 70’er, wenn er auch nicht ganz die Genialität eines „Fist of Fury“ oder ähnlicher Meisterwerke besitzt. Die Kämpfe sind einfach gebaut, gefallen aber aufgrund ihrer Geradlinigkeit und Bodenständigkeit. Lo Lieh macht in der Titelrolle eine wirklich tolle Figur und hinterlässt bleibenden Eindruck. Insgesamt also ein Kung Fu Klassiker der seinem Ruf gerecht wird und zurrecht Kultstatus genießt.