Du hast gerade Bock auf einen unverschämt wilden B-Movie-Trip mit durchgeknallten Satanisten, blutlüsternen Dämonen, kreuchendem und fleuchendem Getier, deftigen Blutspritzereien, Titten en masse, mörderischen Mumien und Tara Reid (The Big Lebowski, American Pie, die Sharknado-Reihe)? Na dann, Ticket lösen, einsteigen, es sich bequem machen, und ab geht die Post, beziehungsweise der Bus. Ziel der Reise ist Black Rock City, Nevada, und geplant ist eine flotte, feuchtfröhliche Sex-, Drugs- & Rock 'n' Roll-Party beim populären Burning Man Festival. Aber man ist schon etwas spät dran, also verläßt Busfahrerin Joan (Sadie Katz, Wrong Turn 6: Last Resort, Blood Feast) den Highway und brettert, um etwas Zeit aufzuholen, gut gelaunt durch die Wüste. Wie man sich vermutlich bereits denken kann werden die Passagiere das geplante Ziel nicht erreichen. Schuld daran ist ein bizarrer Satanskult, der einen großangelegten Angriff auf das Gefährt startet und gleich mal etwa die Hälfte der Reisenden massakriert. Danach ist die Stimmung etwas gedämpft, zumal die Satanisten nicht daran denken, sich zurückzuziehen. Schließlich haben sie den Bus nicht (nur) aus Spaß attackiert, sind sie doch davon überzeugt, daß einer der ahnungslosen Fahrgäste "The Chosen One" ist und das Armageddon einleiten wird.
Party Bus to Hell bzw. Bus Party to Hell, wie er nun heißt, ist Rolfe Kanefskys bislang blutigster Film, und das mit Respektabstand. Zwar ist es auch in seinen früheren Filmen (u. a. There's Nothing Out There, The Hazing, Corpses, Nightmare Man, The Black Room) oft nicht gerade zimperlich zugegangen, doch hier erklimmt er mit Gusto neue, gorige Höhen. Das ist zwar kein Qualitätsmerkmal, aber da die meisten der Splattereffekte handgemacht zu sein scheinen, schon mal die halbe Miete. Außerdem ist Kanefskys Handschrift klar zu erkennen; wer seine Filme also mag, wird auch sein neuestes Werk mögen, dessen bin ich mir sicher. Party Bus to Hell ist eine anspruchslos-lockere Horror-Sause, bei der das Wort "FUN" großgeschrieben wird. Der Streifen macht, in der richtigen Stimmung genossen, einfach einen Riesenspaß, der Unterhaltungswert ist exorbitant hoch. Die irre Schlachtplatte wird mit genau dem richtigen Quentchen Augenzwinkern serviert, wodurch die ironische Komponente niemals anbiedernd oder gar überheblich wirkt. Vieles in dem Film ist lustig, ohne daß der Grundton ins allzu Komödiantische abgleitet. Kaum jemand im B-Movie-Bereich schafft diese schwierige Gratwanderung so geschickt wie der am 5. März 1969 geborene New Yorker, was seine Genrefilme (für mich) immer wieder zum Genuß macht.
Ein Genuß sind auch, wie so oft in Kanefskys Oeuvre, die Figuren. Zwar sind sie bestenfalls spärlich charakterisiert, aber dank des perfekten Castings und des enthusiastischen Spiels der Mimen wachsen einem die Männer und - insbesondere! - die Frauen mit der Zeit ans Herz. Egal ob Shelby McCullough als Ivy, ViDonna Michaels als Reese oder Stefani Blake als Lara, die sind allesamt eine Schau. Den Vogel schießen aber Tara Reid als Darby und Sadie Katz als Joan ab, die eine furiose Tour-de-Force-Performance in den Wüstensand setzen, und das ist nicht sarkastisch gemeint. Ihre Rollen bereiten viel Freude. Echte Hingucker sind natürlich die Satanisten, die - ihrem Äußeren nach zu urteilen - bestimmt Fans von Endzeitstreifen à la The Road Warrior sind. Nicht umsonst bezeichnen manche Kritiker Party Bus to Hell gerne als Mix aus Mad Max, The Hills Have Eyes und Race with the Devil (*), wobei die Satanisten beim Ausleben ihrer Perversionen neue Maßstäbe setzen. Sie suhlen sich förmlich im Blut ihrer Opfer und masturbieren ungeniert mit abgetrennten Gliedmaßen. Daß sie ihre Beute auch verspeisen, ist da nur konsequent. Tierlieb sind sie ebenfalls. Zwei Grazien versuchen sich z. B. an einem Salma Hayek-Gedächtnis-Schlangentanz, mit dem kleinen (aber feinen) Unterschied, daß sie oben rum nackt sind und sie die Tiere über ihre üppigen Brüste züngeln lassen.
Da Party Bus to Hell quasi von der herrlich schrägen Eröffnungsszene an ein fast schon höllisches Tempo einschlägt, fallen die diversen negativen Aspekte kaum ins Gewicht. Man wird, wenn man sich auf den Film einläßt, vom halsbrecherischen Geschehen förmlich mitgerissen. Anders formuliert: Der Film braust über einen hinweg wie der Bus über ein unglückliches Opfer. Das Wort "Zurückhaltung" scheinen die Macher dabei aus ihrem Vokabular gestrichen zu haben; sie ziehen alle Register und schlagen mit Schmackes über die Stränge. Das gipfelt dann in eine schier unglaubliche Sequenz, in der drei räumlich voneinander getrennte, jedoch zeitgleich ablaufende Handlungsstränge ineinander geschnitten sind. Wem da nicht die Kinnlade runterfällt, der hat echt schon alles gesehen. Party Bus to Hell entstand großteils on location in Nevada (u. a. im Valley of Fire), was einerseits für ein Gefühl der Isolation, andererseits aber auch für ein irgendwie außerweltliches Flair sorgt. Das spitzbübische Spiel mit den Klischees, die manchmal bedient, dann wieder unterlaufen werden (ein Markenzeichen Kanefskys), die nebenher wummernden Metal-Songs von David Rosen und Victoria De Mare sowie das gelungene Monster-Design fügen sich ebenfalls gut ins stimmige und sympathische Gesamtbild ein. Auch wenn als Endstation die Hölle winkt, der irrwitzig-splattrige Weg dorthin rockt derbst.
(*) Kanefsky erweist der actionreichen Satanisten-Hetzjagd in Form von Namen die Ehre. So heißt Stefani Blakes Figur Lara Swit, während zwei Mitreisende auf die Namen Peter Oates und Warren Fonda hören. Das ist natürlich eine Verbeugung vor den vier Stars aus Race with the Devil (Vier im rasenden Sarg), nämlich Lara Parker, Loretta Swit, Peter Fonda und Warren Oates.