Review

Ein Mann allein gegen amerikanische Nazis

Nachdem Travis Brickley in Teil 2 das zeitliche hat segnen müssen und Eric Roberts wohl besseres zu tun hat, sehen wir im dritten Teil der Karateserie nur noch Phillip Rhee als Tommy Lee. Schade, man hätte Herrn Roberts doch noch gerne die eine oder andere Watschn verteilen sehen. Nachdem seine Kumpel nun nicht mehr mittun dürfen, setzte sich Herr Rhee kurzerhand auf den Regiestuhl, um den Folgefilm abzudrehen. Tommy kommt hier heim nach Liberty, einer wohl typisch amerikanischen Kleinstadt, um seine Schwester zu besuchen. Doch schnell muß er feststellen, daß sich eine unangenehme Neonazigruppe in Liberty breitgemacht hat, die auch vor Mord an schwarzen Mitbürgern nicht zurückschreckt. Tommy Lee nun wäre nicht ein ehemaliges Mitglied des heldenhaften U.S. Karateteams, wenn er diese Unsitten ungestraft erdulden würde, außerdem handelt es sich ja nur um eine Art „Anlaß“ – ich schrieb darüber schon mehrfach. Auch wenn er zunächst friedfertig bleiben will, hat er doch keine andere Wahl, als im Alleingang mit den Neonazis aufzuräumen. Nebenbei sehen wir einen clever eingefügten Subplot um Owen, einen desillusionierten weißen Jungen, der im Wohnwagen haust und kurzzeitig den Versprechungen der Neonazis erliegt, nur um später die Wahrheit hinter deren verbreiteten Unfug zu erkennen.

Sicher, der Film kann von der Dramaturgie nicht einem wirklich hintergründigen Film wie „American History X“ das Wasser reichen, aber die Geschichte ist für ein B-Movie ziemlich ausgefeilt und fernab großer Oberflächlichkeit. Als deutscher Zuseher kann man die Faszination der Amerikaner hinsichtlich der Nazimythen und der „White Supremacy“ angesichts des Eingreifens der Amerikaner im zweiten Weltkrieg sowieso nicht nachvollziehen, und gerade deshalb freut es einen, wenn mit diesem Unfug auf gute, alte Faustkampftradition aufgeräumt wird, zumal auch der fiese Sergeant aus „Full Metal Jacket“ sein Fett wegbekommt. Schön auch das Mitwirken von Gina Gershon, in die sich der Held natürlich verlieben muß. Leider weist der Streifen gerade zu Beginn reichliche Längen auf, man könnte sagen, er nimmt sich Zeit – was generell nicht schlecht ist – aber andererseits will man Action sehen und wird dabei nur mit zwei kleineren Keilereien bedient.

Die Kämpfe aber nehmen zum Ende hin zu, und Rhee hat eine nette Mischung aus Karate und Aikido als Kampfstil, was seine Schlägereien irgendwo zwischen van Damme und Seagal ansiedelt. Da wird nicht viel herumgemacht, es geht um das schnelle Ausschalten der Gegner. Der Showdown bietet auch noch einige Feuergefechte, da ist für Abwechslung gesorgt und die anfangs verschenkte Zeit wird schnell wieder aufgeholt. Leider ist die finale Auseinandersetzung nicht lang genug, um den Film vom guten Durchschnitt weg anzuheben. Zuviel Zeit wird für Dialoge nach Schema verschenkt, und dann dürfen auch noch Kinder mittun, das gibt immer Punktabzug. Alles in allem aber ein ordentliches Debüt von Rhee, ein doch recht gelungener B-Actionfilm der besseren Machart. Gut geeignet für einen ruhigen Feierabend, dennoch nur etwas bessere 6/10.

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