Zweisprachiger, großteils in den Herbst- und Wintermonaten des Jahres 2017 gedrehter Actionthriller aus koreanischen Landen, aber sichtlich auch mit internationaler Zielrichtung besetzt und so angelegt; eine globale Distribution schon mit dem Genre anstrebend und das gängige Schema einer schießwütigen Exposition bereits in der Prämisse voraussetzend und formell und materiell dann auch erfüllend. Die zweite Zusammenarbeit zwischen dem zuvor mit The Terror Live (2013) positiv aufgefallenen Regisseur Kim Byung-woo und dem dortigen Hauptdarsteller Ha Jung-woo, welche hier in größeren Rahmen das Publikum mit Aktion auf engem Raume und strammer Fristsetzung erreichen wollen und zumindest in Sachen Kinoeinspiel damit erstaunlicherweise am Scheitern sind. [Der Film hat etwa 12.5 Mio. USD eingespielt, im Vergleich zu fast 36 Mio. USD zuvor.]
Überhaupt sind letztjährig einige scheinbar sichere Crowdpleaser mit entsprechender Besetzung auch, einer gattungsaffinen Erzählung und der gewohnt sicheren Handhabe seitens der Regisseure oftmals suboptimal gelaufen und ist nicht nur deswegen zu vermelden, dass das Angebot aus Hollywood erstmals seit längerem wieder an Dominanz gewinnt. Ein kurzer Aussetzer hoffentlich nur, wobei der hiesig ursprünglich PMC: The Bunker betitelte mit seiner "War means Business" Tagline auch gleich die kommende Stoßrichtung der einheimischen Filmindustrie bekannt gibt:
Wir schreiben das Jahr 2024. In den Vereinigten Staaten stehen Präsidentschaftswahlen an, und der derzeitig amtierende Präsident will seine schlechten Werte mit der Gefangennahme des nordkoreanischen Militärminister putschen, wozu unter Führung der CIA und der Operation durch Agent Mackenzie [ Jennifer Ehle ] ein Team von Elite-Söldnern mit der Leitung durch 'Ahab' [ Ha Jung-woo ] in die Demilitarisierte Zone geschickt wird. Vor Ort in einem unterirdischen Bunker angelangt, stößt der Trupp, darunter u.a. Markus [ Kevin Durand ], Gerald [ Malik Yoba ] und Logan [ Spencer Daniels ] nicht nur auf den Führer von Nordkorea selber, wodurch sich gleich die Prioritäten ändern, als auch noch auf eine gegnerische Einheit und mehrere Ungereimtheiten, die nicht nur die Sachlage entscheidend ändern, sondern auch einen Nuklearkrieg auslösen könnten.
Von der narrativen Umgebung des Filmes her startet man mit mehreren interessanten, derzeit tatsächlich stattfindenden Punkten und vergrößert diese in die nahe Zukunft und vergröbert diese zusätzlich. Politik, Wirtschaft, die Verbindungen dazwischen und die Gesellschaft, die diese Verbindung wahr- und aufnimmt und sich daran auch verändert; werden gleich zu Beginn für den Aufbau des Settings diverse fiktive Nachrichten- und Moderationssendungen mit unterschiedlich knappen Aussagen und Schlagworten für die eigene Empfindung und bald auch Diskussionen innerhalb der Teammitglieder als nicht nur Söldner mit Waffen im Anschlag, sondern auch einer Vergangenheit, einer Gegenwart und zuweilen einer Familie im Hintergrund eingesetzt.
Die multikulturell gehaltene Besetzung und der von der politischen Seite her amerikanische Ansatz der Geschichte erfordert natürlich die Verständigung untereinander in der Weltsprache Englisch, so dass ein Großteil des Filmes im englischen Originalton mit für die einheimischen Zuschauer Untertitel zur beseren Verständigung gehalten ist; sicherlich mit ein Grund dessen, dass dieses Mischmasch aus verschiedenen Gefilden eine größere Publikumsbeteiligung verhindert hat und man nur ein solides Kinoeinspiel erzielt. Für den globalen Teil ist das unerheblich und wird durch die verschiedenen Varianten eines Gedankenspiels (nicht nur dem des Verhältnisses zwischen Nord- und Südkorea, was auch immer reizt, sondern nun auch der Einmischung des Weltpolizisten Amerika, der weit von der Haustür entfernt den Staub kehrt, damit es zuhause sauber bleibt) eher noch attraktiver; zuvor hat es schon den Actionthriller Steel Rain in diese Richtung gezogen, nun gibt es hiermit die nächste logische Stufe als Potenzierung des Geschehens.
Wie auch in Terror Live ist hier Sehen und Gesehen werden (bzw. Observieren und Tarnen) und die Wahrnehmung von Blickwinkel und die Beobachtung von und durch unterschiedliche Perspektiven, und das jeweilige Erleben und Erfahren wichtig; der Film arbeitet schon eingangs mit externen Quellen des Informationsflusses und des Überflusses, und äußert sich auch in der militärischen Operation mit neuen Details, hervorgerufen und unterstützt durch ganz viele eingesetzten Kameraarten (Körperkamera, CCTV, Wärmebild, mobiles Telefon, Computerkamera usw.) und ihren -winkeln sowie den entsprechenden Stilen (aus dem Mainstream fallen als Vergleich am Ehesten noch Dinge wie Cloverfield oder Chronicles ein).
"You're gonna face the reality" wird zwischenzeitlich mitten in einer der vielen Krisensituationen ausgesprochen, erscheint schon von Beginn an die gesamte Planung reichlich desorganisiert und alle naselang Entscheidungen getroffen und wieder umgeändert; ein hektisches Gebaren, in dem einzig der erste Schusswaffeneinsatz und die Erstürmung der Leitzentrale im Überraschungsangriff klappt, und selbst die nicht so richtig. Ähnlich verhält es sich auch mit der Regie, die viele gute Ideen und Ansätze aufweist, aber auch analog zum Skript zu viel will und sich im Überfluss geradezu zerreißt und trotz viel Aufwand und Bombast zuweilen erstaunlich trocken bis spröde, aber jederzeit faszinierend ist. Es hätte ein Kammerspiel werden können und ist es teilweise auch, ebenso ein Politthriller, ein Aktionfilm, eine moralische Analogie, eine hochtechnisierte Höllenvision, ein mediales Experiment der Inszenierung als Kommentar auf den permanente Technikfortschritt und die jederzeit geforderte Digitalisierung, in der hier teilweise auf vier verschiedene Monitore geblickt und auf jedes einzelne Geschehen zur gleichen Zeit reagiert werden muss, da man die Prioritäten nicht mehr kennt und die Entscheidungen nicht mehr trifft. Bilder wechseln permanent zwischen Ich-Perspektive, Reportage-Stil, Überwachungs-Stil, während das Dauergeballer auch eher im Hintergrund dröhnt und dann noch ein Luftkampf mit China ausbricht.