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Wenn es um die Bloßstellung der gehobenen Kunstszene geht, fällt einem älteren Semester vielleicht noch eine Szene aus dem Episoden-Horror „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ ein. Hier wird Kunstkritiker Michael Gough von einer Hand verfolgt. Als er das Kunstwerk eines vermeintlich aufstrebenden Künstlers betrachtet, lobt er es in höchsten Tönen, - bis sich herausstellt, dass der Maler ein Schimpanse war. In der vorliegenden Mischung aus Kunst-Satire und Mysterythriller bleibt alles ein wenig oberflächlich, wie es in der Kunstszene oftmals üblich ist.

Josephina (Zawe Ashton) arbeitet bei der Galeristin Rhodora (Rene Russo) und betritt eines Tages die Wohnung eines Mannes, der kürzlich in ihrem Haus verstorben ist. Sie findet unzählige Kunstwerke und unterrichtet Kunstkritiker Morf (Jake Gyllenhaal), der seine Begeisterung kaum zügeln kann. Das öffentliche Interesse ist groß, doch die Werke entwickeln ein tödliches Eigenleben…

Die erste Hälfte der Erzählung widmet sich der Kunstszene mit all ihren Klischees und gängigen Attitüden. Unter den zahlreichen affektierten Figuren sticht allerdings kaum eine positiv heraus. Allenfalls John Malkovich, dessen Kreativität seit der Alkoholabstinenz leidet und dessen Ruhe einen angenehmen Gegenpol zu einigen überdrehten Charakteren darstellt.
Als ein Agent sein Atelier betritt, stolpert er fast über eine Handvoll Müllsäcke und zeigt sich sogleich begeistert über die Anordnung. Praktisch die bildliche Umsetzung für „Ist das Kunst, oder kann das weg?“, nur umgekehrt.

In der zweiten Hälfte gesellen sich vermehrt düstere Stimmungen hinzu, die in erster Linie von den durchweg morbiden Gemälden ausgehen, welche im Übrigen recht stilvoll und größtenteils einheitlich umgesetzt sind. Es folgen einige Ableben, denen leider der Biss fehlt, zumal zu keiner Zeit explizite Details auszumachen sind. Die FSK16 scheint diesbezüglich fast ein wenig hoch gegriffen. Leider wird zu wenig auf die Existenz des ominösen Malers Ventril Dease eingegangen, auch wird kaum versucht, das Mysterium der Gemälde zu ergründen, weshalb im letzten Drittel kaum eine dramaturgische Steigerung festzustellen ist, auch nicht durch drei parallel ablaufende Handlungsstränge.

Dem kleinen Staraufgebot ist diesbezüglich kein Vorwurf zu machen, speziell Gyllenhaal geht in der Rolle des bisexuellen, arroganten Kritikers voll auf und ist für leichte Situationskomik zuständig, während Rene Russo das weibliche Pendant gibt. In weiteren Rollen sind Toni Collette, Tom Sturridge und Natalia Dyer durchweg treffend besetzt.

An den Mimen und der grundsoliden Inszenierung mit einigen auffällig eleganten Szenenübergängen liegt es also nicht, dass der Funke nie so recht überspringen will.
Statt bissiger Satire kommt es nur selten zu pointierten Abläufen und obgleich jeder gegen jeden stichelt, bremsen einige Belanglosigkeiten regelmäßig den Fluss. Nicht viel besser ist es um die Mystery-Anteile bestellt, die zwar technisch gut umgesetzt sind, aufgrund ihrer Willkür und Harmlosigkeit kaum mitfiebern lassen. Kann weg.
Knapp
4 von 10

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