Review

Kein Tod, keine Kunst

Kunst kann befreien, Kunst kann zerstören,
was ist so schön an mit Glitzer bestäubten Möhren?

Durch „Nightcrawler“ war diese Netflix-Neuheit für mich gesetzt,
doch am Ende wirkt er, trotz fast zwei Stunden, schockierend gehetzt.

Über die Art-Elite, ach so fein und dekadent,
die hier Talent und Tod mit üblen Konsequenzen verkennt.

Die kraftvollen Bilder eines verstorben Künstlers fordern wortwörtlich Opfer,
klingt toll, doch diese Kreissäge ist leider ein langer Filler und Stopfer.

Oberflächlich, das passt zur Welt die er persifliert,
das weiß er selbst, recht schick und ungeniert.

Gyllenhall spielt engagiert, das Thema fühlt sich persönlich an und macht was her,
warum bleibt jedoch vor allem mein Herz dabei so leer?!

Ein Message an Kritiker sowie abgehobene Künstler zugleich,
diese samtige Säge ist an Themen recht reich.

Doch wenn man einmal dahinter ist gekommen, was Gilroy will uns hauptsächlich sagen,
bleiben für mich nicht mehr allzu viele Rätsel oder Fragen.

Einige Bilder, die Idee und Performances bleiben sicher hängen,
doch er schafft es einfach nicht sein Anliegen oder uns Zuschauer in eine Ecke zu drängen.

Horror oder zumindest fantastische Untertöne spielen eine große Rolle,
doch man wird das Gefühl nicht los, viel lieber frisiert das Werk seine glamouröse Haartolle.

Gilroy kann das besser, bissiger und mit mehr Wucht,
so trägt sein neuester Streich keine allzu ergiebige Frucht.

Ich mag seine künstliche Welt, oder besser gesagt wie er versucht diese zu zerfetzen,
doch einige Highlights hatten einfach keine Zeit sich zu setzen.

Stylisch, ja, gewillt, auch, kreativ, auf jeden,
doch einer derart weltfremden Branche, dürfte, ja müsste man es noch wesentlich fieser geben.

Weder Angst noch Spannung machten sich breit,
kein Wunder, ist doch keine einzige Figur sympathisch oder gescheit.

Doch auch als große Metapher bleibt der Film etwas auf der Strecke,
guckt verträumt und weichgespült zwei Stunden gen Decke.

Für Kritiker, Künstler und allgemein musisch Veranlagte gibt es aber immerhin Stoff zum Reden,
ich hatte nur gehofft, man traut sich selbst zu, etwas mehr zu heben.

Fazit: von der Kunst des Sterbens und der zerstörerischen Kraft der Kunst bzw. der Einbildung derer, die sich durch Kunst erhöhen und bereichern. „Velvet Buzzsaw“ ist ein sehr interessanter Genrebastard, eine BeguMi. Altmodisch und topmodern zugleich. Das nennt man wohl zeitlos. Außerdem intensiv vorgetragen von allen Darstellern, sehr ansehnlich und kreativ. Dennoch bleibt am Ende eine große Leere und überraschende Oberflächlichkeit, die zwar zum Thema passt, jedoch ganz und gar nicht positiv nachhallt. Leicht enttäuschend vom Duo Gilroy/Gyllenhall. 

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