kurz angerissen*
Die Welt, betrachtet aus der Perspektive des Kunstwerks, muss ein grauenvoller Ort sein. Tausend Augen richten sich in einem sterilen Raum auf dich und werfen dir Blicke zu, die wahlweise abschätzig, fragend oder angewidert sein können. Beinahe, als würdest du auf einem Seziertisch in einem UFO liegen und wärst einem Alien ausgeliefert, das deine Anatomie studiert. Bevor es dich lustlos frisst und sich dem nächsten Objekt widmet.
Dan Gilroy dreht den Spieß um und erlaubt die Erwiderung der bohrenden Blicke. Jetzt soll es die Kunst sein, die den Kritiker verschlingt. Um das zu erreichen, muss sich der Writer-Director weiter in die Satire hinein wagen als bei seinem viel beachteten Regiedebüt „Nightcrawler“. Es gilt schriller zu werden, karikaturistischer, übertriebener. Auch der magische Schritt durch den Spiegel in die Phantastik wird in gewisser Weise verlangt. Also plündert Gilroy seinen Werkzeugkasten und bringt verlaufene Farben zutage, mit der sich Realität (oder: Objektivität) und Wahnsinn (oder Subjektivität) vermischen.
Vor allem Jake Gyllenhaal, der in „Nightcrawler“ noch eine der wenigen gelungenen Varianten des Method Acting präsentierte, bekommt die Lizenz zum „Freak Out“ erteilt und lässt auch gleich mal schön die Murmel rollen. Gemeinsam mit Toni Collette darf er einen besonders schrägen Moment der spontanen Lach-Hysterie zum Besten geben. Ansonsten bleibt seine Performance allerdings seltsam gebremst. Wenn man schon alle Klischees des metrosexuellen, empathielosen Kritiker-Arschlochs zusammentrommelt, dann sollte man darin doch auch bitte völlig aufgehen; ansonsten wirkt es wie im vorliegenden Fall nämlich wie ein billiges Vorurteil. Ein Kritikpunkt, der im abgeschwächten Maß auch für alle anderen Akteure gilt, die sich allesamt ebenso dem Bild gemäß verhalten, dass man aus der Ferne von der Kunstszene in LA haben könnte.
Und leider ist die lauwarme Schauspielführung kein Einzelfall. Den Horror inszeniert Gilroy genauso halbgar, beinahe als fühle er sich nicht so recht wohl dabei, den übernatürlichen Elementen wirklich den Zugang zu seiner Arbeit zu gewähren. Ganz allgemein wirkt der Berührungspunkt zwischen Szeneportrait und metaphorischer Verkleidung unnötig zaghaft. Dabei sind die zugrunde liegenden Ideen oft durchaus originell geraten. Es gibt ein paar tolle Einstellungen zu bestaunen und wirklich ironisch ausgeführte Todesszenen in den unmöglichsten Konstellationen werden realisiert.
Wäre das alles doch bloß nicht so ganz ohne jedes Selbstbewusstsein umgesetzt. Gilroy soll sich gerne wieder an derartigen Stoffen probieren, unterhaltsamer als „Roman J. Israel, Esq.“ klingt so etwas allemal. Dann aber doch auch mal bitte so richtig tief in die Gülle greifen. Niemals sollte man sich zu schade sein, auch bei den Meistern des Trash noch etwas zu lernen.