Review
von Leimbacher-Mario
Ghettogähngster
„We Die Young“ wäre wohl gerne eine gelungene Mischung aus Van Damme-Spätwerk und Ghettodrama a la „Boyz N The Hood“ oder „Sin Nombre“ inklusive Latinowurzeln. Aber durch eine Inszenierung mit massiven Schwächen, wackeligster Kamera, einigen Längen + Wiederholungen und lächerlich-nichtssagenden Figuren geht diese Rechnung nie ganz auf... Wir folgen einem jungen Mitglied der größten und brutalsten Strassengang der eher unbekannten Außenbezirke von Washington D.C. Doch als er verhindern will, dass sein kleiner Bruder dieser Organisation mit südamerikanischen Wurzeln ebenfalls beitritt, gelingt ihm die Flucht nur dank einem seiner Drogenkunden - JCVD als wortwörtlich sprachloser Kriegsveteran, der in Afghanistan eine Halsverletzung erlitten hat, seitdem keine Stimme mehr hat, verknitterter denn je aus der Wäsche blickt und massiv abhängig von Schmerzmitteln ist...
Wer altmodische und handharte Van Damme-Action erwartet, ist bei „We Die Young“ an der völlig falschen Adresse. Aber das muss ja nicht direkt bedeuten, dass es sich bei dem Thriller um einen schlechten Film handelt. Tut es auch nicht. Um einen guten aber leider mindestens genauso wenig... Van Damme darf/kann nicht reden - das war zwar noch nie seine Stärke, aber dennoch fordert ihm ein solcher Charakterzug natürlich mehr Schauspiel ab als üblich. Das macht er durch ein schnarchiges Drehbuch nicht spektakulär, aber fast schon immerhin routiniert. Zudem verkörpert der aus Netflix' „Umbrella Academy“ bekannte David „Diego“ Castaneda den ganzkörpertattoowierten Gangsterboss mit Charisma und Härte. Dann werden die Pluspunkte aber schon arg rar. Das ein oder andere Reggeaton-/Rap-Lied kann sich alleinstehend noch hören lassen, die Vibes der Straße kommen gut rüber und das bleihaltige Finale kommt endlich mal zu Potte. Doch bis dahin ist das ein harter, steiniger, zäher und oft sogar lächerlicher bis ärgerlicher Weg gepflastert mit zwei blassen Jungdarstellern, mehr Songs wie in einem Musikvideo, idiotischsten Voice Over-Erklärungen, einer nicht enden wollenden Hochzeit (soll das etwa an „Der Pate“ erinnern?!) und einer hektischen Schnittart, bei der man dauernd meint, gleich springt Liam Neeson über einen Zaun. Nett gemeint für/mit/von Van Damme - aber höchst fragwürdig und schlapp umgesetzt. Leider. Ansätze und Ideen waren da. Insgesamt blass.
Fazit: kein Van Damme-Klopper, eher ein Ghettogangsterdrama. Aber auch da beißt er mehr ab, als er kauen kann. „We Die Young“ lässt einen nicht sprachlos zurück wie Van Dammes Charakter hier - aber großartig über ihn erzählen wird auch keiner.