Der spanische Geschäftsmann Germán (Julián Villagrán) ist ein gestresster Workaholic, der wegen seines Berufes seine Familie vernachlässigt. Am Geburtstag seiner kleinen Tochter weilt er viele hundert Kilometer entfernt auf irgendeiner Tagung und wird es auch abends nicht mehr rechtzeitig schaffen nach Hause zu kommen - seine Ehefrau muß die Kleine mit Ausreden über den ausgebliebenen Papa ins Bett bringen. Sein schlechtes Gewissen bringt Germán dann aber dazu, daß er es zumindest versuchen will, mit einer Nachtfahrt doch noch nach Hause zu kommen. Den Rat einer Polizeistreife, die den übermüdeten Germán zur dringend benötigten Nachtruhe auf einer Autobahnraststätte überreden will, ignoriert er einfach und fährt trotzdem weiter. Irgendwann überkommt ihn der berüchtigte Sekundenschlaf und er erwacht erst wieder, als er auf einer Landstrasse ein Hindernis angefahren zu haben scheint - sicher ist er sich aber nicht. Dennoch steigt er aus und entdeckt ein schwer verletztes Mädchen am Strassenrand. In einer Mischung aus Halbschlaf und Aktionismus bettet er die Verletzte auf seine Rückbank, um sie ins Krankenhaus zu fahren, als plötzlich deren Freundin Silvia (Ester Expósito) auftaucht, die sich die Szene, die sich ihr da bietet, gar nicht erklären kann...
Trotz eines an sich interessanten Themas - ein Allerweltsmensch in einer Alltagssituation gerät fast aus dem Nichts heraus in eine lebensbedrohliche Abwärtsspirale - sind Regisseur Gonzalo Bendala anscheinend die nötigen Ideen ausgegangen, um seinen spanischen Thriller nach dem zwischenzeitlichen kurzen Schock auf der Landstrasse noch einigermaßen spannend zu gestalten. Denn was die ebenfalls im Kopf nicht ganz klare Silvia aus der Situation und Germáns Erklärungen folgert, ist recht eindimensional und so setzt ein vorhersehbares Katz-und-Maus-Spiel ein, das sich überdies ständig wiederholt und die Handlung nicht wirklich weiterbringt. Während man mit Germán zumindest am Anfang ein klein wenig mitfühlen kann (später werden seine Handlungen zunehmend irrationaler) erweist sich Silvia schnell als nervtötender Schreihals, der vollkommen beratungsresistent seine vorgefasste Meinung pflegt und vertieft, dieser jedoch (trotz Ankündigung) keinerlei Taten folgen läßt. Weiters verhalten sich alle Beteiligten zwar nicht immer, aber doch teilweise etwas unlogisch - somit wird When Angels Sleep leider alsbald ziemlich langweilig, was auch daran liegt, daß die wenigen Darsteller relativ isoliert agieren. Ansätze für auflockernde Subplots wären vorhanden, werden aber nicht weiterverfolgt: Die beiden jungen Kokser, in deren Auto Silvia und ihre Freundin zuvor gesessen hatten und die sich mit der Polizei anlegen, oder auch der überaus hilfsbereite Nachbar, der Germáns Frau zuerst hilft und sie bei seinem späteren Auftauchen, als das Kind im Bett ist, küsst (was diese zunächst zuläßt und was somit auf ein Verhältnis der beiden hindeutet). Aber all dies, auch Silvias angedeutete Probleme pubertärer Art mit ihren Eltern spielen keine weitere Rolle. Der Filmtitel ist übrigens von einer - ebenfalls beiläufig - geäußerten Frage von Germáns Tochter hergeleitet, die ihre Mama fragt, wer auf Engel aufpasst, wenn diese schlafen...
Am Ende "gewinnt" dann eine der beiden Seiten, was angesichts der zahlreichen Spuren, die diese Nacht an Personen, Fahrzeugen etc. hinterlassen hat, nicht sonderlich glaubwürdig ausfällt (vor allem im Hinblick auf den zuvor gezeigten "Durchhaltewillen" der Protagonisten, um es spoilerfrei auszudrücken); auf den letzten Metern(!) Film wird dann die weitere Entwicklung der Geschichte genau ein Jahr später gezeigt und diese fällt schlicht unglaubwürdig aus, ist davon abgesehen auch viel zu kurz geraten und beschert dem ohnehin schwachen Film somit endgültig eine weniger gute Wertung. 4 Punkte.