Review

Seit 21.12.18 ist der 68-minütige Retroactioner COMMANDO NINJA online und hat gerade mal 134.000 Aufrufe. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr an die genauen Zahlen des KUNG FURY Hypes erinnern, aber müsste so ein am Zahn der Zeit schabendes Spaßvehikel nicht längst im Millionenbereich viral gegangen sein? Nun, ein lachendes und ein weinendes Auge lassen mich grübeln. Zunächst: COMMANDO NINJA hat sogar kleine Details wie ein Garfield-Telefon und einen Sport-Almanach im zeitreisenden Fahrzeug. Im Grunde ist es eine recht akkurat recherchierte Parade an Impressionen, die sich sehr am Look und Feel von zumeist 80er Action einschließlich Ninjas, Predator-Effekten und Raptoren orientieren und auch verdammt authentisch wirken würden, wären sie nicht das Quentchen Camp zu überspielt. EIn grober roter Faden ist nur wenig, um die wilde Aneinanderreihung von fragmentarischen Bombetten zu verknüpfen und so ist einerseits genug Stoff für die geraffte Laufzeit da - mehr als ein Godfrey Ho je an Schauwerten zusammen bekommen hätte, jedoch wirkt es andererseits mehr wie eine Cumshot Parade, also ein Showreel des Möglichen, während der themenverwandte KUNG FURY seinerseits ein äußerst dichtes Feuerwerk bot, welches zwar gleichermaßen wie ein feuchter Traum eines buchstäblichen Retro-Fans wirkte, jedoch aus dem Hirn eines Spätgeborenen jede Menge Lücken durch eigene Phantasie zu einer quasi eigenen Kunstwelt morphen ließ, deren Kohärenz Benjamin Combes in seinem COMMANDO NINJA einfach nachhinkt. Die Folge ist ein erster Blick auf den Timer nach unter 20 Minuten und obwohl frische Ideen den Fluß immer wiederbeleben, kommt eben nie eine Dramaturgie auf, zu der ich mitfiebern kann. Gelinde gesagt lässt es sich mit dem Feuertaumel eines AVENGERS-Eventmovies vergleichen, der zwar konsequent prasselt, aber gerade dadurch an mir vorüber zieht. COMMANDO NINJA ist auf gewisse Art toll, vor allem darin zu zeigen, was eben auch heute noch möglich wäre, wenn man die nötige Liebe zur Ästhetik der 80er mitbringt, wobei auch die Darstellung des Körpers nicht ausgeklammert ist. Obschon die Frauen hier formschön in Szene gesetzt werden, fehlt es allerdings den männlichen Darstellern dabei an Muskelmasse. Der Protagonist erinnert stellenweise eher schon an einen Jack Black, was das eigentlich ambitioniert erscheinende Projekt etwas untergräbt. Es ist schon merkwürdig, denn wo manch Kultklassiker aus der alten Zeit eher an Schauwerten sparsam schien und so mit viel Nonsens, vielleicht sogar aus einem zweiten Film gemopst, auf seine 80 Minuten kommen müsste, hätte COMMANDO NINJA; der weitestgehend auch mit toller Musik punkten kann, von ein paar mehr erklärenden Ruhepolen profitiert, vor allem auch, um die teils wirklich großartigen Actionszenen komplementierend in eine wirksamere Spannungskurve einzubinden. Konsequenterweise endet die Story, nachdem es ohnehin immer konfuser wurde, als hätte man die Notbremse gezogen. Das ist der bittere Beigeschmack eines Films, der ansonsten fast so toll ist, wie mein Plan als 12-jähriger, irgendwann mal genügend Filme zu besitzen, um die feistesten Szenen zu grober Musik als eine Best-Of-Parade zusammen zu schneiden. Vielversprechend, aber doch unbefriedigend, vielleicht eben auch doch wieder daran gescheitert, daß Retro nicht das Original ist.

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