Start einer ursprünglich geplanten, noch nicht in den Vollzug gesetzten Trilogie seitens der Macher der entsprechenden dreiteiligen Overheard - Reihe (2009 / 2011 / 2014), hier auch mit teils gleichen Darstellern und einem ähnlichen Thema, quasi also als Art 'Overheard 4' nur eben nicht dem Namen nach gesetzt. Ob sich tatsächlich weitere Fortsetzungen ergeben, liegt (natürlich) im Entschluss der Produzenten, wurde anders als zuvor nämlich kein herausragendes Kinoeinspiel gerade in China erreicht und dort mit etwa 17 Mio. USD keine Zahlen erwirtschaftet, die unbedingt für eine weiteres Prozedere sprechen und automatisch Fortsetzungen generieren. Immerhin, und das muss man zugutehalten, wurde das in etwa geschätzte Budget von knapp unter 13 Mio. USD zum Teil ausgerechnet oder doch eher erfreulicherweise in HK selber wieder re-finanziert, ist man dort derzeit mit einem Zugewinn von 4 Mio. USD mit Abstand der lokale Spitzenreiter und hat man dort wohl den Nerv der Zeit getroffen und das Publikum eventuell und hoffentlich beglückt. [Project Gutenberg hat ein Jahr zuvor in HK ein selbiges Endziel erreicht, ist dafür in der Volksrepublik fast zehnmal so erfolgreich gewesen; um mal die Relationen vorzugeben.]:
Der im Auftrag von Ma Yuk-Man [ Alex Fong ] vom ICAC (=Independent Commission Against Corruption) initiierte Gerichtsprozess gegen eine Zigarettencompany wegen Bestechung und Steuerhinterziehung scheint mitten in der heißen Phase zu platzen. Der früher für die Firma tätige Buchhalter und Whistleblower Jack Hui [ Nick Cheung ] hat sich nach Australien abgesetzt, und der erste Angeklagte, der Firmentycoon Chan Chiu Kwan [ Lam Wai ] ist ebenso zur Fahndung ausgeschrieben, einzig die zweite Angeklagte Cheung Ka-Ling [ Anita Yuen ] vom Zoll ist noch vor Ort. Der Chief Inspector King Chan [ Lau Ching-Wan ] bekommt eine Frist von 1 Woche gestellt, um für Rückholung der Verschwundenen oder andere und mehr Beweise zu sorgen. Seine (von ihm getrennt lebende) Frau und Kollegin Shirley Kong [ Karena Lam ] reist nach Sydney, während King mitsamt seinem jungen Partner Gary [ Carlos Chan ] auf eigene Nachforschungen geht und sich erstmal an den Anwalt Lui Wai-Lung [ Felix Lok ] wendet, um dessen Klientin Cheung Ka-Ling 'umzudrehen'.
Dabei sieht der Film von Beginn an und durchweg schon so aus, wie man das mittlerweile von Regisseur und Autor Alan Mak erwartet und wie das auch in anderen ähnlichen Produktionen wirkt, um mal die Saga von Z Storm bis hin zu P Storm von Kollege David Lam anzusprechen, der sich ebenfalls mit mehr Erlösen an den Kinokassen um derartige Themen (und das erstaunlicherweise auch mindestens genauso gut wie hier) bemüht. Soll heißen, dass die Bildgestaltung edel bis fast steif ist, die Farben gedämpft bis empfindlich auf Kältetemperatur heruntergedreht, leicht künstlich bis steril wirkend und im Leben und der Existenz eher antiklimatisiert. Die Anzüge schick, die Frisuren fest, der Gang gerade und wie auch das gesprochene Wort einstudiert; ein schon auf Wirkung prononciertes Wesen, dem etwas mehr Eigensinn guttun würde, mehr Leben und Interesse vor allem und mehr Abweichungen von der Perfektion, die von vornherein angestrebt wird.
Ein Gerichtssaal in Nebelschwaden und Rauch als das Motiv der Titelsequenz, ein sicherlich erkennbarer Raum, dessen Details aber unscharf sind und Ahnungen und Vermutungen ebenso zulassen wie Unsicherheiten und Unvertrauen. Korruption und die Gier nach mehr und dem Gewinn und dem Wahren des eigenen Bestandes selbst und bald wie selbstverständlich auch mit kriminellen Mitteln als der große Rahmen der Geschichte. Erzählt wird das mit einer Fristsetzung, knappe sieben Tage Zeit hat man, bevor der schon im Gang befindliche und derzeit aufgeschobene Gerichtsprozess sein schnelles Ende findet, sind doch außer dem Ankläger und den Verteidigern alle sonstige Personen bereits auf der Flucht und weg. Überhaupt startet man mittig in der Handlung, nutzt Mak dies allerdings als schnellen Einstieg und reichlich Tempo trotz des hauptsächlichen Augenmerk auf Dialogszenen, einigen wenigen privaten und vielen beruflichen bis bürokratischen Einblicken, auf Verhandlungen, Anordnungen und Aktenwühlen; auf eher trockenes und letztlich auch viel zu sprödes Material also, auch seitens der Darsteller oftmals belanglos gespielt, was durch eine reduzierte und pointierte Inszenierung und einige frühe verbale Drohungen und böse Omen wie "Someone will get killed." oder "Blood will be shed before this is over." zumindest anfänglich aber dennoch gewinnt.
Immerhin, und dies die zweite und auch schon die letzte gute Nachricht: im derzeit weiter anhaltenden und auch so bleibenden 'Stillstand' des einheimischen Kinos – im Vergleich zu den Neunzigern oder auch zu den Nullerjahren – ist für die übergebliebenen Liebhaber die Besetzung hier genauso erfreulich wie die Thematik selber und das Setting; derlei größere Produktionen sind aktuell an einer Hand abzuzählen und Genreware bei den Zuschauern umso begehrter und jederzeit einen Blick zu empfehlen. Leider nur wird sich hier im zweiten Hauptstrang auf die emotional defekte Noch-Ehe zwischen dem Chief Inspector und seiner nach Australien gesandten Frau Kong versteift; eine Beziehung, die ähnlich kaputt ist wie die Schreibweise dieser Partnerschaft, die keine ist, und einem Frauen- und Männerbild von gestern folgt und scheinbar auch noch stolz darauf ist. Auch der Rest des Verschwörungsplot ergibt keinen Sinn, verliert sich in Finten seitens der Filmemacher, die mehr Antäuschen und mehr Verknoten, als sie auflösen; ein gutaussehendes Hokuspokus, dem mehr Ehrlichkeit gut getan hätte, mehr Engagement und mehr Substanz.