Review

Terroristen überfallen aus Pakistan kommend ein indisches Militärcamp bei Uri und töten eine Menge Soldaten, bevor sie selbst getötet werden. Wenige Tage später schlägt Indien mit einem präzise geplanten Angriff gegen 8 Terroristencamps in Pakistan zurück.


Ich hab nun wahrlich noch nicht viele indische Filme gesehen, da die zumeist viel Musik und Tanzszenen enthalten. Ist nicht so meins, obwohl die Choreografien und Farben schon schick sind.

Das können sie.

Im vorliegenden Fall haben sie darauf verzichtet und einen knallharten, straighten, auf einer wahren Begebenheit beruhenden Military-Actioner hingelegt, der sich wahrlich sehen lassen kann.


Es geht schonmal mit der perfekten Besetzung los, denn Hauptdarsteller Vicky Kaushal wirkt wie ein indischer Gerard Butler, hart, kernig aber ungemein sympathisch und bodenständig. Letzteres wird vor allem durch den privaten Handlungsstrang um die demente Mutter deutlich, der rührend, aber nicht rührselig ist.

Und in dem Stil macht Regisseur und Autor Aditya Dhar weiter und nahezu alles richtig. Die Story ist klar. Anschläge der Terroristen, Wut, Planung, Gegenschlag. Und drum herum menschelt es ein bisschen, bei einer Beerdigung oder wenn die Mutter aus dem Haus verschwindet, aber auch das ist nie überzogen, sondern in gut kalkuliertem Maß passend.

Nur die Figurenzeichnung der anderen Charaktere hätte etwas mehr Aufmerksamkeit vertragen können. Ist aber für mich kein größeres Manko. Auch die beiden Hauptziele der Terroristen hätten etwas mehr Tiefe vertragen können.


Das Pacing erscheint top, ist der überlange Film mit seinen 137 Minuten (After-Credit-Szene inklusive) doch zu keiner Zeit zu lang, keine Szene wirkt zu viel oder zu stark ausgewalzt. Und btw, die Titeleinblendung kommt erst nach 38 (!!) Minuten.

Top sind für mich aber auch die technischen Details des Films. Die Kameraführung ist weitgehend gelungen. Die Terroristen sind zwar fast alle gesichtslos, tauchen auf und fallen, dennoch wirken die Kämpfe übersichtlich und nicht konfus.

Die Kämpfe sind wie der Rest des Films exzellent inszeniert und im Fall von Nahkämpfen scheinen die Darsteller ohne Doubles ausgekommen zu sein, aber da mag ich mich auch gern korrigieren lassen, falls ich mich irren sollte. Jedenfalls haben Hand-to-hand-Fights ordentlich Schmackes, wirken wuchtig und dynamisch.


Und der Score ist tatsächlich einer der besten, die ich in letzter Zeit den Genuss hatte, zu hören. Er ist gefühlvoll, wenn es angemessen ist und treibt druckvoll an, wenn an der Spannungsschraube gedreht wird. Zudem schafft es der Komponist einige Songs geschickt ins Geschehen einzubauen, dass eine Symbiose zwischen Musik und Bildern entsteht, fast als wären es Tanzszenen, nur ohne Tanz. Bei dem End-Credit-Song hätte ich übrigens gern eine 80-Mann-Commando-Truppe tanzen gesehen. :)


Und noch ein Wort zum Patriotismus. Natürlich gibt es den hier auch, wäre bei der Story anders auch gar nicht möglich. Allerdings übertreibt es der sichtlich hochbudgetierte Film damit nicht. Es gibt auch nur eine gut verdauliche Menge Pathos, ganz anders als so oft in amerikanischen Filmen. Sehr angenehm.


Ich überlege, aber ich hab an dem Militär-Actioner einfach nicht viel zu bekritteln. Kurzweil, Spannung, gute Action, audiovisuell top. Klasse.

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