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Die Medal of Honor, die höchste militärische Auszeichnung der US-Regierung wurde bislang rund 3500 mal verliehen. Beinahe erscheint es müßig, sich einen dieser Kandidaten herauszusuchen, auf dessen Taten jene Ehrung beruht, - wenn es sich nicht um den eher seltenen Fall eines Fallschirmsanitäters der Air Force handeln würde.

Im April 1966 rettet der Sanitäter William Pitsenbarger unter Einsatz des eigenen Lebens ihm fremde Soldaten während einer schier ausweglosen Mission in Vietnam, was seinerzeit nur mit der zweithöchsten Ehrenmedaille bedacht wurde. Im September 1999 soll der Pentagonbeamte Scott (Sebastian Stan) prüfen, was es mit dem vermeintlichen Irrtum auf sich hat, indem er sich an entsprechende Kriegsveteranen wendet…

Autor und Regisseur Todd Robinson verknüpft mit seinem Kriegsdrama zwei Ebenen, indem er die Vorgänge im Dschungel, eingekesselt vom Feind aus der jeweiligen Perspektive des Überlebenden erzählt, während Scott diverse Zeitzeugen abklappert. Der Regierungsbeamte ist dabei das eher uninteressante Bindeglied, während es einige Zeit benötigt, die einstigen Soldaten mit den Gesichtern von heute zu verknüpfen, um daraus ein halbwegs rundes Bild zu erhalten.

Obgleich die Action teils wuchtig und krachend inszeniert ist, steht sie beileibe nicht im Vordergrund, sondern bildet nur einen minimalen Part. Deutlich mehr Aufmerksamkeit legt Robinson auf die Kriegsveteranen, wobei er sich völlig zurecht auf eine beachtliche Starbesetzung verlassen kann.

Denn John Savage, Samuel L. Jackson, William Hurt, Ed Harris und Peter Fonda (in seiner letzten Rolle) bringen geballtes Charisma, viel Ausdruck und die entsprechende Lebenserfahrung mit, um traumatisierte Charaktere auf den Punkt zu verkörpern. Zudem finden sich mit Christopher Plummer und Diane Ladd zwei altehrwürdige Mimen, welche die Eltern des Kriegshelden überzeugend verkörpern. Bei alledem fällt Sebastian Stan um Klassen ab, sein Regierungsbeamter liefert allerdings auch nur wenig Raum für Facetten.

Nach diversen Recherchen und überwiegend ruhigen Gesprächen, die sich mit kurzen Ausflügen zu Kriegseinsätzen abwechseln, kommt man im Verlauf einer möglichen Verschwörungstheorie auf die Spur, was für das Finale wiederum völlig ohne Belang ist, denn hier wird Pathos in Reinform zelebriert, einschließlich eines Scores, der bereits im Vorfeld massiv die emotionale Ebene zu triggern versucht.

Unterm Strich hält sich die Spannung in Grenzen, der Zugang zu den Details der Kriegsgefechte benötigt aufgrund zweier Erzählebenen eine ganze Weile, während die eigentliche Figur des Kriegshelden relativ austauschbar erscheint. Dennoch ein vor allem grundsolide performtes Kriegsdrama mit vielen bekannten Gesichtern und passablem Handwerk, das trotz zu dick aufgetragener Gefühlsduselei glaubhaft zu untermauern vermag, warum Taten bestimmter Einsatzkräfte einer Ehrung würdig sind.
6 von 10

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