Eigentlich ist Sam Carlson (Noomi Rapace) ein auf schwierige Fälle spezialisierter weiblicher Bodyguard, und so lehnt sie den neuen Auftrag, eine junge erwachsene Millionenerbin auf einer simplen Reise zu eskortieren, zunächst auch ab. Dann jedoch sagt sie ihrem langjährigen Kollegen zuliebe - der ihr den Job zugeschanzt hat - doch noch zu und darf sich alsbald mit der rebellischen, wenig sympathischen jungen Zoe (Sophie Nélisse) auseinandersetzen. Kaum ist man am Zielort, einem splendiden Wohnkomplex in der marokkanischen Wüste - selbstverständlich mit dem neuesten technischen Sicherheits-Schnickschnack ausgestattet - angekommen, macht sich auch schon ein Killerkommando bemerkbar, das Zoe zu entführen beabsichtigt. Doch die schwerbewaffneten Gangster sind noch nicht einmal das größte Problem, denn schnell ist die Polizei vor Ort und bringt die beiden Frauen ins nahe Casablanca - allerdings nicht ins Präsidium, sondern ganz woanders hin, wie die mißtrauische Sam schnell bemerkt. Nach einer kurzen Kampfeinlage inklusive totem Polizisten ist das ungleiche Duo dann zu Fuß auf der Flucht - vor den Gangstern wie auch vor der Polizei...
Unter dem Allerweltstitel Close hat Regisseurin Vicky Jewson einen ganz auf die agile Schwedin abgestimmten Actioner abgedreht, in dem Noomi Rapace wie schon in Unlocked (2017) Kampfqualitäten mit einem privat eher tragischen Background vereinen darf. Dass die Geschichte trotzdem nicht sonderlich zu begeistern vermag, liegt an einem wenig ausgefeilten Drehbuch, das die Hauptdarstellerin zwar gekonnt in Szene setzt, sämtliche Nebenfiguren jedoch weitgehend vernachlässigt und darüberhinaus ohne Plot Twist überraschungsarm auf ein zu erwartendes Ende hinsteuert.
Dabei ist es für den geneigten Genre-Freund noch nicht einmal von Belang, daß Close dem Zeitgeist entsprechend ein weibliches Action-Duo aufbaut und sämtliche mitspielenden männlichen Charaktäre außer einem (der als ehemaliger Lover dann per Kopfschuß sang- und klanglos entsorgt wird) nur stumpfsinnige, meist korrupte Gesellen sind, die bestenfalls als Kanonenfutter taugen - viel ärgerlicher ist es, daß jene, die ganze Handlung überlagernde Frage nach der Rolle von Zoes Stiefmutter in der Affäre erst ganz zum Schluß und dann auch noch sehr unbefriedigend beantwortet wird. Denn Rima Hassine (Indira Varma), eine knallharten Geschäftsfrau und CEO der gleichnamigen Firma, ist von Anfang an gegen die unerwartete Erbschaft ihrer Stieftochter, mit der sie sich nie so recht verstanden hat und deren Erbteil sie daher anfechten lassen will. Diese Rima, die ebenso überzeugend wie selbstsicher auftritt, ist der eigentlich interessanteste Charakter des ganzen Films - leider reicht die (zu) wenige Screentime nicht aus, diesem Umstand Rechnung zu tragen. Auf die unreife Blondine Zoe, die neben Rapace recht unvermittelt und daher wenig überzeugend gewisse Nahkampfqualitäten entwickelt, hätte man dagegen gerne verzichten oder sie mit jemand anderem besetzen können, denn Sophie Nélisse taugt zu keinem Zeitpunkt als Sympathieträgerin.
So kickboxt sich Rapace dann durch den Film, steckt auch selbst einiges weg, schafft es dabei stets, ihren Schützling aus der Schußlinie zu halten und entwickelt nebenbei auch noch ein Helfersyndrom für die Millionenerbin, als der Auftrag längst beendet ist.
Neben einigen ordentlich choreographierten Prügeleien inklusive einer Unterwasser-Kampfszene bleiben vielleicht noch die versteckten Selbstschußanlagen nebst automatisch schließenden Türen im luxuriösen Feriendomizil kurz im Gedächtnis, während aus der Location selbst - außer ein paar kurzen Perspektiven des Hafens und der Wüste gibt es nichts - zu wenig gemacht wird. Kann man sich durchaus ansehen, reißt einen aber nicht vom Hocker: 6 Punkte.