Es gibt gute Gründe, warum der deutsche Film oftmals als verquast, distanziert und unterkühlt angesehen wird. Autorin und Regisseurin Angela Schanelec liefert gleich ein 105 Minuten lang andauerndes Argument, bei dem der ausbaufähige Titel noch das Beste ist.
Berlin: Phillip, der dreizehnjährige Sohn der allein erziehenden Mutter und Witwe Astrid (Maren Eggert) war eine Woche lang spurlos verschwunden. Alles scheint wieder normal, doch Phillip hat sich eine Blutvergiftung zugezogen…
Den Anfang machen ein Hund auf der Jagd und ein Esel, der sich von innen einem Fenster nähert. Im Nachhinein betrachtet die beste Szene, weil sie ohne die furchtbar künstlichen Kommunikationen des Arthouse-Dramas auskommt. Wobei der Gruppe von Schülern, die zwischenzeitlich für Shakespeares „Hamlet“ üben, kein Vorwurf zu machen ist, - schließlich lassen sich die großen Gefühle erst ab einer gewissen Reife glaubwürdig vermitteln, wodurch die monotonen Intonationen verzeihlich sind.
Distanz, mangelnder Kontext, Fragmente mit minutenlang verharrender Kamera aus einiger Entfernung, - das ist das Konzept der Aneinanderreihung diverser Momentaufnahmen, die fast alle das Leitthema verhunzter Kommunikation beinhalten. Dazu gesellen sich negative Gemütszustände, was sich primär bei Astrid bemerkbar macht, die als sichtlich überforderte Mutter mit jeder Szene unsympathischer wird.
Die bemühte Langsamkeit, das endlose Verharren und dazu weltfremde Dialoge, unnatürlich steife Körperhaltungen, von Menschen, die wie von Aliens geleitete Fremdkörper wirken.
Was es mit dem Verschwinden des Sohnes letztlich auf sich hatte, wird ebenso wenig erläutert wie der Wunsch nach Einsamkeit der in einer Beziehung stehenden Frau, die schlichtweg kein Kind will, dies jedoch völlig abgehoben und weltfremd erläutert.
Natürlich erhält auch dieses junge Paar keinen Kontext, - Hauptsache, es wird minutenlang um den heißen Brei herumgelabert.
Die Antihandlung erfährt folgerichtig keine Pointe, vielmehr wirkt die Abfolge inhaltsloser Szenen zuweilen beinahe schon arrogant. Wie ein Stillleben, bei dem sich ein jeweiliges Geheimnis versteckt hält, welches allerdings nur die Autorin sehen kann.
Das mag man als große Kunst abfeiern, - man kann es der Einfachheit halber aber auch als pseudointellektuellen Käse abtun.
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