Wie darf man sich denn 2.0 in Sachen Exorzismus vorstellen? Als Studentenjob „Yo, Dämon, zieh Leine Digger“ - „Gut, ich bin dann mal weg“ oder per Home Office? Nicht mehr ganz so nah am Klassiker von William Friedkin von 1973 und gerade deshalb haucht der Streifen von Regisseur Damien LeVeck dem Subgenre ein wenig frischen Wind ein.
Max (Ryan Guzman) und Drew (Kyle Gallner) produzieren seit einiger Zeit eine Streaming-Show, in der Max als Priester Teufelsaustreibungen vornimmt. Natürlich gefaked. Als Drews Freundin Lane (Alix Angelis) die Besessene spielen soll, fährt tatsächlich ein Dämon in die junge Frau…
Das beinahe kammerspielartige Treiben lässt sich nicht lange bitten und dreht nach obligatorischer Einführung des überschaubaren Figurengeflechts ordentlich auf. Zwischendurch wechselt man zu weltweiten Betrachtern wie zwei Polizisten in Korea, in eine Bar oder zu einer pikfeinen Familie, deren Sohn das Geschehen am Tablet verfolgt, während der Rand des Bildschirms zuweilen von Kommentaren gespickt ist. Der Kern findet jedoch im Fernsehstudio mit dreieinhalb Charakteren statt.
Dominieren anfangs noch zynischer Humor mit leichtem Augenzwinkern und ironische Kritik in Richtung social media, so schlägt der Stoff in der zweiten Hälfte oft garstige Töne an und erhält zwischenzeitlich die deutlichen Merkmale eines Psychothrillers. Wobei die Haltung der Besessenen immer mal wieder Anlass zum Schmunzeln gibt.
Die wenigen Gewalteinlagen rechtfertigen durchaus eine FSK18, während das Make-up mindestens zweckdienlich ausfällt. Auch die Spezialeffekte bleiben überschaubar, speziell einige Dämonen sind recht stilsicher in Szene gesetzt. Darstellerisch befinden sich die drei Hauptakteure auf einem guten Level, vor allem performt niemand drüber, wie es in diesem Subgenre oft und gerne der Fall ist.
Gegen Ende nimmt die Geschichte recht garstige Züge an, die Schlusspointe fällt herrlich boshaft aus und wertet das Gesamtbild nochmal auf. Letztlich gab es in der Vergangenheit genügend Exorzismusfilme, die sich zahlreichen Klischees und überaus konventionellen Abläufen hingaben. Hier hingegen werden ein paar kleine Wendungen platziert und der Humor zündet ebenso wie die angenehm zügige Erzählweise ohne Leerlauf.
Knapp
7 von 10