Review
von Leimbacher-Mario
Im Hashtagzeichen des Bösen
Kaum eine Schublade des Horrorgenres quietscht und klemmt und nervt mehr als der „Exorzismusfilm“. „The Cleansing Hour“ schafft es dennoch toll diese Gruben und Gewohnheiten zu umschiffen. Intelligent und anders, auf der Höhe der Zeit, augenzwinkernd und doch hart, fies, gemein genug. Erzählt wird von einem egomanischen und scheinheiligen Internetpriester, der auf seinem marktschreierischen Kanal die Welt mit gefälschten Exorzismen unterhält und erobern will. Bis nun eine dämonische Austreibung gänzlich schief geht und wirklich eine teuflische Entität das Set übernimmt…
„The Cleansing Hour“ aka „Exorzismus 2.0“ (ausnahmsweise mal gar kein völlig verkehrter deutscher Titel) stellt die Regeln und Gepflogenheiten seines Subgenres nicht gänzlich auf den Kopf. Doch in seiner Mischung aus Monster-/Dämonenhorror ohne Kompromisse, augenzwinkernder Influencerverteufelung, Kirchenkritik und emotionaler Freundesgeschichte hat er mich exzellent unterhalten. Richtig positiv überrascht. Keine Fake Outs, keine Gimmicks, nicht nur Jumpscares, keine platten Wendungen. Alles durchdacht, grimmig und gut. Ideal für und gegen den Zeitgeist. Mit Ecken, Härte und Kante. Von YouTube bis in den Vatikan. Kompromissloses Ende. Charaktere durchaus im Graubereich (selbst unser selbstverliebter Fake-Priester). Einfach gut. Musste man nicht erwarten. Nimmt man aber gerne mit. Habe ich in dieser Art, Richtung und Kompromisslosigkeit auch noch nie gesehen. Dabei liegt’s definitiv nah.
Fazit: cleverer, interessanter, moderner und vor allem verdammt unterhaltsamer Twist auf sein Subgenre. B-Movie'ism im Zeitalter von Facebook und Patreon done right.