Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (8)
END OF THE WORLD
(END OF THE WORLD)
Maximilian Elfeldt, USA 2018
End of the World ist eine weitere Produktion aus den heiligen Hallen meiner Lieblings-Schundschmiede „The Asylum“, und wie’s der Titel schon vollmundig verspricht, handelt es sich dabei wieder einmal um einen Katastrophenthriller.
Die Katastrophe der Woche ist im vorliegenden Fall ein „solarer Supersturm“ – das heißt, dass es gewaltige Sonneneruptionen gibt, die sich sehr nachhaltig auf unseren Planeten und hier ganz konkret auf Kalifornien auswirken: Es kommt zu Erdbeben, Vulkanausbrüchen (was mitten in Los Angeles ein riesiger Vulkan zu suchen hat, bleibt dabei unerklärt), Lava-Austritten, Überschwemmungen, Gewittern und Stürmen. Weil das scheinbar niemand mitbekommt oder ernst genug nimmt, brauchen wir wieder einmal einen Warner vom Dienst ®, der in diesem Fall jedoch eine Warnerin vom Dienst und gleichzeitig auch die Wissenschaftlerin vom Dienst ® ist – Meredith Fischer, eine, ähm ... was eigentlich? Meteorologin? Egal – wichtig ist, dass sie vor der Katastrophe warnt und niemand auf sie hört.
Viel Zeit bleibt ihr derweil zum Warnen nicht, denn Lava und Erdbeben sind schon fleißig dabei, Los Angeles in Schutt und Asche zu legen. Also macht sie sich daran, wenn schon nicht die Menschheit, so doch wenigstens ihre Familie zu retten: Mit ihrem Mann Sullivan, ihrem Teenie-Sohn Kirby und ihrer Teenie-Tochter Sarah will sie sich in ein Sicherheit versprechendes Höhlen- und Bunkersystem am Stadtrand zurückziehen. Dies ist allerdings leichter gesagt als getan, da sich alle Familienmitglieder zum Aufbruchszeitpunkt an verschiedenen Orten aufhalten (warum zum Kuckuck, möchte man das Skript beziehungsweise seinen Autor Michael Varrati fragen, hat die von allen Menschen am besten um die drohende Gefahr wissende Heldin ihre Kinder unmittelbar vor der Katastrophe noch irgendwohin fahren lassen?).
Immerhin finden sich die Fishers mit etwas Glück noch zu Zweiergrüppchen zusammen, und so sind anschließend einerseits Vater und Tochter und andererseits Mutter und Sohn auf getrennten Wegen unterwegs zu den Höhlen. Während die beiden Erstgenannten den entfesselten Urgewalten in der freien Natur trotzen müssen, versucht die Mutter, ihre guten Beziehungen zum Militär zu nutzen, das aber traditionell hilflos beziehungsweise überhaupt nicht agiert. Werden es unsere Protagonisten schaffen, gesund zusammenzufinden und die Katastrophe zu überleben ...?
Klar werden sie das. End of the World ist schließlich ein Asylum-Streifen, und solche finden in der Regel zu einem wenn auch noch so abstrusen Happy End. Auch hier weiß man nach ungefähr drei Minuten, dass die Helden „sicher“ sind, weshalb der Hinweis auf den Ausgang der Geschichte kein wirklicher Spoiler ist. Um den Ernst der Katastrophenlage zu bekräftigen, werden lediglich noch ein paar sinnlose Nebenfiguren eingeführt, die dann höchst melodramatisch unsere Welt verlassen können. Oder sagen wir besser die Welt dieses Films, denn die hat ihre eigenen, von Ballast wie Logik und Glaubwürdigkeit befreiten Gesetze – ganz wie man es von Produktionen der gegebenen Herkunft kennt.
Nichts Neues also aus den Tiefen des Katastrophentrashs? Nein, eigentlich nicht. Bemerkenswert ist allenfalls, dass es sich das Skript hier besonders leicht macht und ein Szenario aufbaut, dem man nicht mit einer Lösung (wie einem EMP ...) entgegentreten kann. Die Wissenschaftlerin vom Dienst ® muss sich also keine Gedanken um die Abwendung des Unheils machen, sondern einfach nur sich selbst und ihre Liebsten in Sicherheit bringen – danach kann die Sache ausgesessen werden, denn sie weiß: „Es ist nur ein Sturm, und der ist auch irgendwann vorbei.“ Okay – ursprünglich wollte sie einmal „so viele Menschen wie möglich“ in die Höhlen verfrachten, aber am Ende ist sie froh, dass es außer ihr wenigstens drei sind.
Und deren Rettung ist schwierig genug: In den letzten Minuten überschlägt sich End of the World geradezu vor Dramatik. Das ist gut gemeint und generell auch sauber in Szene gesetzt, dabei aber derart überzogen, dass man es ohne Weiteres als Parodie lesen kann – wie ohnehin den ganzen pathosbeladenen Familienkitsch, der sich in der Schlussphase über den Zuschauer ergießt. Es mag sie tatsächlich geben, die kurzen Momente, in denen sich glauben ließe, dass End of the World ernst genommen werden kann (realitätsverachtende Übertreibungen und Familienkitsch gehören schließlich auch zur Grundausrüstung Hollywood‘scher Genre-Großproduktionen), aber alles in allem vergisst man natürlich nie, wo man hier hingeraten ist. Dafür sorgen neben technischen Aspekten, über die noch zu reden sein wird, schon die erbärmlichen Dialoge, denen man im Verlauf des Geschehens unentwegt ausgesetzt ist. End of the World gehört somit zu jenen Filmen, die man einfach mit Humor nehmen muss, wenn man geistig intakt aus ihnen herauskommen will – weshalb sich vornehmlich und sogar nahezu ausschließlich die Fraktion der Trash-Liebhaber von ihm angesprochen fühlen sollte.
Auch auf der visuellen Ebene versucht der im gewohnten TV-Format vorliegende Streifen gar nicht erst, seine Herkunft zu verbergen. Die Bildqualität ist dabei grundsätzlich unauffällig, aber in Sachen Tricktechnik unterschreitet End of the World selbst das hauseigene Niveau mühelos um eine ganze Etage. Ein paar Blitze sehen recht ordentlich aus, aber schon die „Risse“, die hier aufgrund der Erdbeben aller dreißig Sekunden irgendeine Wand oder Straße bekommt, lassen sich nur noch mit viel Wohlwollen durchwinken, die „Einschläge“ der Blitze wurden noch mieser umgesetzt, ein paar Explosionen sind schlichtweg unterirdisch und bei der „Lava“ ist schließlich in allerfeinster Allmighty Thor-Manier alles zu spät. Wirklich alles. Nach einem jeweiligen kurzen Schockmoment habe ich hier vier- oder fünfmal laut aufgelacht – das ist mir in einem solchen Zusammenhang schon lange nicht mehr passiert. Ich dachte tatsächlich, dass man mich als ausgewiesenen Trash-Kenner, dem sogar das Schaffen von Andrew Bellware vertraut ist, nicht mehr mit schlechten Trickeffekten aus der Ruhe bringen kann, aber Maximilian Elfeldt (Avengers Grimm 2) und seine CGI-Zauberer haben es gestern Abend geschafft – mit einer Arbeit, die keinen Deut kompetenter wirkt als das, was bereits anno 2005 für King of the Lost World an den Asylum-Rechnern zusammengeschustert wurde. Aber Qualität und ihre Verbesserung gehören ja bekanntlich nicht zum Konzept der Truppe um David Michael Latt.
Bei den Darstellern muss es nach Lage der Dinge schon zwangsläufig besser aussehen, und ja, mit den hier in vorderster Front angetretenen Leuten kann man zufrieden sein. Halbwegs zumindest. In vorderster Front der vordersten Front steht dabei die verdienstvolle Asylum-Katastrophenfilmdarstellerin Jhey Castles, die mir bereits in San Andreas Quake und Apocalypse Pompeii begegnet ist. Zu ihren größten Verehrern zähle ich gewiss nicht, und auch hier war ich nie ganz sicher, was ich von ihr halten soll, aber immerhin wirkt sie halbwegs angenehm, ist weniger austauschbar als die überwiegende Mehrheit der in ihrer Leistungsklasse tätigen Kolleginnen und gibt sich zweifelsfrei Mühe. Ihre unmittelbaren Mitstreiter sind ebenfalls nicht unsympathisch: Mit Joseph Michael Harris als Vater sowie Evan James Henderson und Jacqueline Scislowski in den Teenie-Rollen kann man gut leben, obgleich vor allem beim Erstgenannten, der in der deutschen Fassung auch noch ziemlich unglücklich synchronisiert wurde, fachliche Defizite unübersehbar sind (das sind sie erwartungsgemäß auch bei den beiden anderen, aber den jungen Leuten lässt man’s eher durchgehen als einem vermeintlichen alten Schauspielhasen). Auf jeden Fall haben alle vier ihren Anteil daran, dass dieser Film bei allen Problemen weitgehend genießbar ist – mit einem anderen Cast hätte End of the World schnell nerven können. Eine solche Veranlagung birgt schließlich auch der Score von Chris Ridenhour und Chris Cano, die hier keine schöpferische Sternstunde hatten. Ihre Musik dudelt wieder einmal ununterbrochen vor sich hin, und das im doppelten Sinn: Es gibt sowohl keine Unterbrechung durch einen Moment der Stille als auch keine durch irgendeinen kompositorischen Einfall.
Somit haben wir also den nächsten Billigschmieden-TV-Fließbandkatastrophenheuler, der routiniert (um nicht stupide oder lieblos zu sagen) das übliche Einheitsprogramm herunterspult. Auch End of the World liefert vorwiegend abgestandene und schwülstige Familiengrütze auf beängstigend niedrigem Niveau und ist meilenweit davon entfernt, das vollmundige Versprechen seines Titels einzulösen: Zwar kennt der Streifen bei der Wahl seiner zerstörerischen Mittel keine Hemmungen (vom Erdbeben bis zum Tsunami ist alles dabei – okay, eine Schockfrostung Nordamerikas wäre noch drin gewesen, aber die passt selbst im Asylum-Universum schlecht zum Sonnensturm), doch letztlich „endet“ hier nicht einmal Los Angeles. Was für ein Elend.
Man könnte demnach also auch als ausgewiesener Freund des unterklassigen Filmschaffens getrost die Finger von End of the World lassen, wenn ... ja, wenn da nicht diese unglaubliche Asylum-Lava wäre. Die muss man einfach gesehen haben.
Objektiv 3 von 10 Punkten.