Review
von Leimbacher-Mario
In einer Zeit vor „Taken“
Bevor Liam Neeson zum gefeierten Alt-Actionstar wurde, tat er sich in „Gun Shy“ mit der immer tollen Sandra Bullock zusammen. Man weiß gar nicht, ob die Kombi heute oder damals mehr Zugkraft hätte/hatte. Über die hier bewertete Gangstercomedy jedenfalls spricht heute kaum noch einer - ein echter Fund also auf Disney+. Erzählt wird in der Früh-00er-NYC-Produktion von einem traumatisierten Elitecop, der nach einem schief gelaufenen Job zu einer witzigen Selbsthilfegruppe geht, sich nur noch schwer mit Undercoverarbeit anfreunden kann und der gleichzeitig wahrscheinlich auch noch seine schlagfertige Traumfrau kennenlernt…
Ein wenig wirkt „Gun Shy“ wie eine Mischung aus sowas wie „Reine Nervensache“, „Ocean's Eleven“ in whacky und eben heutigen Liam Neeson-„Reißern“ zwischen guckbar und höchstens DTV-Qualität. Doch schaut man genauer hin, ist das zu plump und simpel formuliert, hat diese gewiefte Komödie noch ein wenig mehr auf dem augenzwinkernden Kerbholz. Neeson wirkt hier noch frisch, motiviert, spritzig und unverbraucht. Er nimmt sich so quasi schon auf den Arm bevor sein Actionzug erst richtig angerollt ist. Eigentlich wäre heutzutage eine solche Art von „Auf den Arm nehmen“ überfällig für ihn. Ein Grund mehr „Gun Shy“ endlich zu entdecken. Sandy B geht eh immer und ist ein Träumchen aus Charme, Schönheit und Sexyness. Die Nebenfiguren samt ihren Dialogen und ganz intimen Problemen sind schrullig, authentisch bis genial. Und die hier gezeichnete Welt ist alles andere als voller Klischees - oder zumindest nur auf den ersten Blick. Eher voller cleverer Grautöne und Durchsetzungen der Grenzen zwischen „den Guten“ und „den Bösen“, zwischen Mut und Feigheit, zwischen Polizei und Gangstern. Vielleicht macht es sich das Finale etwas leicht. Vielleicht zittert man nie wirklich um die wichtigen Figuren. Und vielleicht entscheidet sich das Werk nicht wirklich, was es bevorzugt sein will. Und dennoch mundet am Ende dieser freche Cocktail aus Undercoveraction und Pistoleroparodie.
Fazit: lustige Gangster- und Undercovercop-Persiflage, die vor allem durch ihre schrulligen und charismatischen (Neben-)Figuren hervorsticht. Charming.