Review

"Ganz schön nervös für'n Ranger." - "Ganz schön ruhig für so'n Bundesarsch."

Chuck Norris fuhr bereits Ende der Siebziger respektable Rendite mit seinen Filmen, lange vor der Verpflichtung für die Cannon Group ein, die Budgets überschaubar, die Einspielergebnisse hoch, eine Vielfaches des Investierten, wobei speziell Cusack - Der Schweigsame (1985) als auch Lone Wolf McQuade nicht bloß als ursprünglich von Clint Eastwood abgelehnt, sondern auch entsprechend an deren Polizeifilme angelehnt und wie als kleinere Ausgabe dessen, als kleine Klassiker im Genre auch geltend. Der Zuspruch der Kritiker war ausnahmsweise hoch, der Zuschauer hat mitgezogen, die Vorausverkäufe für die Veröffentlichung des Films am 15. April 1983 waren so hoch, dass das Team plante, zwei Fortsetzungen zu produzieren, bevor es Orions Angebot über eine hierauf basierende Fernsehserie in Betracht zog. Drehbuchautor B.J. Nelson hatte speziell einen Spaghettiwestern im modernen Setting im Sinne, basierend auf dem Leben und Schaffen von Manuel T. Gonzales (1891-1977), Kapitän der Texas Rangers und Mitarbeiter der texanischen Regierung. Die Regie übernahm mit Steve(n) Carver (ein Fotograf und) ein alter Bekannter von Norris, der seine Leinwandpersönlichkeit auch entscheidend veränderte, ihn rauer als zuvor machte, kerniger, und zudem auch schon Erfahrungen mit David Carradine gemacht hat, in Der Gigant (1981) respektive Der rasende Charlie (1979), bei den Norris-Arbeiten sind auch wichtige Mitarbeiter wie der Kameramann und der Cutter dieselben:

Texas Ranger Jim "J.J." McQuade [ Chuck Norris ], ein ehemaliger Marine, arbeitet lieber allein und trägt einen großen .44 Magnum Revolver als Dienstwaffe. Er lebt in einem heruntergekommenen Haus mitten im Nirgendwo in Einsamkeit, abgesehen von seinem Wolf. McQuades Kommandant, Ranger Captain T. Tyler [ R.G. Armstrong ], versucht, sein "Einzelgänger"-Verhalten einzudämmen, indem er darauf besteht, mit Deputy Arcadio "Kayo" Ramos [ Robert Beltran ], einem harten, aber gepflegten Latino, zusammenzuarbeiten. Als seine Tochter Sally McQuade [ Dana Kimmell ] und ihr neuer Freund Bobby Drew [ Robert Jordan ] Zeugen eines Überfalls auf einen US-Armee-Konvoi werden, führt die Spur zu Rawley Wilkes [ David Carradine; der die Rolle unter der Bedingung annahm, dass seine Figur die Hauptdarstellerin nicht tötet, nicht stirbt und nicht in einem Kampfsportkampf mit dem Protagonisten besiegt wird. Da keine dieser Bedingungen erfüllt war, klagte Carradine gegen die Veröffentlichung des Filmes, um seinen "Ruf als ein Mann mit grenzenlosem Mut und körperlich sowie geistig unbezwingbar" zu schützen. ], einem Waffenhändler, der an Terroristen und zentralamerikanische Militante verkauft, und seiner Freundin Lola Richardson [ Barbara Carrera ], die bald ein Auge auf den Texas Ranger geworfen hat. FBI-Sonderagent Marcus Jackson [ Leon Isaac Kennedy ] schließt sich den Ermittelnden und damit auch schnell in die Gefahren Geratenden an.

Carver, der später bezüglich Walker, Texas Ranger einen Rechtsstreit vom Zaun gebrochen (und verloren) hat, kann hier auf den finanziellen Rückhalt durch Orion Pictures zählen, auf die Anpeilung an den Western, hier als moderne Variante, aber deutlich spürbar, auf Carradine als Antagonisten und fast populären Darsteller, damals zumindest, auf eine archetypische Geschichte und ihre ebensolche Behandlung, die ersten Bilder atmen deutlich die Hitze durch die Sonne, die Wildnis, fortschrittliche Gegebenheiten verwundern hier fast, der Protagonist dabei fest im Blick. Walter Hills Ausgelöscht (1987) hatte später noch dergleichen Aura, hier schon vorneweg genommen, der Beginn fast identisch in der Stimmung. Wegen Pferdediebstahl durch eine Horde marodierender Banden entbrennt hier eine Schießerei in der Wüste, ein kurzes Intermezzo, ein wildes Chaos, die Gesetzeshüter in der Unterzahl und chancenlos, nur Mcquade hat sich längst einen Namen gemacht, "Erweisen wir unserem Gast einen gebührenden Respekt.", eine Glorifizierung, eine Über-Inszenierung, ein Auftritt wie aus dem Lehrbuch, zwischendurch ein in Brand geschossener Wagen, eine erste Demonstration. (Norris kommentierte seinen ausdruckslosen Schauspielstil im Rolling Stone vom 23. Juni 1983 und erklärte, dass ihn seine jahrelangen Karate-Studien gelehrt hätten, seine Gefühle zu unterdrücken, und dass er "es sehr schwer fand, diesen Prozess umzukehren.")

Applaus gibt es auch, nur woanders, nicht dafür, woanders wird eine Auszeichnung des Abschieds wegen verliehen, McQuade der Außenseiter hier bloß, der Einzelgänger, der Einzelkämpfer, der Lone Wolf. Eine Ansprache durch den Chef folgt, den Vorgesetzten, der erste Einlauf, so wie immer, ein Dinosaurier in der freien Wildbahn, natürlich wird auch ein neuer Partner an die Seite gestellt, man kennt die Drehbücher, die Klischees, davon leben diese Filme, von der Wiederholung der Stereotypen; "gegenseitiges Vertrauen ist das allerwichtigste in unserem Geschäft", Carver hält sich eindeutig an diese Regel, er versteht sein Handwerk, er filmt zwischenzeitlich auch sicherer als bspw. Andrew Davis bei Cusack - Der Schweigsame, die Aufnahmen bewegter, vielfältiger, teilweise wie aus dem Hinterhalt angelegt, und humoristisch aufgelöst. Die Glut brennt, die Wüste lebt und bebt, es werden Zielübungen mit nackten Oberkörper veranstaltet, dazu die Freiheit gelebt, das Alleinsein zelebriert, sogar auch mit technischen Schnickschnack und Gimmicks gespielt. Der Unterschied ist hier, der Protagonist hat eine Familie, er wird trotzdem auf einen Scheffel gestellt, er trägt auch den Titel, dort wird im Original nur das Motto des Filmes, Code of Silence gewählt. Auch ein Love Interest wird geboten, und die Duellanten für den Showdown sich viel eher einander vorgestellt, ein erstes schnelles Taktieren, die Frau in der Mitte, später noch ein Streitobjekt, ein Anblick wie von Göttern geschaffen, der Rest ist Country, wie er leibt und lebt. Dem Eastern und dem Martial Arts wird sich hier auch (mehr) gewidmet, ein Endgegner aufgebaut, eine Provokation geboten, bei dörflichen Stadtfest, die ersten Schergen durch die Gegend geworfen, den großen Macker mokiert, zwei Alphamänner treffen aufeinander, hier schon und auch noch später. Der Kampf gegen das Verbrechen lässt sich etwas Zeit, erst werden die Figuren vorgestellt, die Dialoge zahlreicher, die Prügelei dafür auch, ausgleichende Gerechtigkeit. Eine Schießerei auf nächtlicher Straße und das Beseitigen von Zeugen heizt die Situation an, ein Waffendeal der Grund, eine Patrouille ausgelöscht.

Anlass für Rache ist damit genug gegeben, wird das Ganze persönlich genommen, trotz Übernahme des FBI, die Hierarchie spielt sich in den Vordergrund, die Bürokratie gewinnt, ein Waffenkonvoi ausgeraubt, die Armee involviert. Geschwitzt wird hier ordentlich, dreckige Geschäfte gemacht und unterbunden, sich illegal Zutritt mit dem Wagen als Rammbock verschafft, die rechte und die linke Faust geschwungen. Etwas urbaner wird das Geschehen später, ein Actionkrimi mit Schießereien, mit dem Fausthieb ins Gesicht, den Hangeleien am rasenden Auto, dem explodierenden Tanklastwagen; Neuling, Altgedienter und Aussteiger ziehen zusammen an einem Strang, alles für das Gute, alles für das Recht. Ein Terrorist wird hier gejagt, nicht strikt nach 101, sondern auf die eigene Methode, dem "Auf die Finger klopfen", keine Zusammenarbeit mit anderen Behörden gesucht, die Sache auf seine eigene Art geregelt, die simpelste Methode, mit dem Kopf durch die Wand denkt es sich noch am Besten. Ein Saustall wird hier aufgeräumt, ein bisschen Liebesgesäusel auch, ein paar Nebenszenen für die wenigen verirrten Frauen im Publikum, selbst der Wolf schämt sich deswegen. Immerhin werden bald wieder Nachforschungen angestellt, Ermittlungen quasi, wenn man das so nennen kann, es wird ein wenig albern im Geschehen, eine Art Blofeld im Rollstuhl installiert, dann auch plötzlich auf Eile gedrängt. Ein Überfall auf eine Art Safe House bringt die nächsten Opfer, die Dramatik angezogen, das Leben plötzlich todernst und nicht mehr feierlich.

Trost findet man im Dosenbier und in der Frau, die Liebesgeschichte mit Bestandteil der Handlung, als Füllmaterial, ohne groß Einblicke zu bieten, dafür gibt es menschenverachtende Bösewichte, einen kurzen nächtlichen Überfall, diesmal auch eine Regung des menschlichen Herzens aufgrund des 'Weggangs' eines Weggefährten, eine löbliche Ausnahme vergleichbar mit anderen Werken (wie Sie nannten ihn Hondo oder Big Jake), ein schmerzhaftes Zerreißen. Rache wird angestrebt. Carver, mit genug Erfahrung gesegnet, verzichtet dabei durchaus nicht auf Aufwand, es wird in die Lüfte gegangen, es wird sich durch die Pampa bewegt, ein schwieriges Terrain, ein besserer "Ziegenpfad", dazu einige größere Maschinen und Areale, die Produktion gut aufgestellt, "mit allem ausgestattet, was man so braucht.", eine Schießerei in durch Scheinwerfer erleuchteter Nacht, mit Hubschraubern und Flugzeugen sowie einem paramilitärischen Lager samt RPG und Handgranaten wird hier hantiert. Action (von Stunt Coordinator Aaron Norris) selber ist dabei gar nicht soviel vorhanden, die 'anschließende' Serie hatte nahezu dieselbe Quantität, natürlich dort auf familienfreundlichen Fernsehniveau, hier schon die höhere Freigabe angestrebt. Vorher aber erst die Wunden geleckt, dann geht es hinaus aus dem Zuständigkeitsbereich, hinein in die Höhle des Löwen, auf explosiven Kriegsfeldzug gerückt.







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