Review
von Leimbacher-Mario
John Shit
Während Jonas Akerlund mit seinem Biopic-Schocker „Lords of Chaos“ gerade auf Festivals für Furore und Aufmerksamkeit sorgt, stellt er auf Netflix nahezu gleichzeitig das Kontrastprogramm. Mit „Polar“, einem comichaften Agentenactioner im Stile von „John Wick“ oder „Smokin‘ Aces“, nur noch wesentlich abgedrehter, augenzwinkernder und dümmer. Wer das auch nur eine Sekunde zu ernst nimmt oder von dem blutrünstigen, oft geschmacklosen Gemetzel auf dem falschen Fuß erwischt wird, der kann hier schonmal auf dem eigenen Sofa abkotzen. Immerhin ist dort die Toilette ja meist nicht weit. Oder der Exitknopf auf der Fernbedienung. Das sieht man allein schon an einigen professionellen Kritikern, die jetzt schon meinen einen sicheren Kandidaten für die Worst Of-Listen gegen Ende des Jahres gefunden zu haben. Beim breiten Publikum sieht das eindeutig positiver aus, wenn auch nicht einstimmig. Doch was ist das heutzutage schon und wie könnte es bei so einem polarisierenden Bad Taste-Toast auch sein. Ich stehe irgendwo dazwischen, etwas mehr zum Positiven gelehnt. Er hat mich auf dem richtigen Fuß erwischt, so kann man es sagen. Ein stumpfer B-Movie, irgendwie alte Schule aus neuen Schläuchen. Politisch unkorrekt und völlig verkorkst. Das kann man ruhig mal machen bzw. sich geben. Erst recht an einem Herrenabend auf dreizehn Kästen Bier. Allein schon wegen dem neuen deutschen Import Ruby O. Fee, zu der man dem Schweighöfer nur gratulieren kann... Was ein Feger!
Zurück zum Film: der dreht sich um einen stoisch und wie immer grandios von Mads Mikkelsen verkörperten, legendären Auftragsmörder, der in Rente gehen will. Doch da ihn seine ehemalige „Firma“ als Gefahr sieht und eh gerne alternde Killer aus dem Weg räumt, muss er sich mit dem auf ihn angesetzten Nachwuchs der Killerelite herumschlagen... Nochmal: guter Geschmack ist hier alle. Ganz ehrlich. Wer hier Anspruch und Sinn und Logik und Political Correctness erwartet, sollte direkt draußen bleiben. Hier werden unschuldige Hunde erschossen und das Blut spritzt bis in die hinterste Reihe, hier wird geballert aus allen Rohren, gerne auch im Schlafzimmer, dass Clive Owen in „Shoot 'em Up“ vor stolz platzen würde. „Polar“ ist überdreht, stressig und oft genug barbarisch. Hirn aus ist Pflicht. Aber war das bei „Phantom Kommando“ oder „City Cobra“ damals wirklich anders? Ich glaube nicht. Damit will ich „Polar“ nicht direkt auf deren Olymp heben, doch ich wurde über satte zwei Stunden solide und saftig unterhalten. Mads Mikkelsen spielt bombig, das Tempo ist brachial und der Gewaltgrad absurd. Szenen wie der Fight durch den Flur (obwohl etwas von „Oldboy“ abgekupfert!) oder die Laser-Finger-MGs werde ich sicher nicht so schnell vergessen. Zudem ist auch Vanessa Hudgens zu loben, selbst wenn sie teilweise meint, in einem wesentlich ernsteren Film als alle anderen zu sein. Der Humor ist äußerst trocken und die Shoot Outs sind äußerst feucht. Klar feiert sich der Film manchmal etwas zu sehr selbst und zu glauben, man ist cool, war schon immer das Todesurteil Nummer 1 für wahre Coolness. Doch wenn nichts mehr geht, dann ziehe ich einfach nochmal die Trumpfkarte Ruby O. Fee. Danach fällt keinem Mann mehr ein, das Ding ernsthaft zu kritisieren. Selbst sprechen wird dann schwer fallen. Denn das gesamte Blut ist woanders...
Fazit: bipolar, blutig, bizarr - ein Feuerwerk des schlechten Geschmacks. Nicht gut, aber sehr unterhaltsam. Schnell abgeschossen, schnell vergessen. Sollte man sich nicht zu sehr drüber aufregen und flott durchziehen wie einen Big Mac. Comichaft überzeichnet, dumm wie Brot und flach wie eine Pfütze. Weggeatmet wie ein feuchter Furz. Das meiste ist Spaß. Nur auf Mads ist wirklich immer Verlass!