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Seit jeher ist das Kino eng mit dem Spezialeffekt verbunden; bereits Georges Méliès einigte die Möglichkeiten des Neuen Mediums mit den Erfahrungen seines Pariser Zaubertheaters und entwickelte entsprechend phantastische Filme, die massgeblich von der Verblüffung technisch komplexer Tricks lebten. Reges Zuschauerinteresse als entsprechende Folge und bis heute die Basis für massenanlockende Blockbuster, die zumeist wie in kindlicher Freude das Spektakuläre in den Vordergrund stellen und eine reine Magiewelt fern jeder banalen Realität erschaffen. Die Entwicklung aus dem Nichts, das Spiel mit der Vorstellungskraft, die Vortäuschung von Tatsachen und die Bebilderung von Gedanken und Träumen, der in dem Fall eben keine Grenzen gesetzt werden fasziniert mittlerweile die Zuschauer schon weniger, da eifrige Making Offs die Herstellung bis in kleinste Details zerpflücken. Dennoch funktioniert die Grösser, Besser, Lauter und Imposanter Methode weiterhin und wird auch in naher Zukunft expandierend betrieben werden. "Das Unmögliche unter allen Umständen möglich machen."

Was das Alles mit einem kleinen taiwanesischen Billigprodukt in typischer 80er Jahre Verfassung zu tun hat, dass als lokale Randnote selbst den Eingeweihten eher nicht so der Begriff ist und bis vor kurzem noch nicht einmal eine gescheite Verbreitung genossen hat ?
Die vordergründige Actionkomödie A Heroic Fight dreht sich um das Trugbild, den Unterschied von Sein und Schein und die Anwendung der props aus dem Filmgeschäft in der Realität. Um die Einbildung, die Verblendung, die Vorspiegelung. Um die tödliche Illusion und die Tödlichen Tricks; wie die Zusatztitel der zweiteiligen, später noch zur TV Serie ausgewachsenen F/X - Reihe so passend umschreiben. Wo dort ein Experte für die Umsetzung der Showeinlagen und Attraktionen im Mittelpunkt des Geschehens stand und sich nur mit seinen Kenntnissen und Fähigkeiten der echten Gefahr erwehren konnte, so bewegt sich hier gleich eine ganze Schausteller-Familie im Zentrum der Bedrohung:

Master Lin-wang [ Yuen Cheung Yan ], seine Tochter Hsiao-long [ Lam Siu Lau ] sowie Hsao-pao [ Lam Gwong Wing ] und Niou [ Lam Kai Man ] erfüllen bei diversen Actionproduktionen die Wünsche des Regisseurs; sorgen für Feuer, Explosion, hit squibs und setzen sich teilweise auch selber aktiv als Stuntdouble in Szene. Als die fesche Hsiao-long eines Tages nach der Arbeit die kleine Enkelin des Triadenführers Duh [ Chiu Chung Hing ] vor den Schergen des Konkurrenten rettet, kommt Duh die geeignete Idee. Da er eh Aussteigen möchte, soll die Künstlerfamilie einfach seinen Tod inszenieren; die weiteren Geschäfte möchte doch bitte sein Sohn Gher-hong [ Yeung Hung ] erledigen. Der Plan würde auch aufgehen, wenn nicht Duhs rechte Hand Li Wey [ Dick Wei ] etwas gegen die Nachfolge hätte.

Dabei ist das zugrundeliegende Setting mit seinen Problemen und Konfrontationen so stark dem zeitgenössischen Triadenfilm entlehnt, dass man mit wenig Mühe auch einen ernsten Vertreter daraus beschwören könnte. In dem Wissen lässt sich aus der Thematik kaum eine eigentliche Spannung oder aufmerksame Anteilnahme ableiten, zumal die entsprechenden establing shots aller eher einfallslos bis dröge impletiert sind. Dass soll aber nicht davon abhalten, dass man anlässlich seines Effekteinsatzes und der zeitweisen Parodie auf das Genre weitaus genug Gimmicks zur Verfügung hat, die auf ihre Weise für erstaunlich extravagantes Tempo und Amüsement sorgen. Zwar ist zuweilen die Arbeit mit den special features so sehr überhöht, dass man vor lauter Erfindungsgeist gar nicht mehr weiss, wohin man schauen und worauf man nun achten soll, es dadurch aber auch immer etwas zu entdecken gibt. Wie fast bei Daniel Düsentrieb scheint das Motto der Heimwerker zwar "Warum einfach, wenns auch kompliziert geht" zu sein und ist die Schöpferkraft oftmals weit höher als der Nutzen, so muss man Regisseur und Autor Chiu Chung Hing [ sowie seinen Technikern ] durchaus einen Sinn für Ideenreichtum und Flexibilität bescheinigen.
Kreativität muss eben manchmal ungewöhnliche Wege gehen; auch um den doppelbödigen Einfluss vertrauter filmischer Mittel hervorzurufen.

Getreu der Formel, dass sich Technik und Narrativik gegenseitig bedingen stört auch der akut hypertrophierte Spieltrieb samt den vielfältig genutzen Design-Möglichkeiten im Haus der Familie Lin nicht. In den fälligen Actionstücken hätte man die Benutzung aber lieber weniger und dafür druckvoller gesehen; auch eine Portion Pragmatismus schadet zuweilen nicht. So weigert man sich in den alsbald eintreffenden Auseinandersetzungen anfangs partout, in Vorgehen, Stil oder Motivschatz nur irgendwie zu einigen; das Adrenalin perlt nicht wirklich, wenn mit Luftballons, Garfield-Telefonen, Saugpfeil aus der Spielzeugpistole, BMX-Rädern, Mäusezähnen und dergleichen Kinderwaren aus dem Setzbaukasten hantiert wird. Der häufige Griff an den Zeitrafferregler und die demnach atemlos erscheinende Photographie stellt wie seit den Stummfilm-/Slapsticktagen bloss die komische Konsequenz her; die nicht normierte Geschwindigkeit der Bildfolge und darob synkopierte Bewegung gibt den Figuren eine dehumanisierte Puppenästhetik bei, die sich im Showdown sogar verselbständigt: Dort agiert man als und mit Marionetten innerhalb einer surreal anmutenden, voll versteckter Anspielungen steckender Filmkulisse.

Jenseits mancher Irritationen und abseits einiger Hilfe mit dem Drahtseil ist die Choreographie aber unbedingt seinen Hingucker wert; zur Freude der Erwachsenen steigert es sich nach Klettermax- & Hampelmann - Unternehmungen auch stetig in Bezug auf Skrupellosigkeit, Widerstandsfähigkeit und nötiger Durchschlagskraft. Nach mächtigen Kalauern, viel ohren- und augenbetäubendem Brachialwitzen, Anleihen an die Mini Playback Show, der Lucky Kids oder Shaolin Popey Saga werden doch tatsächlich die ersten Härten incl. Verletzten und gar Toten aufgefahren und nahezu 30min lang so richtig emsig-wild durch die Atelier-Einrichtung geprügelt, getreten und gestürzt.
Vor allem die kleine, jungenhaft-kesse Pekingoperschülerin Lam Siu Lau verzückt mit einer derartigen Vielzahl unglaublich flinker und anmutiger Akrobatikeinlagen, dass unausweichlich die Frage gestellt werden muss, warum die verschmitzte Dame zehn Jahre später aus dem Filmgeschäft ausstieg und bis dahin weder zur Battle Queen avanchierte noch einen anderen kick ass Klassiker vorzuweisen hat. Da müssen ja einige Produzenten ja arg betriebsblind gewesen sein.

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