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Anfang der 80er war das Ende der Welle von Katastrophenfilmen bereits in Sicht. Die Blockbuster feierten bereits in den 70ern ihre großen Erfolge und irgendwann war das Feld der Naturkatastrophen weitgehend abgedeckt. Bis am 18. Mai 1980 der Vulkan Mount St. Helens ausbrach.

März 1980, im Süden des US-Bundesstaates Washington: Von der geologischen Station am Mount St. Helens sind in letzter Zeit unregelmäßige, seismische Aktivitäten gemeldet worden. Spezialist David Jackson (David Huffman) reist an, um die Gegebenheiten vor Ort genauer zu untersuchen und stößt rasch auf Widerstand der Einheimischen, die im Fall einer Evakuierung um ihre Jobs und ausbleibenden Tourismus bangen. Speziell der stoische Harry Truman (Art Carney) will sein Haus am See um keinen Preis verlassen…

Für ein TV-Film kann sich das Ergebnis fast schon sehen lassen, vorausgesetzt, man erwartet keine spektakulären Effekte. Da der Vulkanausbruch der seinerzeit am besten dokumentierte war, griff man direkt auf Archivmaterial zurück, wogegen die Vorzeichen mit Geröll, Lawinen und umgestürzten Bäumen eher ein wenig spartanisch ausfallen. Immerhin gibt es gegen Finale noch eine Handvoll Panikszenen und Autostunts und es fällt auf, dass Helikopterflüge zu jener Zeit augenscheinlich recht erschwinglich waren, denn davon gibt es durchaus einige.

Nachdem die wesentlichen Figuren rasch etabliert sind und der kauzige alte Truman frühzeitig einen Sympathiebonus einfährt (spricht während des Kochens zum Hund und zur verstorbenen Frau), zieht sich die Chose gelegentlich ein wenig. Dies liegt unter anderem an der völlig unnötigen, weitgehend kitschigen und nicht sonderlich gut gespielten Romanze zwischen Vulkanologe Jackson und einer einheimischen Lockenglomse, welche ebenfalls zuviel Zeit für sich in Anspruch nimmt.

Wesentlich unterhaltsamer geraten derweil Abschnitte, die mit dem eigentlichen Vulkanausbruch rein gar nichts zu tun haben. Etwa, als drei Holzfäller einem Piloten ans Leder wollen, da dieser während des Jobs gezwungen war, einen Baumstamm unsanft niederzulassen. Während der Vulkan-Fritze ebenfalls kleineren Konfrontationen ausgesetzt ist und der fast schon obligatorische Lokalmogul um Ruf und Geld rangelt, gerät das Treiben zumindest nicht allzu sehr ins Stocken, nur die Vorzeichen des eigentlichen Ausbruchs bleiben phasenweise zu vage.

Die Katastrophe selbst fügt sich aufgrund unterschiedlicher Bildqualitäten nicht so recht zum Rest, doch das Ausmaß lässt mindestens kurz innehalten: Allein die Druckwelle war 20 Kilometer breit und über 30 Kilometer lang und die freigesetzte Energie entsprach 1600 mal der Hiroshima-Atombombe. Ein Gebiet von mehr als 500 Quadratkilometer bekam die Auswirkungen unmittelbar mit.

Neben der soliden Kameraarbeit und dem routiniert abgestimmten Score von Goblin ist primär die Präsenz von Art Carney erwähnenswert, wogegen die Rahmenhandlung insgesamt ein wenig Dynamik vermissen lässt. Immerhin merkt man der Produktion das vergleichsweise geringe Budget nur selten an und bei einer Laufzeit von rund 92 Minuten müssen Genrefans nicht allzu viel Zeit einplanen. Nur die großen Schauwerte bleiben am Ende weitgehend aus.
Knapp
6 von 10 



 

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