kurz angerissen*
Mit dieser Neuverfilmung einer eigenen Regiearbeit rührt Hans Petter Moland eine Mischung aus dem schwarzen Humor der Coen-Schule und verbittertem Rachedrama an, die im Tonfall zutiefst irritierend ausfällt. Liam Neeson mit steinerner Miene durch Gegnerhorden pflügen zu sehen, war jedenfalls nie zuvor derart befremdlich. Wann immer eine Figur stirbt, egal ob on- oder offscreen, ob alleine oder im Dutzend, quittiert ein Fade to Black mit Kreuz und Namen des Toten für Six-Feet-Under-Vibes. Diese Sorte von Zynismus flutscht vielleicht, wenn ein William H. Macy gerade noch mit trübsinnigem Blick Löcher in den Schnee gestarrt hat, doch in Überblendung mit Neesons übellauniger Grim-Reaper-Visage kann man da auch mal aus dem Takt geraten.
Ansonsten ist „Hard Powder“ ein klassischer Schnee-Thriller, der frische Schneisen in bereits vorgefertigte Pfade schlägt, was sogar bildlich dargestellt wird, wenn Neeson mit seinem Schneepflug energisch durch die Eiswüste rollt. Visuell jedenfalls weiß Moland seine Arrangements in Szene zu setzen; majestätische Kamerafahrten, konzeptionell wohldurchdachte Montagen und pulsierende Farbkontraste liefern dem Auge höchsten Genuss. Hinzu gesellt sich ein beachtliches Aufgebot an erlesenen Darstellern in den Nebenrollen, auch wenn es keinem von ihnen gelingt, den Hauptdarsteller daran zu erinnern, in welcher Art von Film er gerade mitspielt.