Review

Das filmische Äquivalent zu dem, was übrig bleibt, wenn man bei einem Pornofilm die Rammelszenen rausnimmt ...

Fliessband-Regisseur Albert Pyun geniesst unter Filmfreunden ja gelinde gesagt nicht den besten Ruf. Ich kann das nicht wirklich nachvollziehen: Zum einen weil ich fast keinen seiner Filme kenne. Zum anderen, weil mir sein "Kickboxer 2" (die Fortsetzung des van-Damme-Klassikers), im Rahmen seiner B-Grenzen, ganz gut gefällt.
Ungefähr zur selben Zeit wie KB 2 muss auch "Bloodchamp" entstanden sein, wahrscheinlich mit dem Restbudget aus der Kaffeekasse. Und hier macht Pyun seinem Ruf doch alle Ehre ...

Dabei liest sich der Grundplot für einen Film dieser Gattung noch ganz passabel:
Irgendein Kampfsport-"Champion" kidnappt (!) 4 weitere Champs, um gegen einen nach dem anderen in einem verlassenen Ring anzutreten, weil er sie für den Tod seines Bruders verantwortlich macht. Wie genau die Zusammenhänge aussehen, weiss ich vor lauter Vorspulen nicht. Muss man auch nicht wissen: Wieso, weshalb, warum - wer hier nicht fragt, ist nicht dumm.
Das bedeutet erstmal: viel langweiliges Gequatsche (hab ich mir, wie erwähnt, grösstenteils erspart).
Ausgeleuchtet wird das stets in so einem billigen Schummerlicht, das die "Porno"-Assoziation vollends macht. Dazu kommt eine perfekt passende deutsche Synchro, wie man sie ansonsten z.B. auf Kabel 1 nach Mitternacht zu hören kriegt ...
Leider, und da fangen dann für einen Martial-Arts-Streifen die wirklichen Probleme an, sind auch die Kampfszenen unter aller Sau, nämlich von der Sorte: "Wir hauen/kicken jetzt einfach 100-mal aufeinander ein, irgendwas bleibt beim Zuschauer schon hängen. Nur schade, dass wir kein Geld fürs Make Up haben, sodass keine KampfVERLETZUNGEN drinliegen ..." Was bleibt, ist in etwa der Realitätsgrad von Neo gegen 100 Agents Smith (aus "Matrix: Reloaded") ...
Das kampfsportliche Unvermögen mancher Beteiligten wird, soweit nicht ohnehin offensichtlich meterweit daneben gehauen wird, einfach durch wirre Schnitte und Einstellungen oder x-fache Wiederholung ein- und derselben Bewegungen zu kaschieren versucht (das hat also nicht Steven Seagal zur Verschleierung seiner Altersschwäche erfunden..) Zu allem Überfluss laufen die Deppen im Ring erst noch jeweils lange umeinander herum und sprechen sich aus, anstatt loszulegen ("talkfighting" nannte das jemand bei imdb) ...
Hauptdarsteller Thom Matthews ist die absolute Oberpfeife, mit der Ausstrahlung eines Oliver Pocher, und hat vorher bestimmt noch nie eine Kampfsportschule von innen gesehen. Dass einem sowas als "Champion" verkauft werden soll, ist schlicht eine Unverschämtheit. Als alter Pyun-Spezi (wie hier auch Vincent Klyn, Michel Qissi ("Tong Po" aus "Kickboxer"!) oder Real-Life-Champ Benny Urquidez, der als Darsteller nachdrücklich aufzeigt, dass er sich auf die Choreografien beschränken sollte..) war er aber wohl gerade kurzfristig verfügbar. Man mag sich die Dialoge vorstellen: "Ey, Thom, wir drehen gerade noch mal schnell einen Film, haste 2, 3 Tage Zeit ..?"
Der Gipfel der Absurdität wird erreicht, wenn am Ende noch das Playmate Hope Carlton (die sich im Film NICHT auszieht..) mit ihren Streichholzbeinchen und -ärmchen massiv Schläge austeilt ...

Um noch etwas Positives loszuwerden: der gelegentlich im Hintergrund laufende Synthie-Soundtrack ist ganz gelungen und verleiht diesem Schund dann mehr Atmosphäre, als er verdient.
Und das Ende, mit - soweit bei meinem Wissensstand erkennbar - einem Twist, ist für diese Sorte Film mal was anderes.

Aber das rettet den Gesamteindruck auch nicht mehr.

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