Ein Überlebensabenteuer mit wahrem Hintergrund – da denkt man vielleicht an „172 Hours“, eventuell an „Open Water“, denn eine Mischung aus beidem stellt das Regiedebüt des Spaniers Hugo Stuven dar.
Fuerteventura im September 2014: Surfer Álvaro (Alain Hernández) erwacht nach einer Partynacht im Auto und möchte ein wenig auf den Wellen reiten. Beim Gang zum Strand rutscht er aus und landet am Abhang, wo er sich mit letzter Kraft in eine Welle fallen lässt. Mit schweren Verletzungen im Wasser treibend, versucht er irgendwie das Ufer zu erreichen…
Die Exposition macht unvermittelt klar, dass hier sprichwörtlich jemand am Abgrund hängt und trotz ordentlicher Griffkraft keine Chance hat, sich auf einer steilen Sandoberfläche festzuhalten. Der darauf folgende Abgang ins Wasser verläuft mit offener Handinnenfläche und gebrochener Hüfte noch relativ glimpflich, allerdings ist danach nur noch robben angesagt. Mit dem Fokus auf den reinen Überlebenskampf hätte es ein durchweg spannendes Abenteuer werden können, doch in der ersten Hälfte verzettelt sich Stuven mit einer Liebesgeschichte, die fast meditativ anmutet und zu wenig Tiefe offenbart, um emotional mitzunehmen.
Aber auch der Überlebenskampf, auf den in der zweiten Hälfte mehr Wert gelegt wird, verläuft nicht allzu abwechslungsreich. Wichtig ist das Timing bei Ebbe und Flut, rettende Felsen und ein Board spielen eine Rolle und natürlich Krämpfe im Wasser und drohende Dehydrierung. Glücklicherweise performt Alain Hernández sehr stark und ist mit viel Körpereinsatz bei der Sache, in Extremsituationen fällt die Mimik glaubhaft aus und mithilfe der grundsoliden Maske nimmt man ihm diverse Qualen durchaus ab.
Ein weiterer Pluspunkt ist die versierte Kamera, die bereits früh eine gelungene Mischung aus Urlaubsparadies und nahender Bedrohung einfängt, gleichwohl unterstreicht sie die einsamen Ecken auf der Insel, die den späteren Überlebenskampf authentisch gestalten. Der Score ist indes etwas drüber und während des doch eher austauschbaren Liebesgedöns zu melodramatisch ausgefallen.
Teils spannend, teils deutlich zu ruhig entfaltet sich dieser spanische Survival-Thriller, der zwar handwerklich und darstellerisch in Ordnung geht, dramaturgisch aber zu wenig aus der prekären Grundsituation herausholt.
5,5 von 10