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Ein Österreicher geht auf Selbstfindungsreise und verarbeitet damit sein persönliches Trauma, - dass Regisseur Gregor Schmidinger es schafft, gewisse Angstzustände audiovisuell greifbar zu machen, zählt definitiv zu den Stärken seines Langfilmdebüts. Doch wer sich darauf nicht gänzlich einlassen kann, befindet sich schon bald im emotionalen Niemandsland.

Der 17jährige Jakob (Simon Frühwirth) hat soeben Abitur gemacht, wohnt in Wien bei Vater und Großvater und arbeitet zur Überbrückung bis zum Studium im Schlachthaus. Nachts ist er regelmäßig auf Schwulenseiten unterwegs und klickt sich durch Gay-Chats. Hier wird er auf den Kunststudenten Kristjan (Paul Forman) aufmerksam, welcher ebenfalls in Wien lebt. Als sich die beiden treffen, wird Jakob einmal mehr mit seinen Angstzuständen konfrontiert…

Leider erfährt man rein gar nicht, woher die Angstzustände und Panikattacken des jungen Mannes rühren. Die Mutter hat die Familie früh verlassen, eine Frauenfigur fehlt gänzlich und Worte werden in der Männer-WG fast gar nicht gewechselt. Soziale Kontakte scheint Jakob keine zu pflegen, das Leben des introvertierten Mannes wirkt isoliert. Das erklärt zumindest die Reizüberflutung, die er nach dem ersten Einsatz im Schlachthaus erfährt, als sich im Nachhinein Bilder poppender Typen mit dem Anblick von Schweinehälften überlagern.

Früh deuten einige Bilder auf zunehmenden Kontrollverlust hin, innere und äußere Realität verschmelzen zusehends und nachdem Jakob oft wie gelähmt vor Angst erscheint, fällt er irgendwann in das von ihm beschriebene schwarze Loch und steht quasi neben sich: Körper und Psyche voneinander getrennt.

Das ist von Schmidinger phasenweise optisch stark umgesetzt und mithilfe diverser Farbfilter und einer stets souveränen Kamera stilvoll ausgefallen, doch wenn man sich nicht in jenen surreal anmutenden Sog begibt, wird man mit der lethargisch vorgetragenen Geschichte ohne Pointe nicht sonderlich glücklich. Zwar spielt Leinwandneuling Simon Frühwirth mit starker Präsenz phasenweise herausragend, doch spannend gestaltet sich gar nichts und der anberaumte Horror liefert nicht mehr als eine Andeutung.

Ergo bleibt nicht mehr, als sich auf ein Erleben einzulassen, auf einen düsteren Trip irgendwo zwischen Coming-of-Age und kompletten Realitätsverlust, zwischen Schweinehälften, Kosmosergründung und klassischen Skulpturen im Museum. Eigentlich stinklangweilig und bedeutungslos, doch wirklich entziehen kann man sich den sauber durchkomponierten Bildern eben auch nicht. Am Ende erwartet man gar, das ein dubioser Typ mit Trenchcoat auftaucht, um einem das Fehlende von „Nevrland“ zu verkaufen. Ein E? Psst! Genau…
5,5 von 10

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